Rückenschmerzen - was hilft?

Mann hält sich den unteren Rücken

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Fast jeder Deutscher hat in seinem Leben mindestens einmal „Rücken“. Wie die Menschen damit umgehen, ist allerdings höchst unterschiedlich. Die einen setzen allein auf Medikamente, andere versuchen die Schmerzen auch mit Physiotherapie zu lindern. Eine Studie hat jetzt untersucht, wann man auf welches Mittel setzen sollte. Erfahren Sie außerdem in der Bildergalerie, ab wann Sie mit Rückenweh besser zum Arzt sollten.

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Mit Rückenschmerzen ist nicht zu spaßen, sie können einen im Alltag beträchtlich belasten, vor allem, wenn sie relativ plötzlich über einen hereinbrechen. Was kann man dann tun? Wissenschaftler der Universität Utah (USA) wollten herausfinden, ob neben Schmerzmedikamenten auch eine Physiotherapie helfen kann. Sie untersuchten diese Frage für akute Schmerzen, die im unteren Rückenbereich auftreten. Dafür überzeugten sie 220 Patienten mit entsprechenden Beschwerden an ihrer Studie teilzunehmen.  Die Hälfte der Probanden erhielt dabei nur schmerzlindernde Medikamente, die andere zusätzlich vier Einheiten Physiotherapie.

Schmerzlinderung durch Medikamente

Zu Beginn und zum Ende der Studie füllten die Teilnehmer den sogenannten Oswestry Disability Index (ODI) aus, der den Schmerz- und Funktionsstatus von Rückenschmerz-Patienten erfasst. Die Skala reicht von 0 bis 100, wobei höhere Werte mehr Schmerzen und Einschränkungen bedeuten. Zu Beginn lag der Wert beider Gruppen im Durchschnitt bei etwa 40. Nach drei Monaten war klar: Deutlich besser ging es den Menschen in beiden Gruppen. Die Physiotherapie-Gruppe kam nun mehr auf nur 10 Punkte, die Probanden, die nur Medikamente genommen hatten, sogar auf 7.

Auf einen Blick sieht man also – ob jemand Physiotherapie macht oder nicht, hatte keinen großen Einfluss. Dieser Meinung sind auch die Forscher: „Der Unterschied ist nur moderat und klinisch nicht relevant.“ Daraus lässt sich schließen, dass die Verbesserung der Beschwerden tatsächlich vor allem den Medikamenten zu verdanken ist.

Physiotherapie gegen chronische Rückenschmerzen

Kann man sich die Physiotherapie auch gleich schenken? Nein, denn weitere Studien konnten belegen, dass Physiotherapie bei anderen Arten von Rückenschmerzen spürbar hilft, zum Beispiel bei chronischen Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Besprechen Sie den Nutzen einer Physiotherapie am besten mit einem entsprechenden Facharzt.

Was Sie selbst tun können

Ein Arztbesuch ist aber oft gar nicht unbedingt nötig: 90 Prozent aller Rückenschmerzen sind unkompliziert und Betroffene können selbst etwas dagegen unternehmen.

Wärmebehandlungen, zum Beispiel mit Wärmflaschen, Wärmepackungen, Moorbädern oder Fangopackungen, können Muskeln entspannen und Schmerzen auf einfache Art lindern. Manchmal sind die Rückenschmerzen auch nur Symptom eines seelischen Problems, in diesem Fall kann eine Psychotherapie hilfreich sein.

Schmerzen frühzeitig vorbeugen

Sie können auch dafür sorgen, dass Rückenschmerzen gar nicht erst auftreten. Dafür ist regelmäßiger Sport wichtig: Bewegung stärkt Knochen und Muskeln und hält Gelenke und Bandscheiben gesund. Auch mit der richtigen Ernährung können Sie Rückenschmerzen vorbeugen. Der Bewegungsapparat braucht Nährstoffe wie Fettsäuren, Kalzium, Fluorid, Vitamine, Magnesium, Bor, Selen und Zink. Zusätzlich hält viel Flüssigkeit die Stoßdämpfer, also die Bandscheiben, zwischen den Wirbelkörpern gesund und elastisch. Zusätzlich sollten Sie sich über spezielle Bewegungs- und Entspannungsübungen, das richtige Bücken, Heben und Tragen informieren und Ihren Arbeitsplatz rückenfreundlich gestalten.

 

Stand: 22.11.2016
Autor:

Quelle: J.M. Fritz et al. Early Physical Therapy vs Usual Care in Patients With Recent-Onset Low Back PainA Randomized Clinical Trial.JAMA. 2015;314(14):1459-1467. doi:10.1001/jama.2015.11648.