Angst vor Stress macht krank

Angst vor Stress macht krank

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Stress geht nicht nur an die Nerven, sondern auch an die körperliche Substanz. Das gilt offenbar umso mehr für Menschen, die fest davon überzeugt, dass Stress ihre Gesundheit schädigt - eine Art negativer Placeboeffekt. Besonders ein lebenswichtiges Organ leidet. Außerdem in der Klickstrecke: Wie Sie Stress ein Schnippchen schlagen.

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Seele und Körper sind eng verzahnt. So kommt es, dass Persönlichkeit und individuelle Einstellungen darüber mitentscheiden, ob ein Mensch krank wird oder nicht. Das bestätigen einmal mehr eine aktuelle Auswertung der Whitehall II Studie. Dazu waren 7.268 Londoner Beamte zu verschiedensten gesundheitlichen Aspekten befragt worden. Unter anderem beantworteten sie auch die Frage, in welchem Maße sie davon überzeugt seien, dass Stress ihre Gesundheit beeinträchtige.

Innere Haltung beeinflusst das Herzrisiko

18 Jahre später wertete ein europäisches Team um Dr. Hermann Nabi vom französischen Institut National de la Santé et de la Recherche médicale aus, ob diese Erwartungshaltung einen Einfluss auf das Risiko für einen Herzinfarkt gehabt hatte. Das Ergebnis: Seit Beginn der Befragung hatten insgesamt 352 Teilnehmer einen Herzinfarkt erlitten.

Eine genauere Analyse zeigte, dass Teilnehmer, die glaubten, Stress habe ihre Gesundheit stark beeinträchtigt ein doppelt so hohes Risiko für einen Herzinfarkt trugen wie Menschen, die glaubten, Stress habe ihrer Gesundheit nicht geschadet. Ein solcher Zusammenhang blieb auch bestehen, als die Forscher weitere Angaben der Teilnehmer in die Risikobewertung einfließen ließen. Darunter waren Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum, Krankheitswerte wie Bluthochdruck und Diabetes, sowie subjektives Stressempfinden der Teilnehmer. Ein solches Abwägen ist wichtig, denn wer Angst vor Stressfolgen hat, raucht eventuell mehr, oder trinkt mehr Alkohol. Und natürlich hat jemand, der sich gestresst fühlt, tendenziell größere Angst vor den gesundheitlichen Folgen. Dennoch: Auch nach dem Herausrechnen dieser Einflüsse erhöhte die pure Sorge vor schädlichen Stresskonsequenzen das Infarktrisiko noch um fast 50 Prozent.

Umgang mit Stress ist Typsache

Das bedeutet: Die Art, in der Menschen Stress bewerten, trägt erheblich dazu bei, wie stark dieser die Gesundheit tatsächlich belastet. Die Überzeugung, dass der tägliche Druck in Job, Familie und oft sogar Freizeit die Gesundheit zerrütten könnte, führt dazu, dass sie tatsächlich stärker leidet.

"Der Umgang mit Stress ist sehr individuell", sagt Nabi. "Ressourcen wie soziale Unterstützung und positive Erfahrungen mit Stress spielen in der Bewältigung eine große Rolle." Denn Stress muss nicht immer negativ sein. Manchmal setzt ein bisschen Dampf sogar ungeahnte Energien und kreative Ideen frei.

Stand: 01.07.2013
Autor:

Quelle: Hermann et al. (2013). Increased risk of coronary heart disease among individuals reporting adverse impact of stress on their health: The Whitehall II prospective cohort study. European Heart Journal, 2013 DOI: 10.1093/eurheartj/eht216