Plötzlicher Herztod – wer ist gefährdet?

Sportler trifft es besonders häufig.

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Der plötzliche Herztod gibt Rätsel auf. Mitunter trifft er scheinbar kerngesunde Menschen – und das nicht selten beim Sport. Ein Grund, die Laufschuhe im Schrank zu lassen, ist das nicht – im Gegenteil. Je besser jemand trainiert ist, desto geringer ist sein Risiko für einen plötzlichen Herztod. Erfahren Sie in der Bildergalerie, wie Sie sich am besten vor dem plötzlichen Herztod schützen können.

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Abgepufferte Belastungsspitzen

„Schon wer nur ein- bis zweimal pro Woche Herz und Kreislauf trainiert, reduziert die Gefahr für einen Infarkt unter Belastung um zwei Drittel“, sagte Prof. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln im ARD-Morgenmagazin. Wer noch häufiger Sport treibt, senkt dieses Risiko noch einmal deutlich weiter ab. Denn ein trainiertes Herz wird mit Belastungsspitzen naturgemäß deutlich besser fertig als ein untrainiertes. Insbesondere, wer Ausdauersport in moderater Belastung treibt, tut seinem Organismus Gutes: Der Herzmuskel wird größer und kräftiger, er muss weniger häufig schlagen. 

Nicht aus heiterem Himmel

Besonders bekannt ist der plötzliche Herztod durch spektakuläre Todesfälle, die während des Sportes passieren. So klappte zum Beispiel der 25-jährige Piermario Morosini im Jahr 2012 inmitten eines wichtigen Fußballspiels zusammen und verstarb kurze Zeit später. Trotzdem: Insgesamt ist das Risiko, beim Sport einen Herztod zu erleiden, eher gering. Im Rahmen einer Studie fanden Forscherer um Sumeet Chugh vom Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles heraus, dass von 1200 Fällen plötzlichen Herzstillstands nur fünf Prozent während sportlicher Aktivitäten wie Joggen oder Fahrradfahren auftraten. Und die kamen meist nicht aus heiterem Himmel: In den Tagen davor tauchten meist Warnsignale wie Schmerzen oder Engegefühle in der Brust auf, die auf eine Koronare Herzkrankheit hindeuten können.

Frauen besser geschützt

Eine französiche Studie zeigte 2013, dass nicht alle gleich gefährdet sind. Frauen scheinen demnach besser vor einer tödlichen Herzattacke gefeit. Denn Männer waren deutlich häufiger als sie vom plötzlichen Herztod betroffen. Die Häufigkeit für das tödliche Ereignis während oder kurz nach sportlicher Aktivität lag bei Sportlerinnen laut der Studie bei 0,51 pro 1 Million. Bei Männern betrug dieser Wert 10,1 pro 1 Million sportlicher Aktivitäten pro Jahr.

Mitte 40

Frauen waren im Schnitt 44 Jahre alt, als ihr Herzmuskel versagte, Männer dagegen durchschnittlich 46 Jahre. Bei Männern stieg allerdings das Risiko für den plötzlichen Herzkollaps signifikant mit dem Alter - bei Frauen nicht. Außerdem spielte bei Männern die Sportart, die sie ausübten, eine Rolle. Demnach kollabierten Männer am häufigsten beim Radeln, am seltensten beim Schwimmen. Bei Frauen war dieser Zusammenhang wiederum nicht nachweisbar. Warum sich die Sportart bei den Geschlechtern unterschiedlich auswirkt, wissen die Wissenschaftler nicht. Möglicherweise führe die unterschiedlichen hohen Anteile an Männern und Frauen, die jeweils eine bestimmte Sportart betreiben, zu diesem Bild, mutmaßen die Autoren.

Vor dem Sport zum Arzt

Auch wenn ein Herzversagen beim Sport selten ist - sich nach längerer sportlicher Abstinenz vor dem ersten Training gründlich durchchecken zu lassen, ist dennoch ratsam. Optimal ist eine sportmedizinische Untersuchung, mit der sich herausfinden lässt, ob eine Erkrankung der Herzkranzgefäße oder eine gefährliche Herzrhythmusstörung vorliegt. Ein zusätzlicher Leistungstest ermittelt, wie hoch die Trainingsbelastung sein sollte, beziehungsweise darf.

Der Arztbesuch vor dem Sport ist insbesondere für Menschen wichtig, die in den vorangegangenen fünf Jahren nicht regelmäßig sportlich aktiv waren, die rauchen, älter als 35 Jahre oder übergewichtig sind. Das Gleiche gilt für Personen, die an einer chronischen Erkrankung leiden. Dazu gehören beispielsweise Asthma, Gelenkbeschwerden, Diabetes und Bluthochdruck. Ebenso sollten sich Personen testen lassen, in deren Familie bereits Herzerkrankungen aufgetreten sind. Sie könnten eine genetische Veranlagung dafür haben.

Gefährliche Herzmuskelentzündung

Aber auch junge, stets sportlich aktive Menschen sind nicht gefeit vor einem unvermittelten Herzstillstand. Oft bleibt eine gefährliche Herzrhythmusstörung jahrelang unentdeckt, oder sie entwickelt sich auf dem Boden einer nicht auskurierten Herzmuskelentzündung. Bei intensiver Belastung kann dann das Herz plötzlich aus dem Takt geraten. Oft reicht schon eine einfache EKG-Untersuchung aus, solche Erkrankungen zu erkennen.

Stand: 29.09.2016
Autor:

Quellen:

  • Marijon, Eloi et al.: "Incidence of Sports-Related Sudden Death in France by Specific Sports and Sex", JAMA. 2013;310(6):642-643. doi:10.1001/jama.2013.8711.
  • ARD-Morgenmagazin, 11.08.2015
  • Eloi Marijon: Sudden Cardiac Arrest During Sports Activity in Middle Age, Ciculation, February 13, 2015