Pflanzliche Heilkraft für Ihre Verdauung

Heidelbeeren lindern Durchfall

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Blähungen, Verstopfungen oder Magengrimmen – wenn die Verdauung streikt, möchte man schnell Abhilfe. Es müssen allerdings nicht immer Medikamente sein: Gerade Magen und Darm können oft auch mit pflanzlichen Helferlein besänftigt werden. Erfahren Sie hier, welches Mittel Sie bei welcher Beschwerde einsetzen können und wie die Heilpflanzen wirken.

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Heidelbeeren lindern Durchfall

Ein kleiner Tausendsassa ist die Heidelbeere. Die schmackhaften Beeren sind nicht nur lecker, sondern auch gesund. Frisch enthalten sie zum Beispiel viele wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Getrocknet werden die Beeren vor allem gegen Durchfall eingesetzt – und das schon seit dem Mittelalter. Die Empfehlung lautet: 20 bis 60 Gramm pro Tag. Die Früchte sollten getrocknet sein, weil das Wasser und die Fruchtsäuren in frischen Heidelbeeren den Durchfall verstärken könnten. Inzwischen weiß man, dass sie dafür so gut geeignet sind, weil sie reichlich Gerbstoffe enthalten. Diese helfen eine schützende Schicht auf den Schleimhäuten auszubilden und Krankheitskeime zu reduzieren. Die Wirksamkeit gegen akuten Durchfall ist auch medizinisch anerkannt.

Zur Behandlung von entzündeten Schleimhäuten in Mund- und Rachenregion können Sie fünf bis zehn Gramm zerquetschte Früchte mit kaltem Wasser übergießen, zum Köcheln bringen und anschließend abseihen. Dieser Sud eignet sich als Gurgellösung. Auch von Kindern werden Heidelbeeren in der Regel gut vertragen.

Kümmel hilft bei Blähungen

Kümmel bereichert schon seit Jahrtausenden so manches Gericht. Aber nicht nur die Geschmacksknospen profitieren, auch der Magen-Darm-Trakt spürt etwas von der beruhigenden Wirkung des Kümmels. Die kleinen Körner enthalten unter anderem reichlich ätherische Öle, die krampflösend wirken. Bekannt ist Kümmel vor allem auch wegen seiner lindernden Wirkung auf übermäßige Gasproduktion – also gegen Blähbauch und Winde. Es gibt außerdem Hinweise, dass Kümmel die Magensaftsekretion fördert, die Durchblutung steigert und appetitanregend wirkt.

Kümmel ist leicht verträglich und deswegen zur Behandlung von Kindern und Säuglingen gut geeignet. Wer möchte, kann einfach die Körner kauen oder als Teeaufguss trinken. Des Weiteren gibt es auch konzentriertes Kümmel-Öl für die innere Anwendung. Dafür werden zwei bis drei Tropfen in ein Glas Wasser geträufelt und dies jeweils zu den Mahlzeiten getrunken.

Pfefferminze gegen Übelkeit

Minze ist aufgrund ihres frischen Geschmacks beliebt als Tee oder Kaugummi. Speziell die Pfefferminze kann aber noch mehr: Das darin enthaltene Menthol wirkt zusammen mit anderen Bestandteilen krampflösend und vor allem blähungslindernd. Zusätzlich betäubt das Menthol ganz leicht, deswegen wird es auch gegen Übelkeit oder Brechreiz eingesetzt. Früher war es zum Beispiel üblich, gegen Schwangerschaftsübelkeit Pfefferminzplätzchen zu lutschen. Auch bei chronischen Magenbeschwerden findet Pfefferminze Verwendung.

Wer Pfefferminze medizinisch anwenden möchte, kann natürlich einen Pfefferminztee trinken. Besser aber noch sind entsprechende Präparate aus der Apotheke, denn hier ist der Wirkstoffgehalt festgelegt und die Qualität immer gleich. Gegen Blähungen helfen Kapseln am besten, weil sie die Pfefferminz-Wirkstoffe direkt in den Darm transportieren. Aber Vorsicht, wer Probleme mit der Galle hat, sollte auf Minze lieber verzichten.

Artischocke: Gut für Galle und Leber

Artischocken besitzen reichlich Wirkstoffe wie etwa Kaffeesäure, Bitterstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Dank dieser Bestandteile fördern Artischocken unter anderem den Leber- und Gallenfluss. Dadurch verbessern sie indirekt den Cholesterinspiegel und auch die Fettverdauung. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen unter einer Fettleber leiden, eine wertvolle Eigenschaft. Zusätzlich regen die Artischocken die Darmmuskulatur an und wirken so verdauungsfördernd.

Wegen ihres besonderen Einflusses ist das Gewächs zum Beispiel zur Behandlung von Reizmagen oder Beschwerden wie Sodbrennen, Völlegefühl oder Schmerzen im Oberbauch arzneilich anerkannt - vor allem, wenn diese durch Störungen bei Leber oder Galle verursacht werden.

Auch wenn die Blüten und die Hüllblätter in der Küche zum Einsatz kommen, und dort wegen der hohen Ballaststoffmenge auch gesundheitlich eine große Bereicherung sind - medizinisch wirksam ist vor allem der Extrakt der Blätter. Dieser wird in verschiedenen Darreichungsformen angeboten, etwa als Kapseln, Tee oder Frischpresssaft. Da die Artischocke zu den Korbblütlern gehört, sollten Menschen, die gegen solche Pflanzen allergisch sind, lieber darauf verzichten.

Leinsamen gegen Verstopfungen

Schon seit über 10.000 Jahren macht sich der Mensch Lein, auch Flachs genannt, nutzbar. Zuerst für die Herstellung von Stoffen, dann als Grundlage für Farbe und inzwischen auch als pflanzliches Heilmittel. Dafür finden vor allem die Leinsamen Verwendung. Darin sind große Mengen an Schleimstoffen enthalten. Diese quellen im Darm durch das Binden von Wasser auf und erhöhen so das Stuhlvolumen. Dadurch wiederrum wird die Darmwand zu vermehrter Bewegung angehalten, sprich, die Darmtätigkeit wird angeregt.

Zusätzlich enthalten Leinsamen große Mengen Öl. Wer die Körner vor dem Essen schrotet, profitiert zum einen von der reizlindernden Wirkung des Öls auf die Darmschleimhäute. Zum anderen macht das Fett den Stuhl geschmeidiger.

Wer Leinsamen zur Überwindung von Verstopfungen einsetzen möchte, sollte ein bis zwei Teelöffel davon zusammen mit reichlich Wasser zu sich nehmen. Das Wasser ist deswegen so wichtig, damit die Samen ordentlich im Darm quellen können. Zur Behandlung von zum Beispiel einer Magenschleimhautentzündung werden zwei bis drei Esslöffel geschrotete Leinsamen über Nacht in 250 bis 500 Milliliter Wasser eingeweicht. Am nächsten Tag kocht man diese Mischung kurz auf und trennt anschließend den „Schleim“ von den Samenresten, indem man sie über einem Tuch abseiht. Die so eingefangene zähe Flüssigkeit trinken Sie schluckweise über den Tag verteilt. Dabei wird eine körperwarme Temperatur empfohlen – am besten heben Sie ihn deswegen in einer Thermoskanne auf.

Im Zweifel ab zum Arzt

Auch wenn sich leichte Magen-Darm-Verstimmungen mit pflanzlichen Heilmitteln gut selbst behandeln lassen. Sollten Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit oder Verstopfung länger anhalten, lassen Sie dies von Ihrem Arzt medizinisch abklären.

Stand: 29.06.2016
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Quellen:             

  • Schilcher, H. et al.: Leitfaden Phytotherapie. Elsevier Verlag GmbH, Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage, 2010
  • Van Wyk, B.-E. et al.: Handbuch der Arzneipflanzen: Ein illustrierter Leitfaden, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 2. Auflage, 2004
  • Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen – Gesund durch die Heilkräfte der Natur, Gräfe und Unzer, Neuauflage 1993
  • Schöpke, T., Institut für Pharmazie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald: Botanik für Pharmazeuten: www.pharmakobotanik.de (Abruf: 19.05.2015)
  • Kooperation Phytopharmaka GbR: www.koop-phyto.org (Abruf: 19.05.2015)