Helicobacter pylori - gefährlicher Untermieter

Ein winziges Bakterium mit erstaunlichen Überlebenskünsten beschert vielen Menschen Magen-Darm-Beschwerden

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Helicobacter pylori ist ein winziges Bakterium mit erstaunlichen Überlebenskünsten: Er ist einer der wenigen Keime, denen die aggressive Magensäure des Menschen nichts anhaben kann - und so lebt er gut im menschlichen Magen und Zwölffingerdarm. Helicobacter steht im Zusammenhang mit einer Reihe von Krankheiten des Magen-Darm-Traktes. Klicken Sie sich in der Bildergalerie durch zehn spannende Fakten zu Helicobacter.

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Bakterium mit Trick 17

Helicobacter ist ein kleiner Überlebensstratege. Um in dem sauren Milieu, das normalerweise allen Erregern den Garaus macht, zu überleben, hat das Bakterium einen Trick auf Lager: Mithilfe des Enzyms "Urease" spaltet es Harnstoff in die Bausteine Ammoniak und Kohlendioxid. Ammoniak erhöht den pH-Wert im Umfeld des Bakteriums, neutralisiert die Magensäure und wirkt damit wie eine Art Schutzkleidung. Dank seiner Geißeln und der selbst hergestellten "Ammoniakhülle" kann sich der Keim im Magen frei bewegen, ohne dass die aggressive Säure ihn angreift.

Magenschleimhautentzündung

Dort kann Helicobacter pylori ein kleines Desaster anrichten. Das stäbchenförmige Bakterium nistet sich in den Magenschleim ein, der normalerweise die Magenwand wie eine natürliche Barriere schützt. Im Umfeld dieser Schleimschicht kann er sehr gut überleben. Über bestimmte Andockstellen bindet er sich dort an Zellen, setzt Giftstoffe frei und schädigt so das Gewebe. Es kommt zu einer Entzündung, die wiederum die Zellen weiter angreifen - eine schmerzhafte Magenschleimhautentzündung (Gastritis) mit Magenschmerzen und Sodbrennen kann die Folge sein.

Geschwüre in Magen und Darm

Helicobacter kann aber auch noch schwereren Schaden anrichten und zu einem Magengeschwür führen. Hier werden tiefere Schichten der Magenschleimhaut geschädigt als bei einer Gastritis. Bleibt dieser Zustand bestehen, wird das Magengeschwür (Ulcus ventriculi) immer größer und tiefer. Es entsteht eine Wunde in der Magenwand. Schließlich kann das Bakterium auch Blutungen verursachen oder das Geschwür bricht durch - dies ist ein Fall für den Notarzt!

Damit sich ein Magengeschwür überhaupt bildet, müssen aber meist noch andere Faktoren dazu kommen, zum Beispiel Rauchen, Stress, Alkohol oder die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln.

Im Zwölffingerdarm können ebenfalls Geschwüre entstehen (Ulcus duodeni). Sie sind sogar noch häufiger als Magengeschwüre. Etwa 150 von 100.000 Menschen erkranken jährlich an einem Ulcus duodeni, bei einem Magengeschwür sind es 50 Betroffene.

Weltweit verbreiteter Keim

Die Ansteckung mit dem Bakterium geschieht häufig: Ein Großteil der Bevölkerung ist mit dem Erreger infiziert. In der westlichen Welt sind es 30 bis 60 Prozent, in Entwicklungsländern sogar bis zu 90 Prozent. Nicht jeder Infizierte bekommt allerdings ein Geschwür. Sucht man gezielt bei Patienten mit Magengeschwür nach dem Bakterium, wird man bei 75 Prozent der Betroffenen fündig. Bei den Menschen mit Zwölffingerdarmgeschwür sind es sogar 99 Prozent. Warum die einen durch die Infektion ein Geschwür entwickeln und andere dafür nicht, ist noch unklar. Forscher wissen aber, dass es verschiedene Helicobacterstämme gibt, die unterschiedlich aggressiv sind.

Magenkrebs im schlimmsten Fall

Aber nicht nur eine Gastritis oder ein Geschwür sind mögliche Folgen der Bakterieninfektion. Helicobacter steht außerdem in Verbindung mit der Entwicklung von Magenkrebs. Es sei derzeit das einzige Bakterium, von dem man derzeit sicher weiß, dass es eine Krebserkrankung auslösen könne, erklärt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Meist sind die Drüsenzellen betroffen, die den Magensaft bilden.

Magenkrebs trifft Männer häufiger als Frauen. Auch hier müssen neben der Besiedelung mit den Bakterien weitere Risikofaktoren hinzukommen, beispielsweise eine falsche Ernährungsweise mit stark gesalzenen Speisen und einem geringen Konsum von Obst und Gemüse.

Stand: 29.12.2016
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Quellen:

  • Leitlinie der Dt. Ges. f. Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit (Stand: Dezember 2008)
  • Herold G.: Innere Medizin. Selbstverlag. 2013