Smoothies: Schlechter als ihr Ruf

Fruchtsmoothies sind längst nicht so gesund, wie viele glauben.

© trubavink - Fotolia

Mit Slogans wie „100 Prozent Frucht“ oder „Mit viel Vitamin C“ locken Fruchtsäfte und neuerdings auch Smoothies und Obstpürees zum Kauf. Sie lassen sich besser an den Mann (und ans Kind) bringen als Obst im Rohzustand. Allerdings enthalten sie häufig alarmierend viel Zucker. Und der stammt keineswegs nur aus den Früchten: Oft versüßt zugesetzter Zucker die Getränke zusätzlich.

Mehr zum Thema

Maximalzuckermenge locker überschritten

Als „inakzeptabel hoch“ bezeichnen Forscher der University of Liverpool den Gehalt freier Zucker wie Glukose, Fruktose, Saccharose und Haushaltszucker in diesen Produkten. So enthielte eine 200-Milliliter-Standardportion dieser Getränke in jedem zweiten Fall bereits die für Kinder empfohlene tägliche Maximalmenge von 19 Gramm Zucker.

Die Wissenschaftler hatten mehr als 200 Fruchtsäfte und -smoothies untersucht, die in britischen Supermärkten erhältlich sind. Vor allem reiner Fruchtsaft, der gemeinhin als besonders gesund gilt, enthielt mit 10,7 Gramm pro 100 Milliliter im Schnitt fast doppelt so viel freien Zucker wie gewöhnlicher Fruchtsaft aus Konzentrat. Als die größten Zuckerbomben aber entpuppten sich Fruchtsmoothies, in denen sich im Schnitt 13 Gramm Zucker auf 100 Milliliter versteckten.

„Dass so viel Zucker in den Getränken verborgen ist, hat uns überrascht“, sagt Prof. Simon Capewell von der University of Liverpool – einer der Autoren der Studie. Die Vermarktung vieler Produkte ziele intensiv auf Kinder und ihre Eltern ab. Sie steckten in knallbunten Verpackungen, geschmückt mit Cartoonfiguren und Tieren.

Obst essen ist gesünder

Die britischen Wissenschaftler raten stattdessen, Früchte vorzugsweise in Form von Obst zu verzehren und nicht als Getränk. „Ein zentraler Unterschied zwischen ganzen Früchten und Fruchtsaft sind die enthaltenen Ballaststoffe”, schreiben die Forscher. Ganze Früchte machten satt und reduzierten die Nahrungsaufnahme. Das sei bei Säften nicht der Fall. Und die Extraportion Zucker, die in den Getränken steckt, erspart man sich so auch.

Eltern sollten Fruchtsäfte zudem mit Wasser verdünnen. Außerdem dürfen Säfte mit hohem Zuckeranteil eigentlich nicht den von Ernährungsexperten empfohlenen täglichen fünf Portionen an Obst und Gemüse zugerechnet werden. Vor allem sollten Safthersteller angehalten – und notfalls gesetzlich gezwungen – werden, keine unnötigen Mengen zusätzlichen Zuckers in die Fruchtgetränke zu mixen – finden die Wissenschaftler.

Liebe zu Süßem ist angeboren

Auch in Deutschland sind viele Getränke reichlich mit Zucker versetzt. Besonders zuckerhaltig sind auch hier Lebensmittel, die speziell für Kinder konzipiert sind. Das gilt nicht nur für Getränke, sondern auch für Frühstücksflocken oder Milchprodukte. Sie enthalten überflüssige Kalorien und polen den Geschmackssinn der Kinder langfristig auf „süß“.

Stand: 01.02.2017
Autor:
Quelle: Simon Capewell et al: „Sugar content in fruit drinks marked to kids unacceptable high“, British medical Journal, 24.03.2016