Gutes Sozialleben schützt Immunsystem

Unter Einsamkeit leidet neben der Seele auch das Immunsystem. Die gute Nachricht: Freundschaften schützen es.

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Niemand ist gerne einsam. Das Verlassensein hat allerdings nicht nur seelische, sondern auch körperliche Konsequenzen. Das haben US-amerikanische Wissenschaftler jetzt herausgefunden. Demnach wird durch Einsamkeit auch das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen - weil es in übertriebene Alarmbereitschaft versetzt wird. Die gute Nachricht: Freundschaften schützen es.

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Für ihre Studie rekrutierten Lisa Jaremka und ihr Team von der Ohio State University eine Gruppe von 200 Brustkrebspatientinnen, deren Therapieende drei Monate bis drei Jahre zurücklag. Sie ließen die Probandinnen einen Fragebogen ausfüllen, um den Grad ihrer Einsamkeit zu erfassen. Gleichzeitig nahmen die Forscher auch Blutproben, um die Aktivität des sogenannten Zytomegalievirus zu messen. Mit diesem Erreger sind geschätzte 40 Prozent der Bevölkerung infiziert. Das Virus bleibt immer im Körper, verursacht aber nur Symptome, wenn das Immunsystem geschwächt ist.

Körperabwehr besonders aktiv

Das Ergebnis war eindeutig: In den Proben der Frauen, die sich selbst als besonders einsam eingeschätzt hatten, fanden die Forscher besonders viele Antikörper gegen das Virus. Das ist ein Hinweis, dass der Erreger bei ihnen aktiver war als bei den Teilnehmerinnen, die sich nicht so einsam fühlten. Diejenigen, die sich einsam fühlten, hatten auch häufiger mit Depressionen, Erschöpfung und Schmerzen zu kämpfen. "Einsamkeit steht schon lange im Verdacht, ein chronischer Stressor zu sein", erklärt die Forscherin.

Anfälliger für Stress

Auf der Suche nach weiteren Indizien, die den Zusammenhang von Stress und Einsamkeit bestätigen könnten, baten die Forscher 144 der Brustkrebspatientinnen aus der ersten Studie zu einem erneuten Test. Dazu kamen noch 134 Männer und Frauen, die zwar übergewichtig, ansonsten aber gesund waren. Diese beantworteten ebenfalls den Fragebogen zur Einschätzung ihrer Einsamkeit. Wieder fand eine Blutuntersuchung statt, diesmal bestimmten die Forscher den Gehalt an Zytokinen. Diese Proteine werden vor allem bei Stress ausgeschüttet und befeuern Entzündungsreaktionen im Körper.

Anschließend mussten alle Versuchspersonnen zwei Aufgaben lösen: einen fünfminütigen spontanen Vortrag zu einem bestimmten Thema vor Publikum, dann einen mathematischen Test. Beide Aufgaben setzen Menschen normalerweise mehr oder weniger unter Stress. Danach wurde erneut die Zytokin-Menge bestimmt.

Ein Vergleich der Blutproben vor und nach den Stresserlebnissen zeigte, dass bei einsameren Teilnehmern die Menge der Zytokine im Blut stärker anstieg als bei den sozial gut eingebundenen. Ihr Körper reagierte also deutlich stärker auf Stress. Sind Zytokine dauerhaft erhöht, steigt das Risiko für viele Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, aber auch Alzheimer oder Arthritis.

Gute Freunde schützen

"In beiden Studien neigten einsame Menschen stärker zu Immunreaktionen als weniger einsame Personen", fasst Studienleiterin Jaremka die Ergebnisse zusammen. Man solle aber auch den möglichen Umkehrschluss nicht aus den Augen verlieren: "Wer sozial gut eingebunden ist, stärkt auch sein Immunsystem."

Stand: 13.01.2014
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Quelle: Pressemitteilung Ohio State University