Tai-Chi lindert Kniearthrose

Tai-Chi lindert Kniearthrose

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Chinesisches Schattenboxen – so wird Tai-Chi Chuan auch genannt. Mit den fließenden Bewegungsabläufen werden aber nicht nur imaginäre Gegner in Schach gehalten, sondern auch Gelenkschmerzen. Gerade bei Kniearthrose hat Tai-Chi sogar einige Vorteile gegenüber einer normaler Physiotherapie.

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Gelenkschmerzen sind für Betroffenen eine Qual. Viele greifen zu Medikamenten, um die Pein zu lindern und normale Bewegungsabläufe zu ermöglichen. Die amerikanische Forscherin Chenchen Wang setzt dagegen auf die fernöstliche Bewegungsform Tai-Chi. Ursprünglich wurde diese für den Nahkampf entwickelt, doch längst hat sich seine Bedeutung gewandelt. Viele empfinden die langsamen und fließenden Bewegungen als meditativ.

Wang ließ drei Monate lang 204 Probanden im Dienste der Wissenschaft „turnen“. Die eine Hälfte machte zwölf Wochen lang je zwei Mal die Woche Tai-Chi. Der Rest erhielt in der gleichen Intensität Physiotherapie. Die Untersuchung war einfach verblindet, das bedeutet, die Ärzte, die die Auswertung der Daten vornahm, wussten nicht, zu welcher Gruppe die Teilnehmer gehörten.

Schmerz und Unbeweglichkeit

Messbar machten die Wissenschaftler mögliche Veränderungen mithilfe von verschiedenen Methoden. Dazu zählte zum Beispiel ein Fragebogen, der sich mit drei Aspekten (Schmerz, Steifheit, physische Funktion) befasste. Darüber hinaus befragten die Forscher die Probanden auch zu ihrer Lebensqualität und  zur momentanen Krankheitsaktivität. Auch ein Gehtest zu Beginn und zum Ende der Studie gehörte mit zum Programm. Da Arthrose und Depressionen oft Hand in Hand auftreten, ermittelten die Forscher zusätzlich, wie es diesbezüglich um die Teilnehmer bestellt war.

Tai-Chi als Gemütsaufheller

Die gute Nachricht: Sowohl Tai-Chi als auch Physiotherapie minderten die Schmerzen in den Knien der Probanden. Auch die Gelenkfunktion und die Gehtests zeigten, das beide Methoden gleich erfolgreich waren. In zwei Bereichen konnte das Schattenboxen allerdings noch Zusatzpunkte einfahren: Zum einen berichtete die Tai-Chi-Gruppe über einen größeren Gewinn an Lebensqualität, zum anderen litten sie weniger unter Depressionen als die Vergleichsgruppe.

Studienleiterin Chenchen Wang ist eine überzeugte Anhängerin von Tai-Chi. Seine positive Wirkung, gerade für Schmerzpatienten, belegen auch andere Studien von ihr, zum Beispiel für das Krankheitsbild Fibromyalgie.

Erhöhte Beweglichkeit

Das Tai-Chi langfristig die Gesundheit älterer Menschen fördert, zeigt auch eine kanadische Meta-Studie, die 21 Untersuchungen zu dem Thema umfasst. Demnach fördert Tai-Chi bei dieser Personengruppe den Muskelerhalt und vergrößert die physische Kapazität. Das bedeutet, Probanden, die regelmäßig die Bewegungsmuster durchführten, schnitten bei Lauftests besser ab, konnten sich besser dehnen und strecken und berichteten nicht zuletzt über eine höhere Lebensqualität. Die Autoren der Studie schreiben: „Insbesondere für Menschen, die unter mehreren Krankheiten leiden, könnte Tai Chi eine gute Alternative für schonende Bewegungen sein.“

Stand: 23.09.2015
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Quellen:

  • Wang Chenchen: Comparative Effectiveness of Tai Chi Versus Physical Therapy in Treating Knee Osteoarthritis: A Randomized, Single-Blinded Trial; EULAR 2015 Congress Rome
  • Yi-Wen Chen et al. The effect of Tai Chi on four chronic conditions—cancer, osteoarthritis, heart failure and chronic obstructive pulmonary disease: a systematic review and meta-analyses; Br J Sports Med doi:10.1136/bjsports-2014-094388
  • Wang C et al. Assessing the comparative effectiveness of Tai Chi versus physical therapy for knee osteoarthritis: design and rationale for a randomized trial. BMC Complement Altern Med. 2014; 14:333. PMID: 25199526; PMCID: PMC4171546.