Kleine Lebensstiländerungen gegen Bluthochdruck

Vor allem Menschen, die übergewichtig sind oder bei denen Bluthochdruck in der Familie liegt, sollten ein Auge auf ihren Blutdruck haben. Regelmäßige Messungen ermöglichen ein rechtzeitiges Eingreifen.

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Oft empfohlen und auch bewiesen: Ein gesunder Lebensstil kann helfen, das Bluthochdruck-Risiko deutlich zu senken. Dabei muss man nicht einmal sein ganzes Leben umkrempeln. Schon wer darauf achtet, sich ausreichend zu bewegen und ein Auge auf sein Gewicht hat, kann viel erreichen. Das ergab zumindest eine finnische Studie. Klicken Sie sich durch die besten Tipps

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Bluthochdruck gilt gemeinhin als Volksleiden– fast 50 Prozent der Europäer sind betroffen. Denn der Lebensstil hier beinhaltet einige Faktoren, die den Blutdruck in die Höhe schnellen lassen. Riskant sind zum Beispiel Übergewicht, hoher Salz- oder Alkoholkonsum sowie ein Mangel an Bewegung. Genau das sind aber auch mögliche Stellschrauben, um die eigenen Werte wieder nach unten zu korrigieren - das glauben zumindest Pekka Jousilahti und seine Kollegen vom National Institute for Health and Welfare.

Auch wenig hilft viel

Die Wissenschaftler hatten den Einfluss von Lebensstiländerungen anhand der Daten von 21.000 Menschen untersucht. Als gesunde Lebensstilfaktoren galten dabei:

  • Alkoholkonsum unter 50 Gramm pro Woche (zum Vergleich - 20 Gramm Alkohol sind in 0,25 Liter Wein oder einem halben Liter Bier enthalten)
  • Bewegung in der Freizeit mindestens dreimal pro Woche
  • täglicher Gemüsekonsum
  • Normalgewicht (BMI unter 25 kg/m2)

Zu Untersuchungsbeginn hatten alle Studienteilnehmer normale Blutdruckwerte. Nach 16 Jahren litten 709 Männer und 890 Frauen an Bluthochdruck.

Probanden, die keinen der vier untersuchten Lebensstilfaktoren aufwiesen, hatten demnach ein dreimal höheres Risiko für Bluthochdruck als jene, die nach Definition der Forscher gesund lebten. Doch auch wenig half viel: Bei Männern, die nur zwei der gesunden Faktoren in ihr Leben integriert hatten, sank die Bluthochdruck-Wahrscheinlichkeit um ungefähr die Hälfte, bei Frauen um fast ein Drittel.

Vorbeugen und Behandeln

Jousilahti und sein Team glauben, dass sich die Studienergebnisse auch auf die Behandlung von Bluthochdruckpatienten anwenden lassen. Denn ein veränderter Lebensstil könnte Bluthochdruck nicht nur vorbeugen, sondern auch bereits bestehende hohe Werte senken. Auch die Deutsche Herzstiftung rät dazu, den Blutdruck auf natürliche Weise zu beeinflussen. Insbesondere, wenn Patienten gerne weniger Medikamente nehmen möchten. Dann ist es aber wichtig, mögliche Änderungen in der Behandlung mit seinem Arzt abzusprechen.

Gefäße unter Druck

Als Blutdruck bezeichnet man den Druck, der in den Blutgefäßen herrscht. Mit jedem Herzschlag wird das Blut durch sie hindurch gepumpt. Dabei übt es einen unterschiedlich starken Druck auf die Gefäßwände aus, der unter anderem von der aktuellen Belastung abhängt . Die Maßeinheit dafür wird in mmHg angegeben. Als gesund gelten Werte um 120/80 mmHg. Wer dauerhaft Werte über 140/90 mmHg erreicht, hat per Definition einen leichten Bluthochdruck.

Bluthochdruck ist lange Zeit ein stilles Leiden. Der Betroffene merkt erst einmal nicht viel von der erhöhten Belastung seiner Gefäße. Auf Dauer nehmen sie aber Schaden. Bluthochdruckpatienten bekommen deswegen beispielsweise häufiger einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, als Menschen mit normalem Blutdruck. Statistisch gesehen verkürzt schon ein en leichten Bluthochdruck die Lebensdauer 35-jährige Männer um 20 Prozent.

Die Werte im Blick behalten

Deswegen lohnt es sich auch, den eigenen Blutdruck im Auge zu behalten und gegebenenfalls aktiv zu werden. Das gilt nicht nur für Senioren – denn Bluthochdruck betrifft genauso auch jüngere Menschen. Eine Studie des Robert Koch-Instituts ergab, dass insbesondere junge Männern immer häufiger betroffen sind. Als Ursache sehen die Experten unter anderem die steigenden BMI-Zahlen auch in dieser Altersklasse. Darum gilt: Lassen Sie regelmäßig den Blutdruck kontrollieren, ob beim Arzt, der Apotheke oder mit einem eigenen Gerät bei sich daheim.

Stand: 23.08.2016
  • Jousilahti et al. Lifestyle traits predict the development of hypertension: a large prospective population-based cohort study in Finland. ESC Abstract 5224
  • Neuhauser HK, Adler C, Rosario AS, Dieserichs C, Ellert U: Hypertension prevalence, awareness, treatment and control in Germany 1998 and 2008-11.
  • Deutsche Hochdruckliga e.V.: Blutdruck – Bluthochdruck und seine Folgen; www.hochdruckliga.de (Abruf 22.08.2016)
  • Deutsche Herzstiftung; http://www.herzstiftung.de (Abruf 22.08.2016)