Leberkranke oft ahnungslos

Fast jeder Dritte Deutsche hat eine Fettleber.

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Alkohol schlägt auf die Leber. Doch auch bei Menschen, die mäßig oder gar nicht trinken, kann die Leber krank sein – und zwar meist ohne, dass die Betroffenen davon wissen. Die folgenden Risikofaktoren können Ihnen Hinweise liefern, ob auch Sie gefährdet sind. Erfahren Sie in der Bildergalerie, wie Sie eine Fettleber erkennen können.

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Die Leber hat viele Funktionen. Sie ist dafür zuständig, Giftstoffe aus dem Blut zu filtern. Außerdem produziert sie wichtige Botenstoffe und Enzyme und speichert Nährstoffe. Dazu gehören Fette. Doch die Vorratshaltung von Fett kann auch zu weit gehen – auf dem Weg zu einer Verfettung ist die Leber bereits, wenn mehr als fünf Prozent ihrer Zellen Fette gespeichert haben. Sind die Fetttröpfchen bereits in über 50 Prozent der Leberzellen enthalten, spricht man von einer Fettleber (Steatosis hepatis). In Extremfällen kann so das Gewicht des Organs von normalerweise 1,5 Kilogramm auf bis zu 5 Kilogramm ansteigen.

Folgenreiche Fetttröpfchen

Diese Fetttropfen verursachen kaum Beschwerden – die Leber leidet stumm. Wenn überhaupt, klagen Betroffene zum Beispiel über Müdigkeit oder ein Druckgefühl im rechten Oberbauch. Trotzdem ist eine Fettleber alles andere harmlos. Mit ihr steigt stark die Gefahr, eine Leberentzündung (Hepatitis) oder sogar einer Leberzirrhose zu entwickeln. Im schlimmsten Fall kann daraus sogar ein Leberversagen resultieren. Auch die Wahrscheinlichkeit für Leberkrebs steigt. Wer den Verdacht hat, dass seine Leber nicht richtig funktioniert, sollte seine Leberwerte dringend kontrollieren lassen.

Jeder Vierte betroffen

Denn die Fettleber ist die häufigste krankhafte Leberveränderung in den westlichen Industrienationen. Zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen, so die Schätzungen, sind von der Nicht-Alkohol-bedingten-Fettleber betroffen. Tendenz steigend. Denn die Fettleber ist eine Begleiterscheinung des sogenannten Metabolischen Syndroms. Darunter versteht man das gefährliche Quartett aus Bluthochdruck, Fettleibigkeit, Insulinresistenz und hohem Cholesterinspiegel – Erkrankungen die ebenfalls immer häufiger werden.

Diabetiker besonders gefährdet

Gerade bei Übergewichtigen und Typ-2-Diabetikern hat die Leber viel zu tun: Sowohl ein hoher Fettkonsum als auch die für Typ-2-Diabetes typische Insulinresistenz bewirken, dass größere Mengen freier Fettsäuren verarbeitet werden müssen. Die Folge: Circa 69 Prozent der Zuckerkranken haben außerdem eine Fettleber, das ergab eine Studie. Bei den stark Übergewichtigen sind es 30 bis 100 Prozent. Bei Letzteren sind nicht nur jene mit hohem BMI enthalten, sondern auch, wer vor allem viel Fett um die Leibesmitte angehäuft hat.

Medikamente erhöhen Risiko

Auch bestimmte Medikamente begünstigen eine Fettleber. Am bekanntesten für entsprechende Nebenwirkungen ist etwa Kortison. Aber auch Paracetamol, Acetylsalicylsäure oder bestimmte Rheumamedikamente können der Leber zusetzen. Auch bei Chemotherapien kann die Fettleber eine Folgeschädigung sein. Hier sind allerdings die Vor- gegen die Nachteile der Medikamente aufzuwiegen. Denn die Wirkstoffe erhält man ja aus gutem Grunde.

Giftstoffe und Alkohol

Leider sind in ihnen Stoffe enthalten, die Leber belasten. Das gleiche gilt auch zum Beispiel Pilzgifte und das Zellgift Alkohol. Bei der Beseitigung giftiger Substanzen verbraucht die Leber viel Sauerstoff. Dieser fehlt ihr an anderer Stelle, um Fette durch Oxidation abzubauen. Statt verwertet zu werden, verbleibt das Fett deswegen oft in der Leber, wenn diese mit anderen Dingen überfordert ist. Ist Alkohol hier der Auslöser, spricht der Experte von der alkoholbedingten Fettleber.

Begleiterscheinung von Darmerkrankungen und Virusinfektionen

Es gibt auch noch andere Krankheiten, die mit einer Fettleber einhergehen können. Dazu gehören zum Beispiel chronisch entzündliche Darmerkrankungen, die Zöliakie oder das Kurzdarmsyndrom. Aber auch eine Eiweißmangelernährung kann eine Fettleber befördern – allerdings ist sie vor allem in Entwicklungsländern zu finden. In Deutschland wird der Eiweißbedarf normalerweise ausreichend gedeckt. Und natürlich können auch Viren, die eine Leberentzündung (Hepatitis) verursachen, die Leber so schädigen, dass sie verfettet.

Flächendeckendes Screening?

Auch wenn vermehrt eine Fettleber bei der Diagnostik mitberücksichtigt wird, den Fachgesellschaften reicht dies noch nicht. Damit mehr Menschen erfahren, ob sie unter einer Fettleber leiden oder nicht, fordert beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), dass standardmäßig beim Gesundheitscheck ab 35 die Leberwerte untersucht werden. Dennoch übernehmen die Kassen die Kosten für einen Test der Leberwerte derzeit nur, wenn ein Verdacht für eine Lebererkrankung vorliegt. Ansonsten müssen die Versicherten ihn aus eigener Tasche zahlen.

Stand: 07.09.2016
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Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten: Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung; Stand 2015
  • Koliaki C et al.: Adaptation of Hepatic Mitochondrial Function in Humans with Non-Alcoholic Fatty Liver Is Lost in Steatohepatitis; Cell Metabolism, Volume 21, Issue 5, 2015, Pages 739-746
  • Weiß J. et al.: Nichtalkoholische Fettlebererkrankung; Dtsch Arztebl Int 2014; 111(26): 447-52; DOI: 10.3238/arztebl.2014.0447