Damm-Massage löst Verstopfung

Damm-Massage löst Verstopfung

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Nichts geht mehr – wenn die Verdauung streikt, ist das ausgesprochen unangenehm. Harter Stuhlgang ist für viele ein Hindernisparcours. Manche greifen dann gerne zu Abführmitteln, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Amerikanische Forscher haben jetzt eine neue Empfehlung parat: Ein einfacher Trick soll für Entspannung und erfolgreichen Stuhlgang sorgen. So geht die Methode.

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Ein einfacher Handgriff und schon fällt der Stuhlgang nicht mehr schwer. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Ist aber das Ergebnis einer Studie der University of California. Dr. Ryan Abbott und seine Kollegen rekrutierten dafür 100 Patienten, die unter Verstopfungen litten. Das heißt, sie hatten weniger als drei Mal die Woche Stuhlgang, bei dem sie stark pressen mussten, mit zum Teil sehr hartem Kot.

Sanfte Stoßimpulse

Alle Probanden bekamen erläutert, wie eine Verstopfung normalerweise behandelt wird. Hier gelten die generellen Empfehlungen, etwa dass sich die Leute mehr bewegen oder vermehrt Ballaststoffe essen sollen. Anschließend zeigten die Forscher einer Hälfte der Teilnehmer ein Erklärvideo. Darin wurde darüber informiert, wie man eine spezielle Akupressur zur Darmaktivierung anwenden kann. Der richtige Zeitpunkt dafür ist immer, wenn man das Bedürfnis hat, den Darm zu entleeren.

Generell teilt sich das Prozedere in zwei Schritte:

1. Erst sollten die Probanden fertig urinieren. Das geht am besten, indem man sich auf der Toilette entspannt nach vorne beugt und ruhig ein- und ausatmet. Wichtig: Hier soll noch nicht gepresst werden.

2. Anschließend mit dem Mittel- und Zeigefinger gegen den Damm drücken, und zwar in Richtung Rücken. Der Damm befindet sich in der Region zwischen After und äußeren Geschlechtsorganen. Und keine Angst, man kommt dabei nicht mit Kot in Berührung. Wenn sich durch das Gewebe der Stuhl ertasten lässt, sollten die Probanden sanfte Stoßimpulse geben.

Die Teilnehmer wurden ermutigt, diese Massage über einen Zeitraum von vier Wochen auszuführen.

Verbesserung bei 72 Prozent

Durchschnittlich wandten die Patienten diese Technik drei bis vier Mal die Woche an – mit großem Erfolg. 72 Prozent berichteten, dass ihnen das half, den Kot leichter abzusetzen. Die Methode eignet sich laut Abbott und Co. auch zur Prävention von vergrößerten Hämorrhoiden. Diese können durch das vergebliche Pressen bei anhaltenden Verstopfung entstehen. Hier bewirkte die Akupressur, dass 54 Prozent der Versuchspersonen das Gefühl hatten, Hämorrhoiden könnten verhindert oder bestehende würden gelindert werden. Vier von fünf waren so überzeugt von der Methode, dass sie sie auch weiterhin anwenden wollten.

Entspannte Schließmuskeln

“Der Druck auf den Damm bricht harten Stuhl auf”, erklärte Abbott gegenüber mydoc.de den Mechanismus der Druckmassage. Gleichzeitig bewirke die Akupressur an dieser Stelle, dass sich die Schließmuskeln entspannen können. Zusätzlich würden Nerven des Parasympathikus stimuliert. Diese sind mit für die Steuerung des Darmes zuständig. „Möglicherweise könnte die Stimulation des Damms sogar Verstopfungen vorbeugen“, mutmaßt der Forscher. Allerdings sei dies nicht Gegenstand ihrer Untersuchung gewesen.

Obwohl die Probandenzahl mit 100 relativ klein war, sind die Forscher überzeugt von der Wirkung dieser Form der Darmaktivierung. „Patienten können diese Intervention ganz einfach ausführen, um sich selbst zu behandeln“, beschreibt Abbott den großen Vorteil der Damm-Massage. Zudem hätte sie keine Nebenwirkungen. Die Damm-Massage biete aber auch Menschen eine zusätzliche Behandlungsoption, die eventuell auf gängige Methoden nicht so gut ansprächen.

Frauen haben doppelt so oft Verstopfungen

Verstopfungen sind keine Seltenheit. Mit zunehmendem Alter treten sie sogar immer häufiger auf. Vor allem Menschen über 60 Jahre leiden oft darunter. Die Verdauungsprobleme kommen bei Frauen ungefähr doppelt so häufig vor wie bei Männern.

Stand: 16.11.2015
Autor:

Quelle: Abbott R. et al. Effect of Perineal Self-Acupressure on Constipation: A Randomized Controlled Trial; Journal of General Internal Medicine; April 2015, Volume 30, Issue 4, pp 434-439