Meniskus–Operation: Folge ist oft Arthrose

Schwachpunkt Meniskus – Operation besser vermeiden

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Der Meniskus gibt dem Kniegelenk Stabilität und ist zugleich ein wichtiger Stoßdämpfer. Doch extreme mechanische Belastungen oder auch einfach der Zahn der Zeit nagen an seiner Substanz - Meniskusrisse sind oft die Folge. "Raus mit dem kaputten Ding" - hieß es früher schnell. Heute weiß man dagegen: Eine OP ist nicht selten der erste Schritt zur Arthrose.

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Zwei Scheiben aus festem Faserknorpel sitzen in jedem Knie. Sie sorgen dafür, dass sich der Druck gleichmäßig auf die Knorpelflächen von Ober- und Unterschenkelknochen verteilt. Ein Meniskus ist elastisch genug, auch härtere Stöße abzufedern und fest genug, das Gelenk gemeinsam mit Muskeln und Bändern zu führen.

Träger Stoffwechsel

Doch die millionenfache Belastung im Laufe des Knielebens hinterlässt Spuren – bei fast jedem Menschen im mittleren Lebensalter finden sich kleine Risse im Meniskus. Das Problem: Nur dort, wo er an der Innen- und Außenseite des Kniegelenks mit der Gelenkkapsel verwachsen ist, wird der Meniskus über den Blutkreislauf mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Weiter innen im Gelenk steht ihm zur Ernährung nur das zur Verfügung, was durch die Gelenkflüssigkeit herangespült wird. Körpereigene Reparaturvorgänge dauern deshalb – sofern sie überhaupt stattfinden – am Meniskus besonders lange.

Beugen und Drehen sind Gift

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Verbindung zwischen Meniskus und Schienbeinkopf. Wirken starke Scherkräfte auf den Meniskus ein, kann dieser teilweise oder komplett von seiner Basis abreißen.

Der häufigste Mechanismus, der zu einem Meniskusschaden führt, ist eine Kombination aus Beugung und Verdrehung. Besonders riskant sind schwere Hebearbeiten oder manche Sportarten mit Sprungbelastungen und schnellen Richtungswechseln. Fußball, Handball oder Volleyball sowie Ski- und Snowboardfahren gelten als besonders riskant. Gerade im fortgeschrittenen Lebensalter können aber auch Bagatellbelastungen schon zu einem Meniskusschaden führen. Manchmal reicht dann schon eine tiefe Hocke aus, um die Knorpelscheibe reißen zu lassen.

Schmerzen, Schnappen, Blockaden

Besonders anfällig für Verletzungen ist der Innenmeniskus. Er kann ausfransen, einreißen oder sich von seiner Basis, dem Schienbeindach, teilweise oder komplett lösen. Mögliche Beschwerden reichen von Bewegungsschmerzen über schnappende Geräusche bis zu Gelenkblockaden, wenn sich Teile des Meniskus im Gelenkspalt verklemmen.

Vor allem bei einer frischen Meniskusverletzung können eine Blutung oder eine Ansammlung von Gelenkflüssigkeit (Gelenkerguss) das Knie anschwellen lassen. Wenn der Meniskus seine wichtige gelenkführende Funktion nicht mehr wahrnehmen kann, besteht außerdem die Gefahr, dass der Knorpel im Knie schneller verschleißt.

Sofort entlasten!

Die wichtigste Sofortmaßnahme nach einer Verletzung besteht darin, das Gelenk zu entlasten, zu kühlen und so oft wie möglich hochzulagern. So lässt sich die Blutung oder Schwellung am besten eindämmen.

Ob es sich tatsächlich um eine Meniskusverletzung handelt, können Ärzte manchmal schon durch eine Untersuchung der Kniegelenksfunktion feststellen. Eine Kernspintomografie kann dann helfen, die Diagnose zu sichern und das genaue Ausmaß der Verletzung zeigen. Danach richtet sich die Behandlung, denn nicht jede Meniskusverletzung muss operiert werden. Bei kleinen Rissen reicht es oft aus, das Kniegelenk für einige Wochen in gebeugter Position zu entlasten. Denn in dieser Zeit darf kein Druck auf den verletzten Meniskus entstehen. Betroffene müssen in dieser Zeit an Krücken laufen.

Eine OP macht den Schaden oft noch größer

Ist der Meniskus stark zerstört oder komplett abgerissen und das Gelenk dadurch in seiner Funktion erheblich beeinträchtigt, ist eine Operation oft unumgänglich. Bei kleineren, verschleißbedingten Einrissen, bei denen ein Teil des Knorpels per Arthroskop abgetragen (Teilresektion) oder wieder fixiert wird, ist eine OP für den Patienten dagegen oft die schlechtere Option. Studien haben gezeigt, dass sich durch eine Meniskus-Operation das Risiko für einen krankhaften Gelenkverschleiß (Arthrose) sogar verdoppeln kann: Die Auswertung von Kernspintomografie-Bildern in einer amerikanischen Studie offenbarten, dass die nicht-operierten Patienten mit Meniskusriss in 59 Prozent der Fälle binnen des folgenden Jahres eine Arthrose entwickelten, bei den operierten Patienten waren dagegen 100 Prozent von dem krankhaften Knorpelschwund betroffen.

Dabei ist eine Meniskus-OP heute in der Regel kein großer Eingriff mehr: Mit einem sogenannten Arthroskop kann der Arzt in das Gelenk sehen und operieren. Die Geräte haben neben einer beleuchteten Optik einen oder mehrere Arbeitskanäle, über die kleine Werkzeuge wie Messer oder Zangen ins Kniegelenk eingeführt werden können. So ist es möglich, über zwei bis drei kleine Hautschnitte Risse im Meniskus zu nähen und ihn wieder auf seiner „Unterlage“ zu befestigen.

Solche Reparaturen sind vor allem im besser durchbluteten Teil des Meniskus an der Innenseite des Kniegelenks Erfolg versprechend. Bei Verletzungen in schlechter durchbluteten Zonen ist auch nach einer Naht die Chance gering, dass der Meniskus wieder zusammenwächst. Daher wird bei diesen Verletzungen der beschädigte Teil meistens doch entfernt.

Kniegelenk lieber stärken

Die bessere Lösung ist wegen des hohen Arthrose-Risikos in den meisten Fällen eine sogenannte Physiotherapie. Dabei wird die Muskulatur um das Kniegelenk mit speziellen Übungen gekräftigt und kann dem Gelenk so viel Stabilität geben, dass der defekte Meniskus entlastet wird. Der Schaden im Knie wird so im Idealfall wenigstens nicht noch größer. Gleichzeitig sollten Meniskus-Patienten unter fachkundiger Anleitung die Beweglichkeit des Gelenks in kleinen Etappen wieder verbessern, denn schon lange weiß man: Auch Schonhaltungen und ein hinkendes Gangbild strapazieren den Knorpel im Knie und sind damit Risikofaktoren für die Entstehung einer Arthrose.

Stand: 20.07.2015
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Quelle:

  • Roemer FW et al. Meniscal Surgery Markedly Increases Risk for Incident Osteoarthritis and Cartilage Loss in the Following Year (2014)