Rücken-OP - Ja oder nein?

Rückenoperation - Patienten sollten den Schritt gut abwägen

© Minerva Studio/Fotolia.com

Ob eine Operation bei Rückenschmerzen sinnvoll ist – diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Es gibt aber einige Argumente, die dafür oder dagegen sprechen. Nur bei sehr wenigen Menschen mit Rückenschmerzen ist eine Operation dringend erforderlich. Aber in diesem Fall sollte sie so schnell wie möglich erfolgen.

Mehr zum Thema

Sonst sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt sehr genau beratschlagen, ob eine Operation sinnvoll und gewünscht ist oder nicht. Und für diese Entscheidung sollten Sie sich Zeit nehmen.

Was spricht für eine OP?

Manche Probleme wie Taubheitsgefühle, Schmerzen, Schwäche oder Lähmungen in den Beinen sowie eingeschränkte Organfunktionen können sich durch eine Operation bessern - manchmal mehr als durch konservative Maßnahmen (also ohne OP). Außerdem kehren die meisten schneller in ihren Job zurück. Auch andere Aktivitäten können Sie schneller wieder aufnehmen. Nach einer Operation muss man oft weniger oder keine Medikamente mehr einnehmen. Bei einer OP müssen Sie weniger persönlichen Einsatz bringen als bei konservativen Therapien (also ohne OP) – hier heißt es mitmachen, zum Beispiel sollten Sie regelmäßig Gymnastik machen.

Was spricht gegen eine Operation?

Es gibt keine Garantie, dass eine Operation dauerhaften Erfolg bringt. Manche Patienten fühlen sich nach der OP sogar schlechter als zuvor. Außerdem können positive Effekte direkt nach der Operation mit der Zeit verpuffen – dann wird ein zweiter Eingriff nötig. Es gibt allgemeine Operationsrisiken. Dazu zählen Infektionen, schlechte Wundheilung und andere Komplikationen bzw. Spätfolgen, etwa Veränderungen in dem operierten Teil der Wirbelsäule. Nach einer OP braucht der Körper immer eine gewisse Zeit für Wundheilung und er muss die Belastungen des Eingriffs wegstecken. Bei konservativen Therapien ist das meist nicht nötig. Der langfristige Effekt einer OP ist meist nicht besser als der einer schonenderen, konservativen Therapie. Operative Eingriffe unterstützen die natürlichen, schonenden Selbstheilungsprozesse des Körpers nicht – konservative schon!

Fazit

Eine Operation zur Behandlung von Rückenschmerzen ist nur dann hilfreich, wenn die Beschwerden eindeutig auf eine Veränderung der Wirbelsäule zurückzuführen sind. Und dies ist nur bei Menschen wenigen Rückenschmerzpatienten der Fall.
Allgemein wird empfohlen, bei akuten Rückenschmerzen zunächst vier bis sechs Wochen lang intensiv konservativ zu behandeln. Bessern sich die Beschwerden in diesem Zeitraum nicht, sollten Sie mit Ihrem Arzt das Für und Wider einer Operation diskutieren. Bei chronischen Rückenschmerzen sollten zunächst zwei Jahre lang alle empfohlenen, konservativen Behandlungen wie zum Beispiel Physiotherapie und Medikamentengabe versucht werden - einschließlich einer Verhaltenstherapie. Eine Operation kommt nur in Frage, wenn diese intensive Therapie nichts gebracht hat.

Vorlage: Dr. med. Katharina Larisch

Stand: 06.07.2016
Autor:

Quellen:

  • Does lumbar surgery for chronic low-back pain make a difference? CMAJ 2005; 173 (4): 365-366
  • Hildebrandt J. et al.: Lendenwirbelsäule. Urban & Fischer Verlag. 1. Auflage 2005
  • Leitlinien der Dt. Ges. f. Neurologie (DGN): Lumbale Radikulopathie (Stand: Oktober 2008)
  • Leitlinien der Dt. Ges. f. Neurologie (DGN): Zervikale Radikulopathie (Stand: Oktober 2008)
  • Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Handlungsleitlinie Kreuzschmerzen aus Empfehlungen zur Therapie von Kreuzschmerzen (3. Auflage). Arzneiverordnung in der Praxis, Band 34, Sonderheft 2. (Stand: April 2007)
  • Abel R.: Standardverfahren in der operativen Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme Verlag. 3. Auflage 2006
  • Ahrens M. et al.: Minimal invasive Wirbelsäulenintervention. Deutscher Ärzteverlag. 2. Auflage 2009