Ernährungsstrategie gegen Diabetes-Fettleber

Eiweiß gegen Fettleber

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Wer an Diabetes leidet, ist anfälliger für eine Fettleber. Tatsächlich haben sehr viele Typ-2-Diabetiker damit Probleme. Dank einer einfachen Ernährungsstrategie kann sich das Organ aber wieder erholen. Damit verbessert sich auch der Zuckerstoffwechsel. Erfahren Sie außerdem in der Bildergalerie, welche Lebensmittel vor Diabetes schützen können.

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Längst haben Übergewicht und Diabetes den Alkohol als Hauptursache der Leberverfettung abgelöst. Dabei ist die sogenannte nichtalkoholische Fettleber nicht minder gefährlich als die alkoholbedingte -  beide können in eine lebensgefährliche Leberzirrhose übergehen. Hinzu kommt: Bei Diabetikern verschlechtert die belastete Leber den Zuckerstoffwechsel. „Unbehandelt ist die Fettleber ein Schrittmacher des Typ-2-Diabetes“, erklärt Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE).

Der Ernährungswissenschaftler hat gemeinsam mit Kollegen untersucht, ob sich der Zustand der Leber über die Ernährung verbessern lässt – genauer gesagt mit Hilfe einer eiweißreichen Kost. Dazu rekrutierten die Forscher 37 Männer und Frauen mit Typ-2-Diabetes im Alter zwischen 49 und 78 Jahren. Die meisten von ihnen litten außerdem auch an einer Fettleber.

Erhöhter Eiweißkonsum

Alle Teilnehmer erhielten für sechs Wochen eine Kost, deren Kaloriengehalt zu 30 Prozent aus Eiweiß stammte. Bei der Hälfte der Teilnehmer lieferten tierische Produkte wie mageres Fleisch oder Milcherzeugnisse die Proteine. Die zweite Gruppe erhielt Mahlzeiten mit Lebensmitteln, die speziell mit pflanzlichem Eiweiß angereichert waren, beispielswiese Nudeln oder Brot, die Erbsenproteine enthielten.

Abgespeckte Leber, auch ohne Abnehmen

Um auszuschließen, dass eine mögliche Reduktion des Leberfetts auf einer Gewichtsabnahme beruhte, wurde der Kaloriengehalt der Mahlzeiten für jeden Teilnehmer individuell bestimmt.

Obwohl die Teilnehmer folglich kein Gewicht verloren, nahm der Fettgehalt ihrer Lebern um 36 bis 48 Prozent ab. Das wirkte sich günstig auf den Leber- und Fettstoffwechsel aus. Und auch die Insulinempfindlichkeit der Teilnehmer besserte sich wieder. Diese mangelnde Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber dem zuckerschleusenden Hormon Insulin ist der zentrale Krankheitsmechanismus bei Typ-2-Diabetes. Verbessert sich das Ansprechen der Zellen auf Insulin wieder, nehmen sie besser Glukose aus dem Blut auf und der Blutzuckerspiegel normalisiert sich.

Pflanzliches und tierisches Eiweiß gleich wirksam

Der positive Effekt zeigte sich bei allen Teilnehmern – unabhängig davon ob ihre eiweißreiche Kost auf pflanzlichem oder tierischem Eiweiß basierte. Da vorangegangene Untersuchungen Hinweise darauf gefunden hatten, dass eine eiweißreiche Ernährung die Nieren belasten kann, richteten die Forscher ihr Augenmerk auch auf diese Organe: „Negative Effekte auf die Nierenfunktion haben wir nicht beobachtet“, sagt Mariya Markova, die Erstautorin der Studie.

Die Leber leidet still

Bei einer Fettleber lagern die Leberzellen vermehrt Fett ein und das Organ nimmt an Umfang zu. Eine solche Verfettung ist zwar zunächst nicht gefährlich und macht auch erst mal keine Beschwerden. Langfristig verändert sich aber die Struktur der Leber: Es bildet sich vermehrt Bindegewebe und das Organ vernarbt und kann nicht mehr richtig arbeiten. Es entwickelt sich eine sogenannte Leberzirrhose, die potenziell lebensbedrohlich ist und sich nicht mehr zurückbilden kann.

Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits 30 Prozent der Bevölkerung eine Fettleber haben. Von den Diabetikern sind es rund 70 Prozent, und von den Fettleibigen sind sogar 90 Prozent betroffen.

Stand: 04.11.2016
Autor:
Quelle: Mariya Markova et al.: Isocaloric Diets High in Animal or Plant Protein Reduce Liver fat and Inflammation in Individuals with Type 2 Diabetes, Gastroenterology, published online: October 17, 2016