Der Kampf gegen den Krampf

Krämpfe: Sie kommen meist plötzlich und sind extrem schmerzhaft

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Sie kommen wie aus dem Nichts und reißen Menschen aus ihren Träumen: Nächtliche Wadenkrämpfe gehören zu den besonders unangenehmen und schmerzhaften Erlebnissen. Doch auch am Tag können einzelne Muskeln oder ganze Muskelgruppen plötzlich steinhart werden und den Dienst verweigern. Erfahren Sie hier, woher Muskelkrämpfe kommen.

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Oft treten Muskelkrämpfe über einen gewissen Zeitraum oder bei bestimmten Tätigkeiten gehäuft auf. Die schmerzhaften Verspannungen können kürzer oder länger andauern, manchmal lösen sie sich spontan, manchmal nur durch eine beherzte Massage, eine vorsichtige Dehnung, durch Wärme, Entlastung oder eine befreiende Bewegung. Denn Muskelkrämpfe können ganz verschiedene Ursachen haben.

Besonders häufig entstehen Muskelkrämpfe während körperlicher Belastung. Theorien besagen, dass sich der Muskel so vor einer Überbeanspruchung schützt, die ihn teilweise oder komplett beschädigen könnte. Er schaltet einfach auf stur.

Überforderte Muskeln machen zu

Eine Überforderung kann entstehen, wenn der Muskel der Anforderung nicht gewachsen ist – etwa, weil andere Muskeln in der Umgebung nicht kräftig genug sind, um ihren Teil der Arbeit zu übernehmen. Oder, weil die Last für den Trainingszustand der Muskeln zu groß ist. Ein Beispiel dafür sind Krämpfe in der unteren Rückenmuskulatur beim Heben schwerer Lasten: Weil die Muskeln des Rückens bei vielen Menschen nicht mehr ausreichend und gleichmäßig trainiert sind, müssen die langen Rückenstrecker der Lendenwirbelsäule den Job fast allein erledigen - und quittieren schließlich den Dienst.

Auch Fehlhaltungen führen häufig zu Muskelkrämpfen, wenn dadurch die Balance zwischen den Gegenspielern gestört ist. Gelenke oder die Wirbelsäule können dann die von beiden Seiten einwirkende Muskelkraft nicht mehr gleichmäßig umlenken oder abstützen – die überlastete Seite verkrampft. Fehlerhaft einstudierte Bewegungsabläufe – zum Beispiel beim Sport – führen ebenfalls zur einseitigen Überlastung bestimmter Muskelgruppen.

Energiemangel lässt Muskeln hart werden

Muskeln benötigen für ihren Job – ob statische Haltearbeit oder dynamische Bewegung – eine Menge Energie. Nachschubprobleme beim Treibstoff (den Kohlenhydraten), Wasser oder wichtigen Salzen können deshalb Muskelkrämpfe auslösen.

Besonders häufig tritt ein solcher Versorgungsengpass bei extremer Kälte auf, weil sich die Arterien verengen. Die vermehrte Neigung zu Muskelkrämpfen bei kalter Muskulatur hat fast jeder Wintersportler schon einmal erlebt. Aber auch Hitze kann die Versorgung der Muskelzellen erschweren. Denn durch den Schweiß geht kostbare Flüssigkeit verloren, das Blut wird dickflüssiger und kann nicht mehr alle Muskelzellen schnell genug erreichen.

Salzverlust macht Krämpfe

Schrumpfen durch intensives oder häufiges Schwitzen die Reserven wichtiger Salze im Körper, kann das die Muskeln schwächen oder zu einer übergroßen Erregbarkeit der Fasern führen. Denn die sogenannten Elektrolyte spielen nicht nur im Energiestoffwechsel eine wichtige Rolle.

Natrium, Kalium, Magnesium und Kalzium sind unter anderem für die Übertragung elektrischer Impulse von den Nervenzellen über die Zellmembran bis zu den eigentlichen Arbeitseinheiten, den Myofibrillen, verantwortlich. Ein Mangel an diesen Elementen kann Muskelschwäche oder Muskelkrämpfe auslösen. So kommen nächtliche Wadenkrämpfe bei einem zu niedrigen Magnesiumspiegel im Blut besonders häufig vor.

Wann Sie den unbedingt den Arzt aufsuchen sollten

Nicht immer haben Muskelkrämpfe ihre Ursache in einer lokalen Überlastung oder einem Mangelzustand. Eingeklemmte oder beschädigte Nervenbahnen können zu Störungen in der Muskelsteuerung führen. Dies kann Muskeln nicht nur lähmen, sondern in manchen Fällen auch schmerzhafte Verspannungen bis hin zu Krämpfen auslösen. Beispielsweise können schon kleine Verschiebungen in der Halswirbelsäule jene Nervenbahnen reizen, die den Muskeln der Arme und Hände Befehle geben.

Lang andauernde oder ständig wiederkehrende Krämpfe einzelner Muskeln oder ganzer Muskelgruppen können ein Hinweis auf eine höher liegende Nervenstörung sein, etwa einen Bandscheibenvorfall. Auch Störungen im Gehirn können Muskeln verkrampfen lassen. Diese Form von Muskelkrämpfen sollten Betroffene unbedingt durch einen Arzt abklären lassen.

Dasselbe gilt bei anfallsartigen oder anhaltenden Verkrampfungen vieler verschiedener Muskeln, die in keinem erkennbaren funktionellen Zusammenhang stehen. Sie könnten durch Infektionen (beispielsweise mit dem Tetanuserreger) oder Vergiftungen ausgelöst oder eine Nebenwirkung von Medikamenten sein.

Stand: 21.09.2016
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