Jogger-Schreck – das steckt hinter dem Läuferknie

Läuferknie - gemeine Knieschmerzen bei Joggern

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Bohrende, stechende Schmerzen bei jedem Schritt – erst verderben sie den Spaß am Joggen, dann wird sogar das Gehen zur Qual: Das sogenannte Iliotibiale Bandsyndrom (ITBS) ist bei Hobbyläufern und Marathon-Cracks die häufigste Ursache für Beschwerden am äußeren Kniegelenk. Lesen Sie hier, wer besonders gefährdet ist – und was Sie gegen das sogenannte Läuferknie tun können.

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So macht sich das Läuferknie bemerkbar

Ein Läuferknie entwickelt sich allmählich – erste Anzeichen sind ein Spannungsgefühl an der Knie-Außenseite beim Laufen oder Treppensteigen sowie ein dumpfer Druckschmerz etwas oberhalb des äußeren Kniegelenkspalts. Bei fortgesetzter Belastung kann der Schmerz schnell zunehmen und schließlich bei jedem Schritt, sogar im Gehtempo, stechend oder dumpf bis in den seitlichen Oberschenkel ausstrahlen. Doch woher stammen eigentlich die Beschwerden?

Der lange Bindegewebsstrang an der Außenseite des Oberschenkels ist die natürliche Schwachstelle des Joggers. Mediziner nennen diesen Strang „Tractus iliotibialis“, weil er vom Oberrand der Beckenschaufel (Os ilium) bis zum Kopf des Schienbeinknochens (Tibia) zieht. Seine Aufgabe: Er unterstützt die Muskulatur des seitlichen Hüftgelenks und Oberschenkels dabei, das Becken auch dann gerade zu halten, wenn das Bein der Gegenseite gerade keinen Kontakt zum Boden hat - etwa beim Gehen oder Joggen.

Bänder im Dauerstress

Die Kräfte, die der Tractus iliotibialis dabei auffangen muss, sind enorm. Beim schnellen Laufen oder einbeinigen Hüpfen gehen sie weit in den dreistelligen Kilogrammbereich. Besonders dort, wo die hohen Zugkräfte zusammenlaufen und umgelenkt werden müssen – über dem Hüft- und dem Kniegelenk – entsteht hoher Druck und viel Reibung. Diese versucht der Körper durch kleine, besonders belastungsfähige Polster abzufedern. Wie Gleitkissen liegen die sogenannten Schleimbeutel zum Beispiel zwischen dem Tractus und den höckerförmig ausgezogenen, unteren Enden des Oberschenkelknochens (Kondylen). Auch oben am Hüftgelenk gibt es derartige Polster.

Dies sind typische Läuferknie-Kandidaten

Anhaltender mechanischer Stress, wie er zum Beispiel beim Joggen oder intensiven Radfahren, entsteht, kann zu Reizungen und Entzündungen der Schleimbeutel führen. Besonders gefährdet sind Menschen mit „O-Beinen“, bei denen das Knie also außerhalb einer gedachten geraden Linie zwischen der Hüfte und dem Sprunggelenk am Fuß steht. Denn dadurch steigt die Spannung im Tractus weiter an. Auch Personen mit anatomisch besonders ausladenden Knochenvorsprüngen am Außenknie, einer schwachen Rumpf- und Hüftmuskulatur oder verkürzten Muskeln und Bändern sind typische Läuferknie-Patienten. Im schlimmsten Fall können die Geplagten keinen Fuß mehr vor den anderen setzen.

Kälte, Salben oder Spritzen?

So weit sollten es Betroffene aber gar nicht erst kommen lassen. Als wirksamste Sofortmaßnahme hat sich neben konsequenter Schonung die Anwendung von Kälte bewährt. Sie wirkt kurzfristig schmerzlindernd, die Blutgefäße um den gereizten Schleimbeutel verengen sich, die Schwellung wird gestoppt. Anschließend sorgen die Gefäße für eine intensivere Durchblutung, die den sonst trägen Stoffwechsel im Bindegewebe anregt. Auch das hilft, die Entzündung schneller abklingen zu lassen. Legen Sie Eis- oder Kühlelemente aus dem Gefrierfach aber niemals direkt auf die Haut. Eine schützende Stoffschicht, zum Beispiel ein Handtuch oder Kissenbezug, schützen die Haut vor Erfrierungen. Länger als 10 bis 15 Minuten sollten Sie die Kälte nicht einwirken lassen. Wiederholen Sie die Maßnahme lieber einige Stunden später noch einmal.

Auch spezielle Gels oder Salben können die Beschwerden des Läuferknies schnell bessern. Die Wirkstoffe unterdrücken die Bildung von Entzündungs- und Schmerzbotenstoffen, einige verbessern zudem den Stoffwechsel und stärken damit die Selbstheilungskraft des Bindegewebes. In akuten Fällen können Sie diese Wirkung durch die kurzfristige Einnahme entzündungshemmender Tabletten unterstützen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welches Medikament für Sie am besten geeignet ist und was Sie bei der Einnahme beachten müssen!

Kortisoninjektionen können im Einzelfall angewendet werden, lassen sich aber nicht beliebig oft wiederholen. Denn sie bremsen den Stoffwechsel des Bindegewebes weiter und können bei zu häufiger Anwendung sogar neue Verletzungen begünstigen. Weitere Behandlungsmöglichkeiten, die helfen können, sind Ultraschall, Stromanwendungen mit oder ohne Salbenzusatz und aufdehnende (bisweilen schmerzhafte) Massagen.

Vorsichtig wieder einsteigen!

Sind die Beschwerden nach einigen Tagen abgeklungen, können Sie Ihr Trainingsprogramm allmählich wieder aufnehmen. Steigern Sie die Belastung aber in kleinen Schritten - etwa, indem Sie anfangs nur fünf Minuten joggen und dann eine Gehpause von 200 Metern einlegen, bevor Sie wieder Fahrt aufnehmen. Das hat den Vorteil, dass Ihre Muskeln nicht zu sehr ermüden und Sie das Risiko von Fehlbelastungen reduzieren.

Vorbeugen - Beweglichkeit und Kraft verbessern

Um erneuten Problemen vorzubeugen oder – wenn Sie zu den Läuferknie-Gefährdeten zählen – es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, können Sie einiges tun: Lassen Sie sich von Ihrem Physiotherapeuten spezielle Übungen zeigen, mit denen Sie den Tractus iliotibialis dehnen und beweglich halten können. Dadurch sinkt die Spannung auf dem Bindegewebsstrang – und damit der Druck auf den Schleimbeutel am Knie. Außerdem können Sie den Tractus entlasten, indem Sie die Muskulatur des seitlichen Beckens und Oberschenkels (Abduktoren) sowie Bauch und Rücken stärken. Je stabiler Sie das Becken beim Laufen halten, desto weniger Haltearbeit muss der Tractus übernehmen. Eine gute und athletische Lauftechnik ist immer noch der beste Schutz vor dem Läuferknie - dem Schreckgespenst aller Jogger.

Stand: 18.11.2015
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