Mundgeruch – sind Sie ein Stinker?

Mundgeruch macht einsam

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Mundgeruch ist ein verbreitetes Übel: Rund jeder Fünfte pustet mit jedem Ausatmen üble Gerüche in seiner Umwelt. Kein Wunder, wenn die Mitmenschen dann auf Abstand gehen. Die Ursachen sind vielfältig – nur selten ist der Magen schuld. Die gute Nachricht ist: In den meisten Fällen gibt es wirksame Abhilfe. Lesen Sie hier, was man tun kann, und wie Sie herausfinden, ob Sie selbst müffeln.

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Mundgeruch ist ein heikles Thema. Das Problem: Die meisten Betroffenen wissen nicht, welch üblen Geruch sie verbreiten. „Wir haben uns an unseren Mundgeruch gewöhnt – darum können wir ihn selbst nicht riechen“, sagt Dr. Helmut Simon, niedergelassener Zahnarzt in München im Gespräch mit mydoc. Er zählt zu den wenigen Mundgeruchsspezialisten in Deutschland.

Meist scheut sich die Umwelt, die Betroffenen auf das peinliche Thema anzusprechen. Die Mitmenschen gehen auf Distanz, der unglückliche Mundgeruch-Patient bleibt ratlos zurück. Immerhin gibt es einen simplen Trick, herauszufinden, ob man selbst Mundgeruch verbreitet: „Wenn Sie keinen Menschen Ihres Vertrauens fragen mögen, blasen Sie eine Tüte auf und verschließen Sie diese luftdicht“, erklärt Simon. „Dann gehen Sie für eine halbe Stunde an die frische Luft. Anschließend machen Sie am Inhalt der Tüte den Geruchstest“. Verbreitete Strategien, wie gegen die vorgehaltene Hand zu hauchen, funktionieren hingegen nicht.

Lohnender Gang zum Zahnarzt

Ist das Problem erkannt, lohnt ein Gang zu Zahnarzt. Mehr als 90 Prozent der Mundgerüche haben ihren Ursprung tatsächlich im Mund. Genauer gesagt sind es Bakterien, die sich hier angesiedelt haben, und beispielsweise Nahrungsreste zersetzen. Dabei bilden sie auch schwefelhaltige Gase – und die duften höchst unerfreulich.

Solche Bakterien siedeln auch im gepflegtesten Mund. Problematisch wird es, wenn sie Herde bilden, wo Zahnbürste und Zahnseide nicht hingelangen – in tiefen Zahnfleischtaschen beispielsweise oder unterhalb von Füllungen. Das passiert übrigens auch Menschen, die ihre Mundpflege ernst nehmen. In solchen Fällen kann der Zahnarzt das Problem beheben.

Auch auf der Zuge tummeln sich Myriaden Keime. Liegt hier die Ursache für Mundgeruch, kann ein Zungenschaber helfen, mit dem man den Belag regelmäßig entfernt. Einen solchen gibt es für wenige Euro in jedem Drogeriemarkt.

Mundgeruch durch Speichelmangel

Ein Stück weit ist Mundgeruch jedoch auch Veranlagungssache. Wer von Natur aus wenig Speichel bildet, bekommt schneller Probleme. Denn mit dem Speichel werden unentwegt Bakterien weggespült und über den Magen entsorgt. „Insbesondere mit zunehmendem Alter verringert sich die Speichelproduktion“, sagt Simon. Und gerade ältere Menschen trinken häufig zu wenig, weil ihr Durstempfinden nachlässt. Zwei Faktoren also, die sich gegenseitig verstärken können. Dagegen hilft, über den Tag verteilt immer wieder etwas zu trinken.

Reflux als Ursache eher selten

Mit Magenproblemen hingegen hängt Mundgeruch nur selten zusammen. „Das kann passieren, wenn jemand unter Reflux leidet, also dem Rückfluss von Magensaft in die Speiseröhre und den Rachen“, sagt Simon. Das Problem entsteht, wenn der Muskelring am Mageneingang den Magen gegenüber der Speiseröhre nicht fest verschließt. Der Betroffene leidet dann unter saurem Aufstoßen und Sodbrennen – und das kann übel riechen.

Stand: 31.10.2016
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