Doping macht dumm

Doping macht dumm

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Prächtige Muskelberge an den Armen, aber nichts im Kopf? An diesem Vorurteil scheint tatsächlich etwas dran zu sein. Zumindest bei Sportlern, die Anabolika schlucken. Die Leistungssteigerer zerstören offenbar das Alltagsgedächtnis. Die häufigsten Sportlerfehler bei der Ernährung finden Sie in der Bildergalerie.

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Nicht nur Leistungssportlern, sondern auch vielen Hobbysportlern kann der Muskelaufbau nicht schnell genug gehen. Eine Studie des Robert Koch-Instituts ergab: Fast 14 Prozent der Männer und drei Prozent der Frauen, die ins Fitnessstudio gehen, versuchen dem Muskelwachstum mit Medikamenten auf die Sprünge zu helfen. Sie setzen auf Hormone, die den Körper schneller Muskelmasse aufbauen lassen – sogenannte Anabolika. Unter Bodybuildern ist die Zahl mit geschätzten 38 Prozent noch deutlich höher, die versuchen mit chemischer Unterstützung den Muskelaufbau zu beschleunigen.

Vergessene Rechnungen, versäumte Meetings

Das Doper mit dieser Hormonkeule ihrem Körper schaden, das ist seit Längerem bekannt. Höhere Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Leberschäden bis zum Krebs und Unfruchtbarkeit sind mögliche Folgen. Offensichtlich gehen Anabolika aber auch aufs Gehirn: Zumindest das Gedächtnis kann Schaden nehmen, warnen nun Forscher von der Northumbria University in Newcastle. Psychologe Tom Heffernan und sein Team untersuchten 100 Männer zwischen 18 und 30 Jahren.

Die Hälfte davon schluckte regelmäßig anabole Steroide - Abkömmlinge des männlichen Sexualhormons Testosteron und die am meisten verbreiteten Anabolika. Die andere Hälfte diente als Kontrollgruppe. Alle Probanden trainierten regelmäßig im Fitnessstudio. Mit einem Standard-Fragebogen überprüften die Wissenschaftler, wie gut das Alltagsgedächtnis der Testpersonen war.

Das erschreckende Ergebnis: Mit Anabolika ließ die Gedächtnisleistung um 30 bis 40 Prozent nach. Dabei war es egal, ob sich die Probanden an vergangene Ereignisse oder an geplante Handlungen erinnern sollten, wie zum Beispiel eine Rechnung zu bezahlen. Jene Muskelmänner, die mit Hormonen nachgeholfen hatten, konnten sich außerdem schlechter konzentrieren und hatten Probleme, Aufgaben im Voraus zu planen.

Muskeln statt beruflicher Erfolg

„Die Gedächtnisschwierigkeiten können viele Lebensbereiche betreffen, etwa persönliche Beziehungen, Arbeitsverhältnisse, Ausbildung und auch gesundheitliche Aspekte“, so Heffernan. Er möchte die Auswirkungen der Steroide auf die Gedächtnisleistung weiter untersuchen. Eines steht aber schon jetzt fest: Gesünder ist es, auf die Muskelansporner zu verzichten.

Stand: 09.07.2015
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Quellen:

  • Heffernan T. et al.: Everyday Memory Deficits Associated with Anabolic-Androgenic Steroid Use in Regular Gymnasium Users, The Open Psychiatry Journal, 2015.
  • Pressemeldung der Northumbria University Newcastle: Gym steroid use has impact on memory, 07. Juli 2015.
  • Robert Koch-Institut: Kolibri, Studie zum Komsum leistungsbeeinflussender Mittel in Alltag und Freizeit, 2011.