Vitamin C beugt Grauen Star vor

Vitamin C kann Grauen Star vorbeugen.

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Nicht mehr richtig sehen zu können, das ist eine furchtbare Vorstellung. Und doch besteht die Gefahr bei jedem Zweiten, dass mit zunehmendem Alter die Sicht immer mehr getrübt ist. Schuld daran ist der sogenannte Graue Star. Doch der Alterserscheinung lässt sich möglicherweise einfach vorbeugen, fanden Forscher jetzt heraus. Die wichtigsten Fakten zum Grauen Star erfahren Sie in der Bildergalerie.

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„Karotten sind gut für die Augen“ – dieser alte Ratschlag müsste eigentlich um Zitrusfrüchte ergänzt werden. Zumindest, wenn es nach Ekaterina Yonova-Doing und ihrem Team vom King’s College London ginge. Die Wissenschaftler kamen auf einem kleinen Umweg zu dieser Erkenntnis, denn eigentlich widmeten sie sich der Frage, welchen Effekt die Gene beziehungsweise die Ernährung auf die Entwicklung einer Linsentrübung hatte.

Einfluss der Gene

Immer wenn es um den Einfluss der genetischen Ausstattung auf ein mögliches Erkrankungsrisiko geht, ist es am besten, wenn man Zwillinge untersucht. Deshalb rekrutierten Yonova-Doing und Co. über 300 ein- und zweieiige weibliche Zwillingspaare, die 60 Jahre oder älter waren. Diese füllten über einen Zeitraum von zehn Jahren immer wieder Ernährungs-Fragenbögen aus, zusätzlich wurden Fotos der Linsen gemacht, anhand derer das Voranschreiten einer Linsentrübung mess- und dokumentierbar gemacht wurde.

65 Prozent geringeres Risiko

Bei der Auswertung nach den zehn Jahren waren die Forscher überrascht: Die Gene spielten eine weitaus geringere Rolle, als sie gedacht hatten. Nur 35 Prozent betrug ihr Einfluss. Die Ernährung dagegen hatte deutliche Auswirkungen: Um 65 Prozent konnten Frauen ihr Risiko für Grauen Star senken, wenn sie reichlich Obst und Gemüse in ihren Speiseplan integrierten. Und selbst wenn sie doch eine Linsentrübung erfuhren, war diese weniger stark ausgeprägt und schritt langsamer voran.

Die Wissenschaftler haben auch eine mögliche Erklärung für die positive Wirkung der gesunden Ernährung: „Wir glauben, dass der schützende Effekt auf den antioxidativen Eigenschaften von Vitamin C beruht“. Vitamin C ist auch in der Augenflüssigkeit enthalten und unterstützt den Abbau von Sauerstoffradikalen, die ansonsten zu einer Linsentrübung führen könnten. Wer nun viel Vitamin C zu sich nimmt, sorgt dafür, dass der Level in der Augenflüssigkeit höher ist – und so besser schützen kann.

Vitamin-Tabletten helfen nicht

„Der menschliche Körper kann kein Vitamin C herstellen, also sind wir darauf angewiesen, es mit der Nahrung aufzunehmen“, erklärt Yonova-Doing. Dabei ist aber wichtig, aus welchen Quellen das Vitamin kommt – den präventiven Effekt hatte nur das aus der natürlichen Nahrung aufgenommene Vitamin C, nicht Vitaminpräparate. „Um das Risiko für Grauen Star zu senken, sollte man lieber auf eine gesunde Ernährung als auf Vitamin-Tabletten setzen“, schlussfolgert auch die Forscherin. Warum das so ist, ist bisher noch nicht geklärt.

Neben Vitamin C fiel laut der Auswertung noch das Spurenelement Mangan positiv auf. Das in schwarzem Tee oder Getreideprodukten enthaltene Mineral hat offenbar auch leichte Schutzwirkung gegen Grauen Star.

Neue Linse

Trotz gesunder Ernährung kann der Graue Star nicht immer verhindert werden. Viele Betroffene bemerken die Sehstörungen auch lange nicht, denn sie entwickelt sich schleichend. Die gute Nachricht: Grauer Star lässt sich erfolgreich behandeln, mit einer Operation, bei der die getrübte Linse gegen eine Kunstlinse ausgetauscht wird. Rund 600.000 solche Operationen werden pro Jahr durchgeführt, weltweit sind es über 100 Millionen. Die Prognose nach einer Operation ist gut: Etwa 90 Prozent der Patienten erreichen durch den Eingriff wieder eine Sehleistung von 50 bis hin zu 100 Prozent.

Stand: 31.03.2016
Autor:
Quelle: Yonova-Doing, E. et al. Genetic and Dietary Factors Influencing the Progression of Nuclear Cataract. Ophthalmology. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ophtha.2016.01.036.