Studie: Was wirklich gegen Bluthochdruck hilft

Eine amerikanische Studie hat untersucht, welche alternative Therapien bei Bluthochdruck helfen - nicht alle sind gleich wirkungsvoll. Es gab eine Überraschung.

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Bluthochdruck gilt als ein lautloser Killer, der jährlich viele Menschenleben fordert. Einen erhöhten Druck in den Gefäßen sollten Betroffene also unbedingt senken. Nicht jeder möchte allerdings Pillen schlucken, manche vertragen die Arzneien nicht. Diesen Leuten machte eine amerikanische Studie jetzt Hoffnung. Denn es gibt alternative Therapien, die helfen können. Allerdings sind nicht alle gleich erfolgreich.

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"Eine gängige Frage von Patienten ist: Ich möchte keine Tabletten nehmen - was kann ich sonst noch tun, um meinen Bluthochdruck zu senken?", erklärt Robert D. Brook von der University of Michigan. Um diesen künftig weiterhelfen zu können, entwickelten sie einen Leitfaden. Dafür nahmen er und seine Kollegen die Daten von 1000 Studien unter die Lupe. Auftraggeber der Untersuchung war die American Heart Association. Diese Studien waren von 2006 bis 2011 veröffentlicht worden und beschäftigten sich mit einer Vielzahl von alternativen Heilmethoden gegen Bluthochdruck. Sie reichten von Meditation, Yoga, Aerobic bis hin zu Atemübungen.

Bluthochdruck bekämpfen ohne Nebenwirkungen

Grundsätzlich sei es positiv gewesen, dass die alternativen Therapiemethoden kaum Nebenwirkungen hatten und die Beschwerden des Bluthochdrucks auch nicht verschlechtern, so das Fazit der Forscher. Bei der Wirksamkeit der einzelnen Methoden  fanden sie allerdings deutliche Unterschiede.

Muskelspannung gegen Bluthochdruck

Wer etwa Aerobic, Laufen oder Gewichtstraining liebt, hat damit ein ganz gutes Mittel gefunden, um seinen Blutdruck zu senken. Überraschend für die Forscher war es, dass die sogenannten isometrischen Übungen die deutlichsten Effekte brachten. Dabei werden die Muskeln angespannt und entspannt, ohne die Gelenke zu bewegen. Mithilfe dieser Methode konnten Betroffene ihren Bluthochdruck um bis zu zehn Prozent senken. Allerdings galt das nur für Menschen, deren Werte nicht über 180/110 mmHg liegen.

Auch bestimmte Atemtechniken senkten den Blutdruck erfolgreich - hier lernten Betroffene das langsame und bewusste Atmen. Wer diese drei- bis viermal pro Woche für 15 Minuten praktizierte, erzielte positive Effekte.

Wirksamkeit von Yoga und Co. nicht erwiesen

Kaum messbar war der Erfolg von Biofeedback und Akupunktur sowie der Transzendentalen Meditation auf den Druck in den Gefäßen. Für andere Mediationsformen fanden die Wissenschaftler keine Effekte - hier war die Studienlage unzureichend.

Keine guten Nachrichten gab es auch für Fans von Yoga und Entspannungstechniken. Hier waren die wissenschaftlichen Nachweise für eine erfolgreiche Anwendung bei Bluthochdruck auch nicht aussagekräftig.

Bluthochdruck-Medikamente weiter nötig

"Die alternativen Ansätze reduzieren den Blutdruck um 2 bis 10 mmHg, Medikamente senken ihn dagegen um 10 bis 15 mmHg", sagt Brook. Deswegen sollten Patienten diese Methoden immer nur ergänzend einsetzen. Denn überflüssig machen sie Betablocker und Co. noch lange nicht. Trotzdem helfen die Ergebnisse des Leitfadens, die richtigen Sportarten mit anderen bewährten Maßnahmen gegen Bluthochdruck zu kombinieren. Dazu gehört zum Beispiel Abnehmen, mit dem Rauchen aufzuhören, salzarme Kost zu essen und wenig Alkohol zu trinken.

Volkskrankheit Bluthochdruck

Normalerweise sollte der Blutdruck 120/80 mmHg betragen - ab einem dauerhaften Wert von 140/90 mmHg sprechen Experten von einem Bluthochdruck. Dieser Erscheinung ist alles andere als selten - fast jeder zweite Deutsche leidet darunter, viele merken es gar nicht. Das hat gefährliche Folgen: Der erhöhte Druck auf die Gefäße erhöht das Risiko von gefäßbedingten Krankheiten wie Schlaganfällen oder Herzinfarkten.

Stand: 21.03.2016
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Quelle:

Robert D. Brook et al.: AHA Scientific Statement: Beyond Medications and Diet: Alternative Approaches to Lowering Blood Pressure: A Scientific Statement From the American Heart Association; Hypertension 2013; first published on April 22 2013 as doi:10.1161/HYP.0b013e318293645f