Rauchstopp – so viel nehmen Sie zu

Rauchstopp – so viel nehmen Sie zu

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Aus Angst vor zusätzlichem Hüftgold klammern sich viele Nikotinsüchtige hartnäckig an ihre Zigaretten. Tatsächlich lässt ein Rauchstopp die Anzeige der Waage oft weiter nach oben schnellen – und das stärker als gedacht. Die gute Nachricht: Mit ein wenig Vorsorge können Sie das Risiko für eine Gewichtszunahme verringern. Außerdem in der Klickstrecke: die häufigsten Irrtümer von Rauchern.

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Mehr Pfunde auf den Hüften – das möchte niemand gerne haben. Vor allem Frauen sind laut Befragungen nur bereit, zugunsten eines Rauchstopps etwa 2,6 Kilo mehr zu tolerieren. Das beißt sich allerdings mit der Wirklichkeit, haben englische und französische Wissenschaftler herausgefunden. Denn beim Vergleich von 62 Studien kamen sie zu dem Ergebnis, dass es eher vier bis fünf Kilo sind, die Zigarettenabstinenzler zwölf Monate später auf die Waage bringen. Frauen nehmen eher mehr zu als Männer. Dabei war es egal, ob die Versuchspersonen mit oder ohne Nikotinersatztherapie dem Glimmstängel entsagten.

Manche nehmen bei Rauchstopp auch ab

Allerdings handelt es sich hierbei um einen Durchschnittswert, betonten die Forscher. Immerhin 13 Prozent der Teilnehmer hatten mehr als zehn Kilo zusätzlich auf den Hüften. Auf der anderen Seite nahmen 16 Prozent der ehemaligen Raucher sogar ab. Weitere Studien zeigen, dass sich nach ein paar Jahren das Gewicht wieder dem von lebenslangen Nichtrauchern angeglichen hat. Wobei auch Nie-Raucher im Laufe ihres Lebens normalerweise leicht an Gewicht zulegen.

Weniger Zigaretten, mehr Essen

Warum sich der Verzicht auf Nikotin überhaupt aufs Gewicht auswirkt, ist noch nicht ganz geklärt. Das Zellgift scheint auf jeden Fall den Grundumsatz des Körpers zu heben – er verbrennt mehr Energie. Entfällt das, braucht der neue Nichtraucher eigentlich auch weniger zu essen. Oft ist aber das Gegenteil der Fall. Dann stopft er sich Süßigkeiten oder andere Dickmacher in den Mund – denn es gibt keine Zigaretten mehr, die das Hungergefühl dämpfen, Nervosität und Langeweile vertreiben oder ihm orale Befriedigung bereiten. Das Ergebnis spiegelt sich auf der Waagenanzeige wieder.

Anzahl der Zigaretten sagt Gewichtszunahme voraus

Ob Sie zunehmen oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. So sind zum Beispiel jüngere Raucher, alleinlebende Personen oder Menschen mit sozial schwachem Hintergrund besonders von Hüftgold nach dem Rauchstopp gefährdet. Wer viele Zigaretten pro Tag konsumiert hat, hat ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit zuzunehmen als jemand der weniger raucht. Noch nicht ganz geklärt ist, ob auch eine genetische Veranlagung das Risiko mitbestimmt.

"Hallo Geschmack"

Es gibt allerdings auch Faktoren, die Sie beeinflussen können. Ein wichtiger Hebel ist zum Beispiel eine gesunde, ausgewogene und vor allem nicht zu üppige Ernährung. Gerade letzteres ist nicht so leicht umzusetzen: Denn ohne Zigaretten schmecken Sie auch das Essen wieder besser. Schon nach zwei Tagen Abstinenz erwachen die Geschmacksknospen im Mund wieder aus ihrem Nikotinschlummer, die Geruchswahrnehmung normalisiert sich. Dann helfen Ihnen ein paar Tricks, um jetzt nicht über die Strenge schlagen:

  • Essen sie öfter und dafür nur kleine Portionen, das zügelt den Appetit.
  • Räumen Sie nach dem Essen alle Teller und Töpfe vom Tisch, wenn Sie sich satt fühlen.
  • Auch ein leerer Teller ist keine Pflicht.
  • Gehen Sie nicht mit leerem Magen einkaufen.
  • Greifen Sie bei Heißhungerattacken zu Äpfeln, Orangen, fettreduzierten Joghurts etc.
  • Vermeiden Sie Lebensmittel, die große Mengen Honig, Sirup, Haushalts-, Trauben- oder Malzzucker enthalten – hier hält das Sättigungsgefühl nicht lange an.
  • Stärke, Fruchtzucker oder Milchzucker werden dagegen langsam aufgenommen, das macht länger satt.
  • Suchen Sie sich eine orale Ersatzbefriedigung (Kaugummi, zuckerfreie Lutscher, Karottensticks, Zahnstocher, …)
  • Wenn es gar nicht ohne Süßes geht, greifen Sie zu Gummibärchen oder Lakritze, nicht zu Schokolade, da steckt zu viel Fett drin.

Bewegt zum Wunschgewicht

Was unter normalen Umständen gilt, gilt auch beim Rauchstopp: Wer sich bewegt, hat weniger Probleme mit seinem Gewicht. Wer eine halbe Stunde täglich schnell geht, verbraucht schon 200 Kilokalorien. Sport hilft übrigens auch, die Laune zu heben, die bei vielen frischen Nichtrauchern im Keller ist. Zusätzlich baut die körperliche Aktivität Stress ab und lässt keine Langeweile aufkommen. Und: Sie bauen Muskeln auf, die wiederum auch mehr Energie verbrennen, als wenn Sie keine hätten. So verbraucht der Körper mehr Kalorien. Außerdem: Wer gerade durch den Wald joggt, raucht in der Regel nicht.

Die Gesundheit sagt "Danke"

Wen die mögliche Gewichtszunahme immer noch zaudern lässt, der sollte an die vielen Vorteile denken, die ein Rauchstopp mit sich bringt. Die Haut wird glatter, der eigene Geruch besser, die körperliche Fitness nimmt zu und ganz allgemein steigt die Lebensqualität. Natürlich sinkt auch das Risiko für viele Krankheiten wie Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen oder viele Krebsarten. Nicht zuletzt schützen Sie so auch Ihre Familie, Freunde und Haustiere vor den Folgen des Passivrauchens.

Stand: 21.10.2013
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Quellen:

  • Deutsches Krebsforschungszentrum: Fakten zum Rauchen: Gewichtszunahme durch einen Rauchstopp - ein begrenztes Problem (Abruf 21.05.2013)
  • Aubin H. et al. Weight gain in smokers after quitting cigarettes: meta-analysis; BMJ 2012; 345 doi: 10.1136/bmj.e443