Alzheimer

Menschen mit Alzheimer verlieren nach und nach ihr Gedächtnis

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Mehr als eine Million Menschen in Deutschland ereilt das große Vergessen. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz - ein Wort, das aus dem Lateinischen kommt und ‚ohne Geist‘ bedeutet. Gedächtnisverlust, Verwirrtheit, Desorientierung, Wesensveränderungen, die Beeinträchtigung des Urteilsvermögens bis zum Sprachverlust sind kennzeichnend für Alzheimer.

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Meist tritt die Erkrankung erst in fortgeschrittenem Lebensalter auf. Bei Alzheimerpatienten sterben nach und nach Nervenzellen im Gehirn ab. Der Informationsaustausch zwischen intakten Gehirnzellen funktioniert nicht mehr reibungslos.
In Deutschland wird die Zahl der Menschen mit Alzheimer-Krankheit derzeit auf 1,2 Millionen geschätzt. Bis zum Jahr 2030 soll sich diese Zahl bereits verdoppeln.

Woran erkenne ich Alzheimer?

Die Symptome von Alzheimer können von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt sein. Treten einige der folgenden Anzeichen auf, sollten sich Betroffene vom Arzt untersuchen lassen:

  • Verminderung der Gedächtnisleistung – keine Erinnerung an gerade Erlebtes wie z.B. Essen
  • Schwierigkeiten beim Ausführen von gewohnten Handlungen (z.B. Kochen, Einkaufen, Anziehen)
  • Probleme bei der Wortfindung (Sprachstörung)
  • Räumliche und zeitliche Orientierungslosigkeit
  • Verminderte Denkfähigkeit
  • Antriebsschwäche und Niedergeschlagenheit (Depression)
  • Plötzlich wechselnde Stimmungslagen
  • Eingeschränktes Urteilsvermögen, z.B. bei der Bekleidungsauswahl
  • Halluzinationen oder Wahnvorstellungen
  • Ausgeprägte Veränderung der Persönlichkeit

Körperlich erscheinen Alzheimerpatienten zunächst unverändert. Sie bleiben kräftig, beweglich, gangsicher und haben keine Schwierigkeiten bei der Koordination ihrer Bewegungen. Treten aber zusätzlich zeitnah körperliche Beschränkungen auf, könnte es ein Hinweis auf eine andere Demenz-Erkrankung sein.

Wodurch wird Alzheimer ausgelöst?

Nach heutigem Erkenntnisstand gibt es mehrere Ursachen für die schleichende Gehirnerkrankung.

Absterben von Gehirnzellen: Im Gehirn entstehen aus einem Eiweiß (Amyloid-Vorläufer-Protein) Bruchstücke (Amyloide). Ein gesundes Gehirn kann diese Bruchstücke auflösen. Bei Alzheimerpatienten lagern sich die Amyloide zu unauflöslichen, harten Plaques zusammen. Darüber hinaus kommt es zu Veränderungen im Inneren von Hirnzellen (Tau-Fibrillen), die am Nährstoffaustausch zwischen den Nervenzellen beteiligt sind. Die Gehirnzellen sterben langsam ab. Zunächst sind Hirnregionen betroffen, die für das Gedächtnis, die Sprache und Denkfähigkeit zuständig sind.

Genetische Veränderungen: Tritt Alzheimer gehäuft innerhalb einer Familie auf, können erbliche Faktoren dafür verantwortlich sein. Beim Amyloid-Vorläufer-Protein (APP) kann die Erbinformation geschädigt sein. Es können vermehrt Amyloide entstehen, die zur Plaquebildung im Gehirn führen. Eine weitere genetische Ursache kann die erhöhte Aktivität von Molekülen sein, die vermehrt APP zerteilen.

Für die Herstellung des Cholesterin-Transportmoleküls Apolipoprotein E(ApoE) im Blut wurden drei Genvarianten entdeckt. Tritt die Variante ApoE 4 auf, erhöht sich das Alzheimerrisiko um das Zwei- bis Dreifache.

Was kann ich gegen Alzheimer tun?

Die frühzeitige Behandlung von Alzheimer eröffnet Patienten die Chance, den schleichenden Verlauf der Krankheit zu verzögern. Eine Heilung der Erkrankung ist aber derzeit noch nicht möglich. Die Alzheimertherapie ist ein Kampf gegen das Vergessen und schließt Medikamente und begleitende Maßnahmen ein.

Medikamente: Im frühen Stadium der Alzheimer-Erkrankung können Acetylcholinesterase-Hemmer helfen. Sie verhindern den Abbau des Botenstoffes Acetylcholin und verbessern den Signalaustausch zwischen den überlebenden Nervenzellen.
Im fortgeschrittenen Erkrankungsstadium können NMDA-Gegenspieler (Memantine) eingesetzt werden. Dieses Arzneimittel verhindert, dass es zu einer Reizüberflutung der Nervenzellen durch den Botenstoff Glutamat kommt.
Im Einzelfall können diese Arzneimittel auch kombiniert werden.

Begleitende Maßnahmen: In Gesprächen oder gemeinsamem Erleben (begleitetes Handeln) sollen beim Patienten Wissen oder Fähigkeiten mobilisiert werden. Hierzu gehören Bewegungs- oder physiotherapeutische Anleitungen, Beschäftigungstherapie (Spiele, Malen, Handwerk, Backen), Spaziergänge an der frischen Luft oder spezielle Behandlungen in Gedächtniskliniken. Wichtig ist, Alzheimerpatienten zu fördern und nicht überfordern.
Angehörigen werden spezielle Schulungen über zur Therapiebegleitung bei Alzheimer oder der Austausch mit anderen Betreuenden in Selbsthilfegruppen empfohlen.

Stand: 10.05.2017