Milch ist immer besser verträglich

Milch ist immer besser verträglich

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Milch ist ein Grundnahrungsmittel, das nahezu alle Säuglinge gut vertragen. In den letzten Jahren bekommen aber immer mehr Erwachsene ein Problem damit. Das könnte man zumindest glauben, wenn man die zunehmende Produktvielfalt an laktosefreien Produkten im Kühlregal betrachtet. Milch, Sahne und Co. werden aber nicht schlechter, sondern sogar immer besser verdaulich – das zeigt eine Studie aus Zürich.

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Milchzucker zu verdauen ist keine Selbstverständlichkeit. Große Teile der erwachsenen Weltbevölkerung haben massive Probleme damit. Schuld daran ist ein der Mangel an einem Enzym: der Laktase. Um Milchzucker verdauen zu können, muss sie im Dünndarm produziert werden. Während das Enzym bei Babys noch reichlich hergestellt wird, schaltet sich beim Älterwerden das entsprechende Gen langsam ab. Überall? Nein, nicht überall – denn unabhängig voneinander haben sich in mindestens fünf verschiedenen Populationen in Europa, Saudi Arabien und Ostafrika genetische Mutationen entwickelt, die die Produktion von Laktase während des gesamten Lebens ermöglicht.

Milchboom im Mittelalter

Die historische Entwicklung dieser erstaunlichen Anpassungen, auch Laktasepersistenz genannt, haben Schweizer Forscher untersucht. Als Forschungsobjekt dienten ihnen Zähne aus verschiedenen Jahrtausenden. So stellten sie fest: Vor circa 3000 Jahren konnten 27 Prozent der Menschen in Spanien und fünf Prozent in Skandinavien Milch verdauen. Doch bereits (evolutionsbiologisch gesehen) kurze Zeit später, im Mittelalter, waren circa 72 Prozent der Menschen in Deutschland in der Lage, Milch zu verwerten. Zum Vergleich – heute ist in Zentraleuropa circa 71 bis 80 Prozent der Bevölkerung auch als Erwachsene möglich, Milch zu trinken.

„Unsere Forschung zeigt, dass in Mitteleuropa die Entwicklung zur hohen Laktasepersistenz bereits im Mittelalter stattgefunden hatte“, erläutert Christina Warinner, Leiterin der Studie. Allerdings sei die Verbreitung der Laktasepersistenz in Europa nicht überall gleich vonstattengegangen. Dabei hätten ganz verschiedene Faktoren eine Rolle gespielt, zum Beispiel die Ernährung der Bevölkerungsgruppen aber auch ihre Wanderbewegungen.

Weltbevölkerung ist größtenteils laktoseintolerant

Heutzutage ist die Laktasepersistenz unter Europäern so hoch, dass die Milchunverträglichkeit bis vor Kurzem als Mangel oder Krankheit angesehen wurde. Erst durch die internationale Verbreitung von Milchprodukten in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde erkannt, dass der größte Teil der Weltbevölkerung laktoseintolerant ist – zum Beispiel im asiatischen Raum. Die Forschung zeigte also, Laktoseintoleranz ist kein Fehlzustand, sondern die Norm. Laktose verdauen zu können, ist eben eine Besonderheit.

Nur ein Test bringt Klarheit

Menschen mit einer echten Milchzuckerunverträglichkeit haben nach deren Genuss vielfältige Beschwerden. Typisch sind zum Beispiel Durchfall, Übelkeit, Völlegefühl oder auch Blähungen. Nicht immer aber müssen sich die Symptome im Magen-Darm-Bereich äußern. Manche leiden auch unter Kopfweh oder Schwindel, Akne oder Schlafstörungen. Ob wirklich eine Laktoseintoleranz vorliegt, lässt sich durch einen einfachen Test beim Arzt belegen. Die Laktoseintoleranz ist weder lebensbedrohlich noch schränkt sie die Lebenserwartung ein. Die meisten Betroffenen haben mit einer milchzuckerarmen Diät meist keine Beschwerden mehr.

Stand: 29.12.2016
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Quelle:

Krüttli A. et al.: Ancient DNA Analysis Reveals High Frequency of European Lactase Persistence Allele (T-13910) in Medieval Central Europe, DOI: 10.1371/journal.pone.0086251