Gut fürs Herz: Tai-Chi und Co.

Fernöstliche Fitnessübungen haben erstaunlich große Effekte.

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Geradezu hypnotisch wirkt es, wenn man Menschen zusieht, die Tai-Chi praktizieren. Die fließenden Bewegungsabläufe des fernöstlichen Schattenboxens wirken dabei nicht nur auf den Betrachter beruhigend – auch die Gesundheit des Betreibers des fernöstlichen Sportes profitiert an vielen Stellen. Besonders beeindruckend dabei: der Effekt auf den Blutdruck.

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Tai-Chi, Qigong oder Ba Duan Jin beinhalten Übungen mit langer Tradition, die Körper, Geist und Seele fit halten sollen. Von westlichen Medizinern wurde insbesondere ihre Wirkung auf den Körper lange belächelt. Denn bei den fernöstlichen „Fitnessübungen“ kommt man nicht gerade ins Schwitzen. Darum sind Forscher schon seit Längerem bemüht, die gesundheitlichen Vorteile auch messbar zu machen. Yu Liu von der Shanghai University of Sport in China und sein Team nahmen 35 Studien mit insgesamt über 2.200 Teilnehmern genauer unter die Lupe, um die Wirkung objektiver beurteilen zu können.

Blutdruck runter

Eines der wichtigsten Ergebnisse dabei: Menschen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen  profitierten gesundheitlich von den Sportarten, weil sie ihren Blutdruck senkten. Wer regelmäßig seine Übungen durchführte, konnte seinen systolischen Blutdruck im Schnitt um 9,12 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) und den diastolischen Wert um 5 mmHg verringern. Gut fürs Herz ist aber nicht nur die Gefäßentlastung, auch die Cholesterinwerte waren durch Tai-Chi und Co. zwar in kleinem Maße, aber doch nachweislich verbessert worden. „Traditionelle chinesische Übungen sind eine risikoarme, vielversprechende Maßnahme, die die Lebensqualität von Patienten mit kardiovaskulären Beschwerden verbessern kann“, fasst Liu zusammen.

Stimmung rauf

Wohltuend wirkten sich die Bewegungsabläufe auch auf die Psyche aus. Insbesondere Menschen mit Depressionen verbesserten so nachweislich ihre Stimmungslage. Gemessen wurde diese mit Hilfe von zwei verschiedenen Standard-Skalen, der sogenannte „POMS Depression Scale“ und der „Hamilton Depression Rating Scale“.

Tai-Chi hält im Alter fit

Das Tai-Chi langfristig auch besonders bei älteren Menschen die Gesundheit fördert, zeigt eine andere Meta-Studie aus Kanada, die 21 Untersuchungen genauer betrachtete . Demnach blieben bei Personen, die regelmäßig Tai-Chi praktizierten, die Muskeln und auch die Beweglichkeit besser erhalten. Das bedeutet, Probanden schnitten bei Lauftests besser ab, konnten sich besser dehnen und strecken und berichteten über eine höhere Lebensqualität. Die Autoren der Studie schreiben: „Insbesondere für Menschen, die unter mehreren Krankheiten leiden, könnte Tai-Chi eine gute Möglichkeit für schonende Bewegungen sein.“

Einfach und günstig

Die Vorteile der fernöstlichen Bewegungsformen liegen für die Verfechter auf der Hand: Man braucht keine Gerätschaften, die Übungen lassen sich überall durchführen, sind leicht zu lernen und verursachen kaum Kosten. Die Forscher beziehen sich bei ihren Untersuchungen vor allem auf Tai-Chi, Qigong und Ba Duan Jin. Ihnen ist gemein, dass es sich um ein meditatives Bewegungstraining handelt, bei dem es darum geht, seine Haltung und Atmung zu kontrollieren. Gerade weil die Körperhaltung eine so wichtige Rolle spielt, ist es am besten sich beim ersten Mal von einem erfahrenen Lehrer anleiten zu lassen.

Stand: 05.04.2016
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Quellen:

  • Xue-Qiang W. et al. Traditional Chinese Exercise for Cardiovascular Diseases: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials;  J Am Heart Assoc. 2016;5:e002562 doi: 10.1161/JAHA.115.002562
  • Yi-Wen Chen et al. The effect of Tai Chi on four chronic conditions—cancer, osteoarthritis, heart failure and chronic obstructive pulmonary disease: a systematic review and meta-analyses; Br J Sports Med doi:10.1136/bjsports-2014-094388
  • Wang C et al. Assessing the comparative effectiveness of Tai Chi versus physical therapy for knee osteoarthritis: design and rationale for a randomized trial. BMC Complement Altern Med. 2014; 14:333. PMID: 25199526; PMCID: PMC4171546.