Diabetes – wie gefährdet sind Sie?

So viel Einfluss haben Gene und Lebensstil auf Ihre Wahrscheinlichkeit Diabetes zu bekommen

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Diabetes bekommen nur dicke Leute? Mitnichten! Gerade weil Diabetes zu den großen Volkskrankheiten mit über sechs Millionen Betroffenen in Deutschland gehört, kursieren viele Halbwahrheiten und Irrtümer über die Zuckerkrankheit. Hier erfahren Sie die wichigsten Risikofaktoren für die Krankheit. Außerdem in der Klickstrecke: Zehn Mythen über Diabetes unter die Lupe genommen.

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Nicht alle Diabetiker sind dick

Wer sein Risiko für Typ-2-Diabetes besser abschätzen möchte, kann schon durch einen Blick auf die eigenen Hüften einen ersten Eindruck gewinnen. Denn besonders gefährdet sind Menschen mit Übergewicht. Ab einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 30 spricht man von Übergewicht. BMI-Werte jenseits von 30 gelten als Fettleibigkeit. Der BMI berechnet sich aus dem Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergröße. Wenn Sie 1,65 Meter groß sind und 62 Kilogramm wiegen, entspräche dies einem BMI von 23.

Das heißt aber nicht, dass Schlanke keinen Diabetes bekommen können. Denn das Fett kann sich auch an der falschen Stelle ablagern: den inneren Organen. Dort sind schon drei oder vier Kilogramm gefährlich. Das Fett beeinflusst die Blutfettwerte negativ und erhöht den Blutdruck und den Blutzuckerspiegel. Betroffene Personen liegen oft im oberen Normalgewicht oder sogar darunter. Das sogenannte viszerale Fett entsteht, wenn Sie ein großer Sportmuffel sind, und sich deutlich zu wenig bewegen. Denn das führt zu einem Rückgang der Muskelmasse, die dann durch Fett ersetzt wird.

Leben Sie gesund genug, um Diabetes vorzubeugen?

Aber nicht nur das Gewicht, sondern auch die Art Ihrer Ernährung spielt eine Rolle. Wenn Sie viele "schnelle" Kohlenhydrate essen, aus denen der Zucker rasch ins Blut geht, steigt Ihr Risiko an Diabetes zu erkranken. Dazu gehören zum Beispiel weißes Brot, Chips, Pommes und zuckerhaltige Getränke wie Cola - diese sollten also lieber selten auf Ihrem Speiseplan stehen.

Und noch einen weiteren Fehler können Sie bei der Ernährung machen: zu viel rotes Fleisch wie etwa Rindersteaks oder Lammkoteletts essen. Besonders gefährlich ist verarbeitetes rotes Fleisch, also Schinken, Salami oder Mortadella und Co. Eine amerikanische Studie fasste diese Gefahr 2011 auch in Zahlen: Wenn Sie jeden Tag 50 Gramm Wurst essen, steigt Ihr Typ-2-Diabetes Risiko um 25 bis 40 Prozent.

Aber nicht nur bei fleischlichen Genüssen sollten Sie vorsichtig sein. Experten raten: Finger weg vom Alkohol - zumindest wenn Sie Ihr Diabetesrisiko gering halten wollen. Denn Alkohol macht unsere Zellen unempfindlicher für das Hormon Insulin. Eine erhöhte Insulinresistenz ist oft der Auslöser für Typ-2-Diabetes.

Ebenso bringt übermäßiger Nikotingenuss den Zuckerstoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Schweizer Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass Rauchen das Typ-2-Diabetes-Risiko um ganze 44 Prozent erhöht. Bei starken Rauchern, die mehr als 20 Zigaretten am Tag konsumierten, sogar um 61 Prozent. Der Grund: Ähnlich wie Alkohol führt Nikotin möglicherweise zu einer Insulinresistenz.

Auch die menschliche Seele nimmt Einfluss auf die Entstehung von Krankheiten. Stress gilt zum Beispiel als Auslöser für Typ-2-Diabetes. Besonders Dauerstress lässt das Risiko für die Entstehung dieser Zuckerkrankheit um fast die Hälfte ansteigen.

Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen

Durch eine gesündere Ernährung, Gewichtsabnahme, eine bewusste Lebensweise und körperliche Aktivität können Sie also selbst etwas gegen die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes tun. Patienten mit Bluthochdruck sollten diesen behandeln lassen. Das Gleiche gilt für Personen mit Fettstoffwechselstörungen - wenn zum Beispiel das "gute" HDL-Cholesterin zu niedrig oder die Triglyzeride zu hoch sind.

Bei Frauen steigt das Erkrankungsrisiko, wenn sie ein Kind mit einem Geburtsgewicht von mehr als 4.000 Gramm zur Welt gebracht haben. Auch ein überstandener Schwangerschaftsdiabetes ist ein Indiz für ein erhöhtes Risiko.

Diabetes können Sie erben

Außerdem ist Diabetes vererbbar. Entgegen der landläufigen Meinung gilt dies vor allem für den Typ 2 und weniger stark für Diabetes Typ 1. Wenn Ihre Eltern, Geschwister oder Kinder erkrankt sind, sollten Sie regelmäßig zu einem Diabetes-Screening gehen. Fast 60 Prozent der Geschwister von Typ-2-Diabetikern und etwa 40 Prozent der Nachkommen von Eltern mit dieser Diabetesform werden im Laufe ihres Lebens ebenfalls daran erkranken. Haben beide Eltern Typ-2-Diabetes, dann beträgt das Erkrankungsrisiko der Nachkommen sogar 70 bis 80 Prozent. Bei Zwillingen ist es noch deutlicher: Bekommt ein Zwilling Typ-2-Diabetes, erkrankt der andere mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit auch. Umso wichtiger ist es, dass Personen mit einer erblichen Vorbelastung die Risikofaktoren, die Sie beeinflussen können, auch gut kontrollieren.

Ab 45 steigt Ihr Risiko

Grundsätzlich sind ältere Personen stärker gefährdet als jüngere. Denn mit dem Alter sinkt die Leistungsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse. Ärzte empfehlen ab einem Alter von 45 Jahren, den Nüchternblutzucker alle drei Jahre kontrollieren zu lassen.

Rechtzeitig behandeln lohnt sich

Diabetes Typ 2 wird oft sehr spät oder nur durch Zufall entdeckt. Der Grund: Die Krankheit macht sich nur langsam und mit uncharakteristischen Anzeichen bemerkbar. Dazu gehören zum Beispiel Müdigkeit und Leistungsminderung. Dann können bereits Schäden an kleinen und großen Körpergefäßen entstanden sein.

Wenn in einer Untersuchung bei Ihnen schon einmal ein grenzwertig erhöhter Nüchternblutzucker oder zu hohe Blutzuckerwerte nach dem Essen festgestellt wurden, sollten Sie das weiter beobachten. Möglicherweise handelt es sich um eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes. Wer die Gefährdung rechtzeitig erkennt und geeignete Maßnahmen ergreift, kann der Erkrankung wirksam vorbeugen.

Rund 95 Prozent der Zuckerkranken leiden unter Typ-2-Diabetes. Die restlichen fünf Prozent entfallen auf Typ-1-Diabetes. Bei dieser Form sind die Ursachen - und damit mögliche Risikofaktoren - bisher kaum bekannt. Derzeit erforschen Wissenschaftler, ob vielleicht das frühe Umstellen von Muttermilch auf Kuhmilch, übertriebene Hygiene bei Säuglingen oder die Belastung durch Medikamente und Schadstoffe Risiken darstellen.

Stand: 11.05.2016
Autor:

Quellen:

  • www.diabetes-heute.de, Abruf: 09.01.2016
  • www.diabetes-deutschland.de, Abruf: 09.01.2016
  • Novak M. et al.: Perceived stress and incidence of Type 2 diabetes: a 35-year follow-up study of middle-aged Swedish men, Diabetic Medicine 2013, doi: 10.1111/dme.12037
  • Carnethon M.R. et al: Association of Weight Status With Mortality in Adults With Incident Diabetes, JAMA 2012, doi:10.1001/jama.2012.9282
  • Lindtner C. and Buettner C.: Binge drinking increases risk of Type 2 diabetes by causing insulin resistance, Mount Sinai Hospital Press Release, 30. Jan. 2013
  • Pan et al.: Red meat consumption and risk of type 2 diabetes: 3 cohorts of US adults and an updated meta-analysis, The American Journal of Clinical Nutrition 2011, doi: doi: 10.3945/ajcn.111.018978
  •  Willi C.: Active smoking and the risk of type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis, JAMA 2007, doi:10.1001/jama.298.22.2654