Magenspiegelung - keine Panik vor dem Schlauch

Ständiges Sodbrennen, starke Magenschmerzen oder sogar Bluterbrechen - bei solchen Symptomen kommen Betroffene meist nicht um eine Magenspiegelung herum

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Ständiges Sodbrennen, starke Magenschmerzen oder sogar Bluterbrechen - bei solchen Symptomen kommen Betroffene meist nicht um eine Magenspiegelung herum. Um die Ursachen für die Beschwerden herauszufinden, hilft nur ein Blick ins Innere des Verdauungstraktes. Eine Vorstellung, die den meisten Patienten den Schweiß auf die Stirn treibt. Lesen Sie hier, warum Sie vor dem Eingriff keine Angst haben müssen.

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Um Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm genau unter die Lupe zu nehmen, verwenden Ärzte ein sogenanntes Gastroskop. Das ist ein beweglicher Kunststoff-Schlauch, der rund einen Meter lang und einen Zentimeter dick ist. Durch diesen lassen sich Instrumente wie Miniaturzangen oder Metallschlingen einführen. Der Sinn: Ärzte können Gewebeproben entnehmen und kleine therapeutische Eingriffe vornehmen. Das Gastroskop hat außerdem ein Beleuchtungs- und Videosystem, das Bilder aus dem Körperinneren liefert. Auf einem Monitor werden sie sichtbar.

Sorgen unbegründet

Eine Magenspiegelung ist nicht schmerzhaft - trotzdem haben viele Betroffene Angst davor. "Die meisten machen sich Sorgen, dass sie den Schlauch nicht schlucken können oder gar ersticken", erzählt Dr. Dagmar Mainz, Fachärztin für Gastroenterologie. Diese Bedenken seien aber völlig unbegründet. "Ich führe jeden Monat etwa 25 Spiegelungen durch", sagt sie, "Komplikationen gibt es dabei so gut wie nie." Für den etwa fünfminütigen Eingriff bekommen fast alle Patienten eine kurze Vollnarkose. So spüren sie von dem gesamten Vorgang nichts. Mainz sagt: "Wenn sie nach der Spiegelung wieder wach sind, spazieren sie munter nach Hause."

Auch ohne Narkose schmerzfrei

Grundsätzlich rät die Ärztin allen Patienten sich betäuben zu lassen. "Das ist nicht nur stressfreier für die Betroffenen, auch wir können in Ruhe und gründlicher arbeiten", sagt die Pressesprecherin des Berufsverbandes niedergelassener Gastroenterologen in Deutschland. Aber auch ohne den künstlichen Kurzschlaf ist eine Magenspiegelung im schlimmsten Fall nur unangenehm. Ärzte sprühen ein Betäubungsspray in den Rachen. Es verhindert den Würgereiz, wenn der Schlauch im hinteren Rachen anstößt. Ist er einmal in den Magen vorgeschoben, spürt man ihn kaum mehr.

Die Innenwand des Magens lässt sich genauer untersuchen, wenn man ihn per Gastroskop mit Luft aufbläst - ähnlich einem Luftballon. Den Schlauch steuern und bewegen die Ärzte von außen. Der Magen lässt sich so aus allen Blickwinkeln betrachten. "Dabei entsteht ein leichter Druck, den Patienten ohne Vollnarkose spüren können", erklärt Mainz.

Magenspiegelungen können Krebs aufdecken

Die Magenspiegel kann sichtbar machen, ob die Schleimhaut in Speiseröhre und Magen gerötet, verletzt oder entzündet ist. Auch Krampfadern in der Speiseröhre lassen sich aufspüren und möglicherweise gleich mitbehandeln. Die Gastroskopie kann aber auch schwere Krankheiten aufdecken. Das können beispielsweise Infektionen mit dem Bakterium Helicobacter pylori sowie Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre sein. Solche Infektionen stehen im Zusammenhang mit Magengeschwüren und Magenkrebs.

Alarmsymptome ernst nehmen

Es gibt Symptome, bei denen eine Magenspiegelung ratsam ist. Dazu zählen Sodbrennen, Magenschmerzen, Schluckbeschwerden, Blähungen oder Übelkeit und Erbrechen. Besonders ernstzunehmende Alarmsignale sind blutiges Erbrechen, schwarzer Stuhl oder eine unerklärliche Gewichtsabnahme. Dann sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Denn grundsätzlich gilt bei allen Beschwerden im Oberbauch: Je früher die Ursache gefunden wird, desto größer sind die Heilungschancen.

Tipps für den Eingriff

Es gibt einige Dinge, die es vor und nach einer Magenspiegelung zu beherzigen gilt.

Vor der Behandlung:

  • Kommen Sie nüchtern zum Termin: Etwa sechs Stunden vorher sollten Sie weder essen noch trinken. Bei zu starkem Durst trinken Sie am besten nur Wasser.
  • Rauchen Sie möglichst nicht, da Nikotin die Magensaftproduktion anregt.

Nach der Behandlung:

  • Aus Sicherheitsgründen dürfen Sie 24 Stunden nach einer Vollnarkose nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Das heißt: Nicht Auto, Motorrad oder Fahrrad fahren. Lassen Sie sich am besten von jemanden abholen.
  • Treffen Sie außerdem in dieser Zeit keine wichtigen Entscheidungen (z.B. Verträge unterschreiben)! Die Vollnarkose könnte Ihr Urteilsvermögen einschränken.
  • Arbeiten Sie nicht an gefährlichen Maschinen! Ihre Reaktionsfähigkeit kann beeinträchtigt sein.
Stand: 29.12.2016
Autor:

Quelle: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, 2. Auflage, Thieme Verlag, 2008