Clever essen bei Arthrose

So beeinflusst Ihr Speiseplan Ihre Gelenkschmerzen.

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Gelenkverschleiß trifft jeden früher oder später, er gilt als Volkskrankheit. Eine solche Arthrose ist zwar nicht heilbar, ihr Verlauf lässt sich aber günstig beeinflussen - etwa mit Bewegung, aber auch über die Ernährung. Hier erfahren Sie, mit welchen Umstellungen Sie beim Essen Ihre Gelenkbeschwerden lindern können. Außerdem in der Bildergalerie: Die besten Tipps gegen Arthrose.

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Entzündungshemmer

Bei Arthrose verschleißt die Knorpelschicht zwischen den Gelenken, das kann schmerzhafte Entzündungen auslösen. Welchen Einfluss die Ernährung gerade auf akute Gelenksentzündungen hat, merken vor allem Menschen, die ein paar Tage ganz auf Nahrung verzichten. Arthrose-Patienten, die an einer Studie am Kompetenzzentrum Naturheilverfahren der Universitätsklinik Jena teilnahmen, hatten nach einigen Tagen Heilfasten signifikant weniger Schmerzen, und ihre Gelenke waren wieder beweglicher. Der Grund: Beim Fasten gehen entzündliche Prozesse im Körper zurück.

Für ein paar Tage ganz auf Essen zu verzichten, ist vielen wahrscheinlich zu extrem. Das muss aber auch nicht unbedingt sein. Meiden Sie beispielsweise Lebensmittel, die als besonders entzündungsfördernd gelten. Dazu gehören (rotes) Fleisch oder Eier, aber auch Koffein oder Alkohol. Als Lebensmittel mit positivem Einfluss gelten dagegen Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und pflanzliche Öle, wie Raps- oder Olivenöl. Trinken Sie außerdem reichlich – 1,5 bis 2 Liter täglich sollten es schon sein.

Immer her mit den Antioxidantien

Es gibt noch mehr, was sich aus Ernährungssicht gegen Gelenkbeschwerden tun lässt. Experten empfehlen beispielsweise, antioxidantienreiche Mahlzeiten zu essen. Hintergrund ist, dass bei bestimmten Reaktionen im Körper Sauerstoffradikale entstehen. Diese wiederum begünstigen Entzündungen und damit den Abbau von Knorpelgewebe. Antioxidantien machen diese Sauerstoffradikale unschädlich. Gut ist es deswegen, Nahrungsmittel mit in den Speiseplan zu integrieren, die reich an Vitamin E (etwa Nüsse), Vitamin C (z.B. Sanddorn) oder Beta-Carotin (z.B. Karotten) sind.

Knorpelschutz

Außerdem gibt es Substanzen, die das Knorpelgewebe ganz besonders stark schützen sollen – im Fachjargon heißen sie Chondroprotektive. Diese Stoffe sind im Knorpel vorhanden. Die Idee: Wenn man sie noch zusätzlich über die Nahrung oder Nahrungsergänzungsmittel zuführt, verbessert man die Knorpelgesundheit. Dazu gehören zum Beispiel Kollagen-Hydrolysat, Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat. Ob die künstliche Zufuhr dieser Substanzen aber wirklich gegen Arthrosebeschwerden hilft, dazu gibt es widersprüchliche Angaben. Nebenwirkungen sind aber auch keine bekannt.

Fettarme Milch

Hilfreich gegen Arthrose könnten auch Milchprodukte sein. Das ergab eine Studie von Dr. Bing Lu und seinem Team am Brigham & Woman’s Hospital in Boston. Entscheidend ist dabei, in welcher Form man sich die Nahrungsmittel zuführt. „Eine hohe Fettsättigung der Milch könnte Arthrose sogar beschleunigen“, sagt Lu gegenüber mydoc.de. Seinen Verdacht schöpft der Forscher aus der Tatsache, dass Damen, die im Rahmen einer Studie regelmäßig fettreichen Käse verzehrten, eher unter beschleunigtem Knorpelabbau im Knie litten. Der Genuss von Joghurt hatte dagegen weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf die Gelenke. Positive Wirkung zeigten dafür fettfreie oder fettreduzierte Milchprodukte. Allerdings profitierten nur Frauen von der gelenkerhaltenden Wirkung, bei Männern war kein Schutzeffekt nachweisbar. „Studien weisen daraufhin, dass die Knorpelschicht bei Frauen generell weniger dick ist als bei Männern“, erklärt Lu den Unterschied. Sie leiden deswegen auch häufiger unter Gelenkverschleiß – und ein positiver Einfluss lässt sich bei ihnen so leichter nachweisen.

Heilender Brokkoli

Britische Wissenschaftler sind überzeugt, in Brokkoli eine Substanz entdeckt zu haben, die vor Arthrose schützen kann. Das sogenannte Sulforaphan ist schon seit Längerem für seine krebs- und vor allem auch entzündungshemmende Wirkung bekannt. Die Substanz testeten die Forscher an Gewebekulturen mit menschlichen Knorpelzellen und auch an Mäusen. Das Ergebnis: Im Vergleich zu Kontrollmäusen litten Mäuse, die mit Sulforaphan angereichertes Futter bekamen, deutlich seltener unter Knorpelschäden. Arthrose-Prävention mit Brokkoli? Noch ist das Zukunftsmusik, den tatsächlichen Nutzen wollen die Wissenschaftler noch am Menschen beobachten. Wer aber trotzdem seinen Speiseplan mit dem grünen Gemüse anreichert, schadet sich aber sicherlich nicht.

Abspecken tut den Gelenken gut

An einer Stelle ist es besonders offensichtlich, dass Arthrose und Ernährung zusammenhängen: Wer zu viel Hüftgold mit sich herumträgt, belastet seine Gelenke besonders stark. Denn sie müssen das Mehr an Gewicht täglich stemmen – eine große Herausforderung, vor allem für die Knie. Die erhöhte Beanspruchung sorgt dafür, dass die Knorpelschicht, die als Puffer in den Gelenken dient, schneller schwindet.

Wer etwas moppelig ist und aktiv etwas gegen seine Arthrose (und ihr Voranschreiten) unternehmen möchte, tut gut daran, mindestens fünf Prozent abzuspecken. Der Vorteil: Nicht nur die Gelenke profitieren schnell spürbar von einer Gewichtsreduktion, auch die Gefahr für Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes sinkt.

Stand: 07.04.2017
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Quellen:

  • Davidson K. et al. Sulforaphane represses matrix-degrading proteases and protects cartilage from destruction in vitro and in vivo. Arthritis Rheum. 2013 Dec;65(12):3130-40. doi: 10.1002/art.38133.
  • Biesalski, H.K. et al.: Ernährungsmedizin, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2010
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.; www.dge.de; Abruf 29.03.2016
  • Schmidt, S., et al.: Unkontrollierte klinische Studie zur Wirksamkeit ambulanten Heilfastens bei Patienten mit Arthrose, Forsch Komplement-med. 2010; 17: 87 – 94.
  • Ärzteblatt; Arthrose: Chondroitin und Glucosamin unwirksam; www.aerzteblatt.de; Abruf 29.03.2016