Grauer Star - verschleierte Sicht

Als würde grauer Nebel über allem liegen - so sehen Menschen mit der Augenerkrankung Grauer Star die Welt

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Wenn dichter Nebel die Sicht behindert, wirkt das, als wäre alles von einem grauen Schleier überzogen. Bei manchen ist dieser Nebel aber keine Wettererscheinung. Die Ursache liegt im Auge - mit zunehmendem Alter kann sich die Linse eintrüben. Die gute Nachricht: Grauer Star ist sehr erfolgreich behandelbar. Elf schnelle Fakten zum Grauen Star in der Bildergalerie.

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Woran erkenne ich den Grauen Star?

Das menschliche Auge ist eigentlich darauf ausgelegt, die Welt bunt zu sehen. Bei der Augenerkrankung Grauer Star, die ab dem 60. Lebensjahr vermehrt auftritt, verblassen Farben und Kontraste zunehmend. Schmerzen werden durch die Erkrankung nicht verursacht. Weitere typische Beschwerden:

  • Das Umfeld wird wie "durch Nebel" wahrgenommen.
  • Es tritt zunehmende Kurzsichtigkeit auf, mit einer Herabsetzung der Sehschärfe.
  • Auf helle Lichtquellen wie an strahlenden Sonnentagen oder Blitzlicht reagiert das Auge empfindlich.
  • Viele Betroffene tragen eine Sonnenbrille, um die Blendung des Sonnenlichts zu reduzieren.
  • Der Patient verliert zunehmend die Fähigkeit räumlich zu sehen.

Ist die Erkrankung weit fortgeschritten, ist die Trübung der Linse auch von außen erkennbar. Sie wirkt dann weißlich oder bräunlich verfärbt. Wird nicht rechtzeitig behandelt, kann Grauer Star sogar zur Erblindung führen.

Wodurch wird der Graue Star ausgelöst?

Die Augenlinse ist ein elastischer Körper, der in das Auge eintretende Lichtstrahlen bündelt. So kann auf der Netzhaut ein Bild entstehen. Ist die Linse getrübt, funktioniert das System nicht mehr richtig. Ist die Linseneintrübung altersbedingt, sprechen Mediziner vom Grauen Altersstar.

Wie Falten im Gesicht ist Grauer Star eine Alterserscheinung. Zum Beginn des Lebens ist die Augenlinse mit durchsichtiger, leicht verformbarer Flüssigkeit gefüllt, die die Linse mit Nährstoffen versorgt. Mit zunehmendem Alter verändern sich die Zusammensetzung und Menge der Flüssigkeit. So beginnt die schleichende Linseneintrübung des Grauen Altersstars.

Nicht immer ist allerdings das Alter der Auslöser, auch Menschen mit Diabetes tragen ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung. Denn erhöhte Blutzuckerwerte können indirekt zur Linseneintrübung führen. Auch Augenverletzungen, ausgelöst durch Fremdkörper im Auge, ein harter Schlag aufs Auge oder Stichverletzungen können den Grauen Star verursachen.

Seltenere Auslöser sind angeborene Fehlentwicklungen am Auge, Medikamente oder Vergiftungen, Stoffwechselstörungen der Linse oder Entzündungen im Augeninneren.

Was kann ich gegen den Grauen Star tun?

Ist die Linse einmal getrübt, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen. Die gute Nachricht: Der Graue Star kann relativ einfach operiert werden. Tatsächlich gehört der Eingriff zu den häufigsten Operationen, die ambulant durchgeführt werden. Sie ist für all jene sinnvoll, die mit der reduzierten Sehschärfe im Alltag nicht gut zurechtkommen. Für die Operartion ermittelt der Augenarzt zuerst die Brechkraft der Linse, um für die einzusetzende Kunstlinse die richtige Stärke zu wissen. Bei der OP selbst wird die eingetrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt. Mit örtlicher Betäubung des Auges dauert die Operation etwa 30 Minuten. Danach verbleibt die künstliche Linse bis zum Rest des Lebens im Auge - sie muss also nicht mehr ersetzt oder ausgestauscht werden.

Die meisten Katarakt-Operationen verlaufen ohne Komplikationen, dennoch gibt es – wie bei jedem chirurgischen Eingriff – grundsätzliche Risiken. In wenigen Fällen kann es zum Beispiel zu einer Netzhautablösung kommen, oder aber Bakterien gelangen ins Innere des Auges, was eine Entzündung auslösen kann.

Augentropfen statt OP?

Noch ist es Zukunftsmusik, aber Jason Gestwicki von der University of California-San Francisco und seine Kollegen sind zuversichtlich, dass ein operativer Linsentausch bei Grauem Star bald der Vergangenheit angehört. Sie haben eine Substanz entwickelt, die per Augentropfen in die Augen gebracht wird. Dort diffundiert dann ein Wirkstoff namens Lanosterol in die Linse, die dort die Trübungen auflösen will. Im Tierversuch klappt dies schon ganz gut, inwiefern das auch beim Menschen angewandt werden kann, wollen die Forscher jetzt in eine Studie untersuchen.

 

Stand: 10.08.2016
Autor: Jutta Wiedemann

Vorlage: Dr. med. Christine Döring-Coen

Quellen:

  • Grehn F.: Augenheilkunde. Springer Verlag. 30. Auflage 2008
  • Berufsverband der Augenärtze (www.augeninfo.de ; Abruf: 03.11.2015)
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter Verlag. 263. Auflage 2012
  • Leah N. Makley et al. Pharmacological chaperone for a -crystallin partially restores transparency in cataract models. Science, 6 November 2015: 674-677 DOI: 10.1126/science.aac9145