Verstopfung - Vorsicht mit Abführmitteln

Abführmittel nicht zu oft nehmen

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Bauchkrämpfe, Blubbern und ein starkes Druckgefühl - fast jeder kennt Verstopfung. Um die Beschwerden zu lindern, greifen viele Betroffene zu Abführmitteln. Doch Vorsicht: Die Wirkstoffe können bei unsachgemäßem Gebrauch nicht nur abhängig machen, sondern auch zu Mineralstoffmangel führen. Mit diesen Tipps bringen Sie Ihre Verdauung wieder in Schwung.

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Vor allem in der Altersgruppe der über 60-Jährigen ist Verstopfung weit verbreitet - etwa 20 bis 30 Prozent leiden an einem trägen Darm. Die Dunkelziffer liegt dabei wahrscheinlich weit höher. Generell nimmt die Häufigkeit mit dem Alter zu, wobei Frauen etwa doppelt so oft betroffen sind wie Männer.

Verstopfung durch zu wenig Bewegung

Die Gründe für Verstopfung können vielfältig sein. Wer sich beispielsweise zu wenig bewegt, nicht genügend trinkt und sich ballaststoffarm ernährt, riskiert nicht nur einen trägen Darm, sondern auch eine Verstopfung. Der beste Schutz davor sind Sport und eine Ernährungsumstellung, etwa mit vielen Ballaststoffen wie Flohsamenschalen oder Weizenkleie. Wichtig ist auch, genügend zu trinken - das bedeutet mindestens anderthalb bis zwei Liter pro Tag. Wer trotzdem zu Abführmitteln greift, sollte dies aber nur äußerst selten tun. Ein zu häufiger Konsum kann Blähungen und Bauchkrämpfe auslösen.

"Der Körper verliert Wasser und wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium, Kalzium und Natrium", erklärt Erika Fink, Präsidentin der Landesapothekerkammer Hessen. Diese Mineralstoffe brauche ein Mensch nicht nur, um gesund auszusehen, sondern auch für die Knochen, Muskulatur, Herzfunktion, einen normalen Blutdruck und natürliche für eine gesunde Darmtätigkeit.

Krankheiten oder Arzneien als Auslöser

Eine plötzliche Verstopfung, die über einen längeren Zeitraum hinweg anhält, sollten Sie nicht sorglos mit Abführmitteln behandeln. Manchmal können auch Krankheiten, etwa das Reizdarmsyndrom oder sogar Darmkrebs, hinter den Beschwerden stecken. Manchmal ist die Verstopfung auch eine Nebenwirkung von Medikamenten. Dazu gehören vor allem starke Schmerzmittel und Hustenblocker, aber auch Arzneien gegen Epilepsie oder psychische Erkrankungen. Außerdem enthalten viele Blutdrucksenker Entwässerungsmittel, was die Darmtätigkeit beeinflussen kann. Wer also länger Probleme hat, seinen Darm zu entleeren, sollte dies bei seinem Arzt zur Sprache bringen.

Verstopfungen durch Abführmittel

Was viele nicht wissen: Abführmittel selbst können auch verstopfend wirken. Zum einen dauert es länger bis zum nächsten Stuhlgang, was Betroffenen oft das Gefühl gibt, erneut unter einer Verstopfung zu leiden. Zum anderen führt der Mineralstoffverlust, der durch die Medikamente hervorgerufen wird, zu einem trägen Darm. Für einen täglichen Stuhlgang muss man vermeintlich wieder zu Abführmitteln greifen. So kann eine Abhängigkeitsspirale entstehen.

Missbrauch für Diäten

Abführende Medikamente werden aber nicht nur bei Darmbeschwerden eingesetzt. Vor allem Frauen wollen mit ihrer Hilfe schneller Gewicht verlieren. Zwar fühlt man sich nach der Einnahme von Abführmitteln zunächst erleichtert und schlanker, dieser Effekt hält allerdings nicht lange vor. Wenn sich der Darm wieder füllt, kann es sogar zu noch größerem Hunger als vorher kommen.

Stand: 07.03.2017
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Quelle:

  • "Verstopfung kann viele Ursachen haben". Pressemitteilung Landesapothekerkammer Hessen. 02.10.2014
  • S2k-Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie; Stand 02/2013