Keine Angst vor der Darmspiegelung

Keine Angst vor der Darmspiegelung

© Sebastian Kaulitzki -Fotolia

Kaum einer tut es gerne und doch muss es oft einfach sein: Viele Menschen lassen im Laufe ihres Lebens eine Darmspiegelung machen. Ähnlich wie die Magenspiegelung gehört sie zu den Routineverfahren um das Innere des Körpers genauer zu betrachten. Was Sie dabei erwartet, wann die Untersuchung nötig ist und wie Sie sich am besten vorbereiten, erfahren Sie hier.

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Zuerst einmal: Keiner muss sich schämen, weil er eine Darmspiegelung bekommt oder Angst davor haben. Suchen Sie sich am besten einen Arzt, dem Sie vertrauen. Vielleicht hilft es auch, wenn Sie sich als Frau von einer Ärztin und als Mann von einem Arzt behandeln lassen. Beruhigend zu wissen: Es kommt bei der Untersuchung äußerst selten zu Komplikationen.

Technisch gesehen wird bei einer Dickdarmspiegelung (Koloskopie) der Dickdarm mithilfe eines Spezialendoskops untersucht. Dabei wird über den After ein flexibler Schlauch in den Darm geschoben, der eine kleine Kamera und eine Lichtquelle enthält. Theoretisch können durch einen Arbeitskanal noch chirurgische Elemente eingeführt werden – zum Beispiel um Proben zu nehmen. Der Schlauch hat etwa die Dicke eines kleinen Fingers und eine Länge von anderthalb Metern – damit kann er bei Bedarf noch ein kleines Stück in den Beginn des Dünndarms geschoben werden. Die Untersuchung wird entweder in speziell ausgestatteten Praxen oder im Krankenhaus durchgeführt.

Blick ins Körperinnere

Die Darmspiegelung hilft dem Arzt das Innere des Darms und seine Oberfläche genau unter die Lupe zu nehmen und bei Bedarf Proben zu entnehmen. Dadurch können eine Reihe von Krankheiten entdeckt werden, zum Beispiel Darmkrebs oder chronische Darmentzündungen wie die Colitis ulcerosa. Auch akute Entzündungen oder Durchblutungsstörungen des Darmes kann der Mediziner feststellen. Vor allem im Visier hat der Behandelnde aber Dickdarmpolypen - sie gelten als Vorstufe von Darmkrebs - und natürlich Darmkrebs selbst.

Wer das obere Ende des Dünndarms untersuchen lassen muss, wird dies mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie) machen lassen. Hier wird die Speiseröhre, der Magen und die Schleimhaut bis zum Zwölffingerdarm auf Veränderungen untersucht. Das ist zum Beispiel nötig bei ungeklärten Beschwerden im Oberbauch, chronischem Sodbrennen oder Schluckbeschwerden.

Verstimmter Darm

Abgesehen von der Darmkrebsvorsorge-Untersuchung, die allen über 50 Jahren empfohlen wird, gibt es auch verschiedene Beschwerden des Verdauungstraktes, die eine Koloskopie ratsam machen. Dazu gehören:

  • unerklärlicher Gewichtsverlust
  • positiver Okkultbluttest (Nachweis von Blut im Stuhl, ohne, dass dieses mit dem Auge sichtbar war)
  • Blut- und Schleimauflagerungen auf dem Kot
  • Änderungen der Stuhlgewohnheiten, wie chronische Verstopfung oder Durchfälle
  • Anhaltende Schmerzen im Bauchbereich
  • Blutungen im Darm

Richtige Vorbereitung

Damit die kleine Kamera, die bei der Koloskopie zum Einsatz kommt, richtig arbeiten kann, muss erst einmal der Darm schrittweise darauf vorbereitet werden. Die meisten Ärzte raten zum Beispiel schon einige Tage vor der Untersuchung auf Obst- und Gemüsesorten mit kleinen Kernen zu verzichten. Dazu gehören etwa Kiwis, Tomaten oder Erdbeeren. Auch sehr ballaststoffreiche Kost sollte nun nicht mehr auf den Teller kommen.

In der Regel wird am Vortag der Untersuchung mit dem Abführen begonnen. Dieser Teil des Prozederes war früher sehr unangenehm. Denn es mussten innerhalb kurzer Zeit sechs Liter Flüssigkeit getrunken werden. Mittlerweile gibt es aber einige Abführmittel, die schon mit wesentlich weniger auskommen. Sprechen Sie hier gegebenenfalls gezielt Ihren Arzt an.

Nach dem Abführen dürfen Sie nichts mehr essen, aber noch klare Flüssigkeiten (zum Beispiel Wasser oder Tee) zu sich nehmen. Grundsätzlich gilt: Nach dem Beenden des Abführens sollte nur noch klare Flüssigkeit aus dem After kommen, sonst muss noch mal abgeführt werden. Dieser Teil der Vorbereitung ist sehr wichtig, damit später auch aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden können. Hierzu werden Sie auch von der Arzthelferin ausführlich aufgeklärt und informiert. Normalerweise bekommen Sie das auch schriftlich, so vergessen sie nichts und können im Zweifel noch mal nachlesen.

Falls Sie oral Medikamente einnehmen, zum Beispiel Verhütungsmittel, sollten Sie mit Ihrem Arzt klären, inwiefern durch die Untersuchung und vor allem das vorherige Abführen die Wirkung beeinträchtigt werden kann.

So läuft die Untersuchung ab

Nun ist es soweit – die Darmspiegelung steht unmittelbar bevor. Der Patient legt sich im Untersuchungsraum seitlich auf eine Liege. Nun tastet der Arzt den Mastdarm ab, bevor er beginnt den Schlauch einzuführen. Er schiebt das Untersuchungsgerät vorsichtig und Schritt für Schritt bis zum Beginn des Dünndarms. Gleichzeitig wird über das Endoskop behutsam Luft in den Verdauungstrakt geblasen, damit die Darmwände zurückweichen und gut sichtbar sind. Erst beim Zurückziehen betrachtet der Mediziner aufmerksam die Bilder der Darmschleimhaut, die die Kamera  an einen angeschlossenen Monitor schickt. Bei Bedarf kann er auch Gewebeproben nehmen oder Darmpolypen gleich entfernen. Insgesamt dauert die Behandlung um die 20 Minuten.

Manche Praxen bieten an, im gleichen Zuge auch eine Magenspiegelung durchzuführen – dies ist manchmal zum Ausschluss bestimmter Erkrankungen nötig.

Weitgehend schmerzfrei

Viele haben Angst vor Schmerzen, immerhin wird da etwas tief in ihren Körper hineingeschoben. Aber keine Bange, die Prozedur ist weitgehend schmerzfrei. Als unangenehm wird vor allem empfunden, wenn das Untersuchungsgerät um die Kurven des Darms navigiert werden muss. Allerdings steht jedem frei, sich mit einem Beruhigungsmittel in einen Dämmerschlaf versetzen zu lassen – dies nehmen viele Patienten auch in Anspruch. Wer das tut, darf allerdings am gleichen Tag nicht mehr Autofahren, lassen Sie sich also am besten hinterher abholen.

Manche verspüren nach der Untersuchung selbst, durch die eingeblasene Luft im Darm, noch ein gewisses Völle- oder Blähgefühl. Von dem künstlich eingebrachten Gas entledigt sich der Körper aber auf ganz natürlichem Wege, woraufhin sich auch die Beschwerden legen.

Stand: 21.02.2017
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Quellen:

  • Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Georg Thieme Verlag 2006
  • Felix-Burda-Stiftung (www.darmkrebs.de; Abruf: 14.05.2014)