Sollten auch Jungen gegen HPV geimpft werden?

Für Mädchen ist der Schutz gegen HPV seit 2006 möglich - sollten auch Jungs geimpft werden?

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Die Impfung gegen Humane Papillomaviren soll junge Mädchen vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Jetzt fordert die Pathologin Margaret Stanley im renommierten Wissenschaftsmagazin "Nature", auch Jungen impfen zu lassen. Bislang befürworten dies nur die USA, Kanada und Australien.

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Auslöser für bösartige Analtumoren

Stanley begründete ihre Forderung damit, dass die Viren neben Gebärmutterhalskrebs auch Anal,- Mandel- und Zungenkrebs auslösen können. Zusätzlich spielten sie eine Rolle bei der Entstehung bösartiger Tumore an Penis und Kehlkopf. "Man vermutet, dass Papillomaviren der Haupterreger von fünf Prozent aller menschlichen Krebserkrankungen sind", so Stanley. In den letzten Jahren hätten bei den 20- bis 49-jährigen Männern vor allem die Fälle von bösartigen Analtumoren zugenommen. Am meisten gefährdet seien homosexuelle Männer. Ein weiterer Grund, neben Mädchen auch Jungen zu immunisieren: Beim Sex können sie die Viren auf Frauen übertragen.

Impfung für Jungen zwischen neun und 14

Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen hält die Impfung für Jungen daher ebenfalls für sinnvoll: "Wenn wir wirklich die Viren in einem vorhersehbaren Zeitraum drastisch reduzieren oder ausrotten wollen, können wir das nur, wenn beide Geschlechter geimpft werden." Der Forscher hatte 2008 für seine Entdeckung, dass Papillomaviren Gebärmutterhalskrebs verursachen können, den Nobelpreis erhalten. Er rät zur Impfung im Alter zwischen neun und 14 Jahren, also bevor die Jungen sexuell aktiv werden.

Bislang nur für Mädchen

Seit Ende Oktober 2006 gibt es in Deutschland einen Impfstoff gegen bestimmte Stämme des Humanen Papillomavirus (HPV). Das RKI empfiehlt die Impfung bislang nur für 12- bis 17-jährige Mädchen. Der Impfstoff wird innerhalb eines halben Jahres dreimal in den Oberarm gespritzt. Direkt im Anschluss an die dritte Injektion hat die Impfung ihren vollen Schutz entfaltet. Kritiker halten den Impfbefürwortern allerdings entgegen, dass die Impfung nicht vor selteneren Typen des HPV schützt. Diese sind immerhin für etwa 20 bis 30 Prozent aller Gebärmutterhalskrebse verantwortlich.

Stand: 14.10.2014

Quelle:

  • Stanley M. Perspective: Vaccinate boys too. Nature 488, S10 (doi:10.1038/488S10a)