Rückenschmerzen und die Macht der Psyche

Bei Rückenschmerzen spielt die Seele mit

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Es gibt viele Gründe, die zu Rückenschmerzen führen können: falsche Körperhaltung, mangelnde Bewegung, Verletzungen oder andere körperliche Beschwerden, die in den Rücken ausstrahlen. Unabhängig davon, welche Ursachen der Schmerz hat - die Psyche kann dazu beitragen, dass die Rückenschmerzen verstärkt oder gelindert werden.

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Schmerzverhalten ist gelernt

Jeder kennt die Situation: ein Kind stürzt und schürft sich das Knie auf. Der Umgang der Eltern damit ist aber höchst unterschiedlich. Bei den einen wird dramatisch der kleinen Verletzung viel Beachtung geschenkt, bei anderen wird nicht viel Aufhebens darum gemacht. Interessanterweise sind Beschwerden insgesamt seltener, wenn die Familie Schmerzen weniger beachtet und dramatisiert.

Trost hilft - manchmal

Dabei ist Trost an sich nichts Schlechtes, im Gegenteil. Der Amerikaner G. Engel erklärte bereits 1977 in dem Fachmagazin „Science“ den Zusammenhang zwischen Psyche und Körper. Schmerzen, so der Psychiater, seien nie neutral, sondern an andere Gefühle gekoppelt. Eine tröstende Mutter kann den Schmerz eines weinenden Kindes durchaus lindern. Negativ wirkt sich die Macht der Psyche allerdings aus, wenn sich manche Erwachsene unbewusst Aufmerksamkeit und Trost erhoffen, etwa durch chronische Rückenschmerzen.

Die Macht der Psyche

Nachweislich spielt das Unterbewusstsein eine große Rolle, wenn es um die Empfindung von Schmerzen geht. Ein gutes Beispiel dafür stammt aus dem zweiten Weltkrieg: Schwerverletzte, denen eine baldige Heimreise in Aussicht gestellt worden war, brauchten wesentlich weniger schmerzlindernde Medikamente als Leichtverletzte, die vor Ort bleiben mussten. Leider wirkt die Macht unserer Gedanken nicht immer positiv. Gerade Rückenschmerzen können sich zum Beispiel verschlimmern, wenn sich der Leidende hineinsteigert und das Schlimmste ausmalt.

Schmerz als Ausdruck seelischer Probleme

Tatsächlich ist bei manchen Schmerzpatienten keinerlei körperliche Ursachen zu finden – trotzdem tut es weh. Bereit 1933 vermutete der Psychoanalytiker E: Weiss, dass seelische Probleme das Leiden verursachen. Der Körper ist sozusagen das Ventil der Psyche um auf Leiden aufmerksam zu machen. Man spricht hier auch von „pyschosomatischen“ Beschwerden. Bekannt ist das unter anderem von Kindern, die etwa über Bauchweh klagen, weil sie Probleme in der Schule haben.

Nach Ansicht der Experten werden diese Schmerzen durch Störungen des vegetativen Nervensystems ausgelöst. Das gilt als verbindender Teil zwischen Psyche und schmerzhaften Empfindungen. Solche Störungen können sich als Reaktion auf Leistungsdruck, Angst vor Versagen oder Probleme mit Familie und Beruf äußern.

Der Rücken leidet mit

Rückenschmerzen wird schon länger mit Leiden der Psyche in Verbindung gebracht. Es gibt Studien, die belegen, dass 80 bis 90 Prozent der Menschen mit chronischen Rückenbeschwerden gleichzeitig auch Anzeichen einer leichten Depression zeigen. Der Körper depressiver Patienten schütten weniger schmerzlindernde Botenstoffe aus, dadurch sind die Betroffenen empfindlicher gegenüber Schmerzen.

Nur selten, so der schottische Orthopäde Gordo Waddell, verursachen wirkliche Erkrankungen oder Beschädigungen der Wirbelsäure bzw. Bandscheiben die Rückenschmerzen. Damit war er bereits vor 20 Jahren Vordenker der „Rückenschmerz-Revolution“. Der Rücken sei steif geworden, die Muskeln schwach oder es hapere an der Koordination. Das könne Schmerzen auslösen, je nachdem wie der Patient damit umgehe. Dabei spielen die innere Einstellung genauso eine Rolle wie soziale Faktoren oder inwiefern die Beschwerden das Alltagsleben beeinflussen - so der Orthopäde.

Psychologische Schmerzbehandlung

Längst suchen Mediziner bei Rückenschmerzen nicht nur nach körperlichen Ursachen. Die moderne Schmerzbehandlung macht sich auch die psychologische Schmerzbewältigung zu nutze. Dabei wird den Patienten geholfen, ihre Schmerzverarbeitung zu verbessern und gegebenenfalls eine Verhaltensänderung zu etablieren, die den Ursachen der Schmerzen entgegen wirkt. Damit soll die Psyche so beeinflusst werden, dass sie hilft, die Beschwerden verschwinden zu lassen oder zumindest zu lindern.

Vorlage: Felicitas Witte
Redaktion:

Stand: 04.07.2016

Quellen:

  • Kaufmännische Krankenkasse: Beweglich?: Muskel-Skelett-Erkrankungen- Ursachen, Risikofaktoren und präventive Ansätze. Springer Verlag. 1. Auflage 2008
  • Janssen P.L. et al.: Leitfaden psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Deutscher Ärzteverlag. 2. Auflage 2009
  • Rüegg J.C.: Gehirn, Psyche und Körper: Neurobiologie von Psychosomatik und Psychotherapie. Schattauer Verlag. 4. Auflage 2007