Kreuzbandriss: Frühe OP beugt Arthrose vor

Schmerzendes Knie

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Es muss gar nicht der harte Zweikampf beim Fußballspielen sein oder ein Sturz beim Snowboarden – oft reicht eine unglückliche Bewegung im Alltag aus und eines der beiden Kreuzbänder im Kniegelenk ist gerissen. Dann stellt sich die Frage: Operation oder konservative Behandlung?

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Die beiden Kreuzbänder spielen im Kniegelenk eine tragende Rolle: Sie sorgen dafür, dass die Gelenkflächen von Ober- und Unterschenkel jederzeit anatomisch optimal aufeinander liegen. So stabilisieren sie das Gelenk, noch bevor die Muskeln bei einer Bewegung unterstützend einspringen können.

Muskeltraining versus OP-Tisch

Da liegt es nahe, dass das Gelenk schneller verschleißen kann, wenn eines der beiden Kreuzbänder plötzlich fehlt. Meistens ist es übrigens das vordere Kreuzband, dass bei einem Unfall reißt. Trotzdem empfehlen Ärzte nicht immer eine Operation. Und manchmal lehnt auch der Patient selbst diese ab. Denn es ist durchaus möglich, durch konsequentes Training der Oberschenkelmuskulatur das Kniegelenk so weit zu stabilisieren, dass es auch ohne operativen Eingriff Alltagsbelastungen wieder standhält.

Ein amerikanisches Forscherteam um Thomas Sanders von der Mayo Clinic in Rochester hat die beiden Therapieformen, also konservative Behandlung versus Kreuzband-OP, miteinander verglichen. Insbesondere interessierte die Wissenschaftler dabei, inwieweit ein operativer Eingriff Langzeitfolgen der Verletzung, etwa eine vorzeitige Arthrose, abmildern oder sogar ganz verhindern kann.

Dazu untersuchten sie die Krankenakten von 964 Kreuzband-Patienten. Im Mittel waren diese zum Zeitpunkt des Unfalls 28 Jahre alt. 509 ließen sich bald nach ihrem Unfall operieren, 91 nach einem Jahr oder später, die übrigen 364 setzten ganz auf Muskelaufbau ohne OP. Zusätzlich rekrutierten die Forscher die gleiche Anzahl gesunder Vergleichspersonen.

Besonders frühe OP lohnt sich

Das Ergebnis: Wer sich auf den OP-Tisch legte profitierte. Diese Patienten kämpften später deutlich seltener mit Knieproblemen. Während in der konservativ behandelten Gruppe fast jeder Dritte Arthrose bekam, litten bei den Operierten später nur 8,5 Prozent unter dem Gelenkverschleiß. Und auch die Menisken hielten nach der OP besser durch.

Allerdings sollte man sich möglichst frühzeitig entscheiden, sich unters Messer zu legen. Wer mehr als ein Jahr abwartete, profitierte bei weitem nicht mehr so stark von dem knieschonenden Effekt. Die Patienten bekamen dann ebenso häufig Arthrose wie die nicht-operierten. Meniskusschäden traten zwar seltener auf als in der konservativ behandelten Gruppe, das Risiko war bei einer späten OP gegenüber der frühen aber immer noch vierfach erhöht.

Wundermittel OP?

Trotzdem kann ein operativer Eingriff den Kreuzbandriss nicht ungeschehen machen – alle Langzeitfolgen lassen sich damit nicht verhindern. Das zeigte der Vergleich mit der kniegesunden Kontrollgruppe. Auch bei den früh Operierten vervierfachte sich das Arthrose-Risiko gegenüber Gleichaltrigen ohne Knieunfall. Dies galt besonders dann, wenn die Patienten zum Unfallzeitpunkt über 21 Jahre alt waren.

Stand: 09.06.2016
Autor:
Quelle: Sanders T. L. et al.: Is Anterior Cruciate Ligament Reconstruction Effective in Preventing Secondary Meniscal Tears and Osteoarthritis? Am J Sports Med. 2016 Mar 8.