Gemüsesaft: Gut gegen Zahnfleischbluten

Praktisches Hausmittel gegen chronisches Zahnfleischbluten.

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Ständig Zahnfleischbluten? Diese sogenannte Parodontitis ist keine Lappalie! Langfristig lockern sich die Zähne. Und durch die dauernden Entzündungsherde im Körper leidet auch das Herz-Kreislauf-System. Doch manche Menschen bekommen ihre Zahnfleischprobleme auch bei gründlicher Zahnreinigung nur schwer in den Griff. Ihnen könnte ein ganz besonderer Saft behilflich sein.

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Grüne Smoothies stehen bei gesundheitsbewussten Menschen derzeit hoch im Kurs. Sie schmecken vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig–haben es aber in sich. Besonders von ihnen profitieren können offenbar auch Patienten mit chronischem Zahnfleischbluten. Das zumindest legt eine Studie der Universität Hohenheim nahe.

Gesünderes Zahnfleisch dank Nitrat

Die Forscher ließen einer Gruppe von 44 Teilnehmern, die unter chronischer Parodontitis litten, täglich Gemüsesaft aus Spinat und Rucola servieren. Die Hälfte von ihnen erhielt allerdings einen „Placebosaft“, aus dem das enthaltene Nitrat zuvor entfernt worden war. „Wir waren erstaunt über die Unterschiede“, stellte Studienleiter Prof. Ulrich Schlagenhauf fest.

Bereits nach zwei Wochen hatten sich die Zahnfleischentzündungen bei den Patienten, die nitrathaltigen Saft bekommen hatten, deutlich gebessert. „In der Placebogruppe konnten wir hingegen keine Verbesserung feststellen“, so der Ernährungswissenschaftler.

Nitrat im Speichel

Den Wirkmechanismus erklären die Forscher folgendermaßen: Mit der Nahrung aufgenommenes Nitrat wird rasch im Magen und dem oberen Dünndarm aufgenommen und anschließend über das Blut zu den Speicheldrüsen transportiert. Ein gutes Viertel des aufgenommenen Nitrats gelangt so in den Speichel. Auf diese Weise ist die Nitratkonzentration im Mundraum nicht nur während des Safttrinkens messbar erhöht, sondern auch danach noch über einen längeren Zeitraum.

Antibakterielle Wirkung

Bestimmte Bakterien, die im gesamten Rachenraum und insbesondere in den Zahnzwischenräumen sitzen, wandeln das Nitrat in Nitrit um. Das wirkt antimikrobiell und hilft so, schädliche Mundkeime in Schach zu halten. Im weiteren Verlauf wird das Nitrit zu Stickstoffmonoxid (NO) umgewandelt. Dieses wirkt blutdrucksenkend, durchblutungssteigernd und fördert im Körper entzündungshemmende Prozesse.

Nitrat hat aber einen denkbar schlechten Ruf. Unter bestimmten Bedingungen wird es im Körper zu Nitrosaminen verstoffwechselt - und die gelten als stark krebserregend. Doch das ist nicht immer der Fall: "Wenn zusammen mit dem Nitrat auch Vitamin C aufgenommen wird, unterbleibt die Nitrosaminbildung", erklärt Dr. Ralf Schweiggert, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Vitamin C verhindert Nitrosaminbildung

Anders, als wenn man Nitrat über gepökeltes Fleisch und Wurstwaren aufnimmt, ist die Zufuhr über Gemüse somit vermutlich unbedenklich. "Pflanzliche Lebensmittel enthalten meist ausreichende Mengen an natürlichem Vitamin C. Deshalb müssen wir die Nitrataufnahme aus Blattgemüsen ganz anders bewerten als bei gepökelten Fleischwaren, denen Nitrat oder Nitrit hinzugefügt werden", so die Wissenschaftler.

Studien der letzten Jahre hätten beim Verzehr von nitratreichen Blattgemüsen tatsächlich zunehmend gesundheitsfördernde Effekte beobachtet. Für Menschen mit chronischen Zahnfleischproblemen wäre der Gemüsesaft somit zumindest eine Option, die sich lohnen könnte, auszuprobieren.

Stand: 01.02.2017
Autor:
Quelle: Jockel-Schneider, Y. et al.: Stimulation of the nitrate-nitrite-NO-metabolism by repeated lettuce juice consumption decreases gingival inflammation in periodontal recall patients: a randomized, double-blinded, placebo-controlled clinical trial; The Journal of Clinical Periodontology, Juli 2016. doi: 10.1111/jcpe.12542.