Magnete gegen Refluxkrankheit

Reflux betrifft etwa 10 bis 20 Prozent der westlichen Bevölkerung

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Magensäure ist etwas Gutes – solange sie im Magen bleibt. Schwappt sie aber immer wieder die Speiseröhre hinauf, ist das sehr unangenehm und schmerzhaft. Menschen mit Refluxkrankheit müssen oft zu Medikamenten greifen, um der Beschwerden Herr zu werden. Aber was, wenn diese nicht mehr helfen? Hier könnte ein Magnetband Abhilfe schaffen. Lesen Sie außerdem in der Bildergalerie, welche Speisen Sodbrennen sogar noch befeuern.

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In vielen Fällen von Refluxkrankheit gelangt Magensäure in die Speiseröhre, weil der Muskel zum Magen nicht mehr richtig schließt. Genau hier setzt die neue Technik an: Der Muskel wird durch einen implantierten Ring beim Schließen unterstützt, der von außen um die Speiseröhre gelegt werden. Er besteht aus Titankugeln mit magnetischem Kern, die wie Perlen auf eine Schnur aufgefädelt sind. Der Clou: Das Band ist elastisch genug, um Nahrung und Flüssigkeiten, die Richtung Magen gleiten, ungehindert passieren zu lassen. Ist der Nahrungsbrei im Magen angelangt bewirkt die magnetische Anziehungskraft der Kugeln, dass die Speiseröhre wieder zuverlässig verschlossen ist.

Geringe Beeinträchtigung durch OP

Geeignet sei die Methode für Menschen, die ihren chronischen Reflux nicht in den Griff bekommen, obwohl sie medikamentöse Optionen voll ausgeschöpft haben. Die amerikanischen Forscher, die die Methode entwickelt und ausprobiert haben, sind von ihren Vorteilen überzeugt: So seien die Einschränkungen durch den Eingriff geringer als bei herkömmlichen Operationsmethoden. Die Patienten könnten zum Beispiel schon innerhalb einer Woche wieder normal essen und aktiv sein.

Nebenwirkung Schluckbeschwerden

Eine Langzeituntersuchung, die im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde, bestätigt tatsächlich, dass zwei von drei Patienten durch das Einsetzen des Magnetbandes die pH-Werte in der Speiseröhre wieder auf ein normales Maß bringen konnten. Auch der Bedarf an Säureblockern sank anschließend deutlich. Allerdings klagten im Versuch über 50 Prozent der Teilnehmer gleich nach der OP über Schluckbeschwerden (Dysphagie). Nach einem Jahr waren hiervon allerdings nur noch elf von 100 Probanden betroffen. Nach drei Jahren waren es noch vier von 100. Der Rest war mit dem Ergebnis der Operation zufrieden. Übrigens hat die Methode auch einen ungewöhnlichen Nachteil: Träger des Implantats können danach nicht mehr im Kernspintomografen untersucht werden, der auch mit Magneten arbeitet.

Krebs- und Asthmagefahr

Experten gehen davon aus, dass zehn bis 20 Prozent der Erwachsenen in westlichen Industriestaaten an Reflux leiden. Dass es sinnvoll ist, die Refluxkrankheit zu behandeln, steht außer Frage. Denn durch den steten Kontakt mit der Säure steigt das Risiko für Speiseröhrenkrebs. Auch die Gefahr für Asthma kann durch das chronische Sodbrennen größer werden, da Säuretröpfchen über die Speise- auch in die Luftröhre gelangen können. Allerdings bekommen die allermeisten durch eine Änderung des Lebensstils und Medikamente das Problem in den Griff, sodass eine Operation überflüssig ist.

Stand: 16.06.2014
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Quellen:

  • Ganz R. et al: Esophageal Sphincter Device for Gastroesophageal Reflux Disease; N Engl J Med 2013; 368:719-727February 21, 2013DOI: 10.1056/NEJMoa1205544
  • Pressemitteilung der Stony Brook University: New minimally invasive procedure is the latest advancement for the treatment of acid reflux (Februar 2014)