Durchfall - Verdauung außer Kontrolle

Fast jeder dritte Erwachsene leidet einmal im Jahr darunter: Durchfall. Woher kommt er und was kann man dagegen tun?

© Melanie Braun_Fotolia

Es fängt oft mit einem leichten Grummeln im Magen, dann meldet der Rest des Körpers: Alarm, schnell ein Klo aufsuchen. Durchfall (Diarrhoe) selbst ist allerdings keine Krankheit, sondern ein Symptom für andere Krankheiten - etwa eine Laktoseintoleranz. Diarrhö ist durchaus ein alltägliches Phänomen - bis zu 30 Prozent der Erwachsenen leiden einmal im Jahr darunter. Meist ist er harmlos.

Mehr zum Thema

Woran erkenne ich Durchfall?

Von Durchfall spricht man erst, wenn die Stuhlentleerung öfter als dreimal am Tag stattfindet und die Konsistenz eher ungeformt und flüssig ist. Zusätzlich ist oft die Kotmenge erhöht, sie beträgt mehr als 250 g am Tag. Ein akuter Durchfall sollte nach wenigen Tagen bis maximal zwei Wochen abgeklungen sein. Darüber hinaus sprechen Ärzte von einem chronischen Durchfall.

Durchfälle sind häufig begleitet von krampfartigen Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Die Stuhlbeschaffenheit (Stuhlkonsistenz) kann wässrig, breiig, blutig oder fettig sein. Fettstühle sind eher grau und riechen übel. Und ein Indikator, dass ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Das gilt auch, wenn er fiebert, Blut im Stuhl auftritt oder der Durchfall länger als drei Tage dauert. Problem beim Durchfall ist, dass er sehr schnell zur Austrocknung (Dehydratation) führen kann. Vor allem, wenn nicht ausreichend getrunken wird. Symptome einer Austrocknung sind, wenn der Urin spärlich und dunkel erscheint und der Patient müde ist und über trockene Schleimhäute klagt.

Wodurch wird Durchfall ausgelöst?

Ein akuter Durchfall kann durch vieles verursacht werden. Schnell etwas loswerden will der Körper zum Beispiel bei einer Lebensmittelvergiftung. Bei der sogenannten "Darmgrippe" wiederrum verursachen Viren oder Bakterien den Durchfall. Ein Sonderfall ist da zum Beispiel der "Reisedurchfall", der jeden zweiten bis fünften Reisenden trifft. In einigen Fällen werden Arzneimittel (Antibiotika) nicht gut vertragen oder bestimmte Lebensmittel - zum Beispiel Milchprodukte mit Milchzucker bei der Laktoseintoleranz.

Ein chronischer Durchfall geht meist auf eine Darmerkrankung zurück. Hierzu gehören das Reizdarm-Syndrom, chronische Darmentzündung wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, Darminfektionen durch Pilze, Einzeller oder Bakterien.

Auch der ständige Gebrauch von Abführmitteln kann die Darmschleimhaut schädigen und zu chronischem Durchfall führen.

Eher seltene Ursachen für Durchfall sind Stoffwechselerkrankungen (Schilddrüsenüberfunktion, Bauchspeicheldrüsenentzündung), eine Darmoperation oder Krebserkrankungen.

Was kann ich gegen Durchfall tun?

Viel trinken und darauf achten, genügend Salze (Elektrolyte) aufzunehmen – das steht sowohl bei akuten als auch chronischem Durchfall im Vordergrund.
Das gilt besonders für Kinder, Schwangere und ältere Menschen. Die Flüssigkeitsaufnahme sollte mindestens drei bis vier Liter pro Tag betragen. Cola und Säfte eignen sich nicht zur Behandlung, sie enthalten zu viel Zucker und kaum Mineralstoffe, auf deren Haushalt man jetzt aber achten sollte.

Einfache Hilfe können folgende Tipps leisten:

  • Selbstgemischte Elektrolytlösung: Ein halber Teelöffel Salz mit fünf Teelöffeln Zucker in einem halben Liter abgekochten Wasser lösen. (Nicht für Kinder unter fünf Jahren geeignet.)
  • Klare, salzige Suppen sind gut für die Mineralstoffzufuhr.
  • Geriebene Äpfel oder Karotten können gegen leichten Durchfall helfen.
  • Bananen oder Aprikosen versorgen mit Kalium.
  • Nach Akut-Durchfall ein paar Tage auf Milch-Produkte verzichten.

Sind Essen und Trinken nicht möglich, können spezielle Elektrolytpulver aus der Apotheke oder Infusionen erforderlich werden.

1. Akuter Durchfall

Je nach Situation und Beschwerden können auch Medikamente angewendet werden. Das ist aber nur bedingt sinnvoll. Auf Reisen zum Beispiel werden häufig Arzneimittel angewendet, die die Darmbewegung und somit den Drang zur Darmentleerung stoppen. Der auslösende Krankheitserreger lebt in diesem Fall aber im Darm weiter und kann die Schleimhaut schädigen. Bei extremen Bauchkrämpfen gibt es krampflösende Medikamente.

Bei schwerem Durchfall mit Fieber oder Blut im Stuhl ist eine genaue Diagnosestellung durch einen Arzt erforderlich. Wird nach einer Stuhl-Analyse ein bakterieller Infekt bestätigt, verordnet der Mediziner geeignete Antibiotika.

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Milch, Hühnereiweiß, Gluten, Lactose, Fructose, Sorbit) sollen die entsprechenden Nahrungsmittel nicht oder nur in geringen Mengen verzehrt werde.

2. Chronischem Durchfall

Bei chronischem Durchfall muss die Ursache durch einen Arzt festgestellt und ein entsprechender Therapieplan erstellt werden.
Zur Regeneration der natürlichen Darmschleimhaut nach einer Darminfektion durch Viren oder Bakterien sowie Antibiotika-Einnahmen, können Probiotika (Darm-Bakterienstämme) angewendet werden. Viele Milchsäurebakterien sind auch in Joghurt oder frischem Sauerkraut enthalten, sie gelten ebenfalls als darmsarnierend.

Stand: 29.12.2016
Autor: Jutta Wiedemann

Quellen:

  • Herold G.: Innere Medizin. Selbstverlag. 2012
  • Layer P. et al.: Praktische Gastroenterologie. Urban & Fischer Verlag. 3. Auflage 2008
  • Robert Koch-Institut (www.rki.de)
  • Leitlinien der Ges. f. Pädiatrische und Gastroenterologie Ernährung (GPGE): Akute infektiöse Gastroenteritis (Stand: Dezember 2008)