Langschläfer schützen ihr Herz

Die positiven Effekte von Rauchstopp, genügend Bewegung oder gesunder Ernährung aufs Herz lassen sich noch steigern - durch genügend Schlaf.

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Täglich pumpt das Herz etwa 8.000 Liter Blut durch den menschlichen Körper. Ein Hochleistungsorgan! Damit das möglichst lange so bleibt, können Sie selbst einiges tun. Ausreichend schlafen zum Beispiel - das besagt jedenfalls eine aktuelle Studie aus den Niederlanden. So wirken sich Rauchstopp, gesunde Ernährung und Co. zusammen mit Schlaf auf Ihre Herzgesundheit aus!

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Koronare Herzkrankheit ist eine Diagnose, die viele fürchten. Die verschlechterte Durchblutung des Herzens ist aber auch eine Erscheinung, der sich eigentlich gut vorbeugen ließe, denn die wichtigsten Risikofaktoren dafür sind bekannt.  Forscher der Wageningen Universität haben untersucht, wie stark sich die Schlafdauer auf das Herz auswirkt.

Klassische Herzvorsorge im Visier

Dafür analysierten sie die Daten von 8128 Männer und 9759 Frauen im Alter von 25 bis 65 Jahren, die von 1994 bis 1997 zu ihren Lebensgewohnheiten Auskunft gegeben hatten. Die Forscher vergaben Punkte in fünf Kategorien, es gab je einen Punkt für eine mediterrane Ernährung, den Verzicht aufs Rauchen, mehr als drei Stunden Bewegung pro Woche und Alkoholkonsum maximal einmal pro Monat. Zusätzlich vergaben die Forscher noch einen Punkt an diejenigen, die mehr als sieben Stunden pro Nacht schliefen. In den darauffolgenden zehn bis 14 Jahren traten bei den Probanden insgesamt 607 koronar bedingte Zwischenfälle auf, von denen 129 tödlich endeten.

Mit ausreichend Schlaf sind Herzvorfälle weniger tödlich

Wer in den vier klassischen Vorsorge-Kategorien Punkte gesammelt hatte, konnte sein Risiko für eine koronare Herzerkrankung um insgesamt 57 Prozent senken, für einen tödlichen Herzanfall sogar um 67 Prozent. Als Vergleich dienten die Probanden, die einen oder keinen Punkt erreicht hatten. Doch die Forscher fanden heraus, dass sich die Wahrscheinlichkeit sogar noch weiter absenken ließ - mit ausreichend Schlaf! Menschen, die auch beim Schlaf punkteten, senkten nämlich ihr Risiko für verengte Herzkranzgefäße insgesamt sogar um 65 Prozent, und für einen tödlichen Ausgang sogar um 83 Prozent.

So schützen Sie Ihr Herz

Wer also für eine ausreichende "Schlafversorgung" sorgt, kann die Wirkung von anderen herzgesunden Maßnahmen steigern. Zumindest bei denjenigen, die auch sonst etwas auf Ihr Herz achten. Dabei gilt: Auch jeder kleine Schritt unterstützt Ihr Herz! Dazu zählt zum Beispiel die richtige Ernährung.
In der Bildergalerie erfahren Sie, wie Sie mit Erdbeeren, Chilis und Co. Ihr Herz ganz einfach beim Essen schützen.

Besser heute als morgen: Rauchstopp

Experten betonen es immer wieder: Rauchen ist einer der gefährlichsten Risikofaktoren für einen Herzinfarkt. Für Frauen gilt dieser Zusammenhang noch stärker als für Männer. Für den Ausstieg ist nie zu spät. Auch wer erst mit 70 Jahren das Rauchen aufgibt, senkt in kurzer Zeit seine Wahrscheinlichkeit für einen Herzkasper. Denken Sie an Ihr Herz - und hören Sie mit dem Rauchen auf.
In der Bildergalerie: So schnell erholt sich Ihr Körper vom Rauchstopp

Bringen Sie Ihr Herz zum Hüpfen

Das Herz lässt sich trainieren - wie jeder andere Muskel auch. Wenn Sie sich bewegen, ist das also gut für Ihr Pumporgan. Ein täglicher halbstündiger Spaziergang in flottem Tempo senkt zum Beispiel das Herzinfarktrisiko. Das ist nicht lange und lässt sich leicht in den Alltag integrieren. Gehen Sie zum Beispiel zu Fuß zum Supermarkt oder steigen Sie einfach mal zwei Stationen früher aus dem Bus aus.

Noch besser ist, Sie suchen sich gleich eine richtige Sportart. Es gibt dabei einen einfachen Trick, um den inneren Schweinehund zu überwinden: Wählen Sie eine Bewegungsart, die Ihnen wirklich Spaß macht. Das kann Schwimmen, Nordic Walking, Golfen oder Ausdruckstanz sein - alleine oder mit anderen. Hauptsache, Sie bleiben am Ball. Regelmäßige Bewegung hat noch viele andere Vorteile: Sie bauen Stress ab und der Körper setzt Gute-Laune-Hormone frei. Ganz nebenbei hilft Bewegung, Ihr Gewicht zu reduzieren. Und wer weniger Pfunde auf den Hüften hat, entlastet sein Herz ebenfalls.

Nichts "zu Herzen nehmen"

Das psychische Befinden hat einen großen Einfluss auf die Herzgesundheit. Nicht umsonst sagt der Volksmund, dass man sich zum Beispiel Kränkungen "zu Herzen nimmt". Das kann sogar krank machen. Versuchen Sie, mit einem guten Gefühl durchs Leben zu gehen. Lachen Sie sich zum Beispiel morgens im Spiegel an oder reflektieren Sie abends darüber, was sie an diesem Tag geleistet oder Schönes erlebt haben. Versuchen Sie außerdem, sich nach stressigen Situtationen wieder Entspannung zu gönnen.

Selbstlose Herzen sind gesünder

Wie wäre es dafür zum Beispiel mit einem Ehrenamt? Eine kanadische Studie hat erst kürzlich gezeigt, dass sich Helfen positiv auf die Gesundheit auswirkt. Gemeinnützige Arbeit senkte den Forschern zufolge die Werte von Stresshormonen und  Botenstoffen, die Entzündungen fördern. Letzere sind bekannt dafür, Gefäßverkalkungen und damit Herzinfarkte und Schlaganfälle zu begünstigen.

Herz im Blick behalten

Ein fester Bestandteil Ihres "Wohlfühl-Programms" fürs Herz sollte es auch sein, wichtige Werte Ihres Körpers im Blick zu behalten. Dazu gehört der Blutdruck genauso wie die Blutfette. Gehen Sie also regelmäßig zu Vorsorge - damit frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, wenn die Leistung des Herzens schwächelt. Und: Vorbeugen lohnt sich. Wer den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus dem Weg geht, soll bis zu 14 Jahre länger leben, fanden Wissenschaftler der Northwestern Medicine University heraus.

Stand: 23.08.2013
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Quellen:

  • Hoevenaar-Blom M. et al. Sufficient sleep duration contributes to lower cardiovascular disease risk in addition to four traditional lifestyle factors: the MORGEN study; European Journal of Preventive Cardiology July 3, 2013
  • www.herzstiftung.de (Abruf: 28.02.2013)
  • http://www.bhf.org.uk (Abruf: 28.02.2013)
  • John T. Wilkins et al. Lifetime Risk and Years Lived Free of Total Cardiovascular Disease. JAMA, 2012 DOI: 10.1001/jama.2012.14312
  • Hannah M. C. Schreier : Effect of Volunteering on Risk Factors for Cardiovascular Disease in Adolescents, JAMA Pediatr. 2013;():1-6. doi:10.1001/jamapediatrics.2013.1100