Arthrose früher erkennen

Je eher Arthrose erkannt wird, desto besser.

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Das hört sich nicht gut an: Beim Treppensteigen ist in den Knien ein leises Knirschen zu vernehmen. Und morgens brauchen die Knie eine wenig Anlaufzeit, bis sie wieder in die Gänge kommen. Das sind typische Zeichen einer Kniegelenk-Arthrose. Mediziner hoffen, in Zukunft bereits Vorstadien eines solchen Knorpelabbaus feststellen und effektiv behandeln zu können. So können Sie dem Gelenkverschleiss vorbeugen.

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Arthrosen haben längst die Dimension einer Volkskrankheit erreicht. Grundsätzlich können alle Gelenke von einem beschleunigten Gelenkverschleiß betroffen sein, am häufigsten erwischt es jedoch Knie und Hüfte. Denn diese Gelenke stemmen tagtäglich große Lasten.

Komische Knorpelzellhaufen

Das Verflixte bei der Arthrose ist ihr schleichender Verlauf. Wenn sie sich mit einem Knirschen bemerkbar macht, ist schon viel Knorpel weg gerieben. „Dabei kündigt sich die Arthrose sehr viel  früher an, noch bevor der Patient aufgrund von Schmerzen zum Arzt  geht“, so Dr. med. Ingo Arnold Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und operative Rheumatologie im Rotes Kreuz Krankenhaus, Bremen. Und zwar in Form einer abnormalen Knorpelzellorganisation.

Infrarot-Blick

Bis auf Zellebene kann aber das Röntgen - die gängige Diagnosemethode, die beim Verdacht auf Arthrose verwendet wird - nicht blicken, mit ihr kann man nur sehen, dass der Spalt zwischen den Knochen sich verringert. Neue Methoden könnten dagegen sehr viel früher greifen. In zwei verschiedene Diagnoseverfahren setzen Mediziner große Hoffnungen: die Nah-Infrarot-Spektroskopie und die MRT (Magnetresonanztomografie).

Als nahes Infrarot wird der Bereich elektromagnetischer Wellen bezeichnet, der sich mit zunehmender Wellenlänge unmittelbar an den Bereich des sichtbaren Lichts anschließt. Per Nah-Infrarot lassen sich Veränderungen am Knorpel im Stadium der Präarthrose erfassen. Und auch die MRT liefert bereits sehr früh Hinweise darauf, dass sich ein Knorpelabbau ankündigt – und zwar indem sie Hinweise auf die biochemische Zusammensetzung des Gewebes liefert. Diese lässt eindeutige Schlüsse zu: „Denn der Knorpel zeigt in der frühen Arthrose-Phase typische Veränderungen,  die den Abbau ankündigen“, erklärt Arnold.

Noch zu kostenintensiv

Noch sind diese Verfahren nicht routinetauglich, weil zu kostenintensiv. „Wir gehen aber davon aus, dass diese  neuen Verfahren den Patienten schon in zwei bis drei Jahren zur  Verfügung stehen könnten“, schätzt der Mediziner.

Viele könnten von einer solchen frühen Diagnose profitieren. So ließe sich einem weiteren Abbau früher Einhalt gebieten. Denn grundsätzlich gilt bei Arthrose: Der Knorpelverlust lässt sich nicht rückgängig machen. Das Gewebe erholt sich nicht wieder, wie das zum Beispiel Knochen tun würde. Aktuell gibt es auch keine Therapie, mit der man ihn dazu bewegen könnte.

Deshalb ist es so wichtig, eine beginnende Arthrose so früh wie möglich zu erkennen. Dann besteht immerhin die Chance zu verhindern, dass der Knorpelabbau weiter fortschreitet. Wichtig ist zum Beispiel, das Gelenk schonend zu bewegen.  Nur so wird das Knorpelgewebe ausreichend mit wichtigen Nährstoffen versorgt.

Und: Es müssen Risikofaktoren, die die Arthrose fördern, zum Beispiel Übergewicht oder falsches Schuhwerk, gezielt ausgeschaltet werden.

Gelenkverschleiss hat jeder

Dass sich Gelenke verschleißen, gehört zum normalen Alterungsprozess. Allerdings ist der Grad der Beeinträchtigung individuell sehr verschieden. Durch Über-, beziehungsweise Fehlbelastung kommt etwa im Knie ein schleichender Prozess in Gang, in dem der ohnehin nur wenige Millimeter dünne Knorpel zunehmend abgerieben wird. Zunächst bleibt dabei die Knorpeloberfläche noch intakt, im weiteren Verlauf jedoch können sich Löcher bilden, die sich immer weiter ausdehnen. Im schlimmsten Fall wird irgendwann Knochen gegen Knochen bewegt. Schmerzen sind dann längst zum ständigen Begleiter geworden.

Stand: 01.12.2016
Autor: Ulrike Viegener

Quellen:

  • Hofmann GO et al.: Detection and evaluation of initial cartilage pathology in man: A comparison between MRT, arthroscopy and near-infrared spectroscopy (NIR) in their relation to initial knee pain.
  • Pathophysiology. 2010 Feb;17(1):1-8. doi: 10.1016/j.pathophys.2009.04.001. Epub 2009 May 28
  • Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.; Pressemitteilung vom 30.07.2015