Was die Augen verraten

Bluthochdruck, Diabetes und Co. - diese Krankheiten kann man an den Augen ablesen

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Die menschlichen Augen sind Fenster zur Seele, sagt man – und tatsächlich lässt sich an ihnen einiges ablesen, das stellen auch Forscher immer wieder fest. Dazu gehören zum einen Charaktereigenschaften, zum anderen aber auch konkrete Krankheiten – Augen sind also auch Spiegel der Gesundheit. Erfahren Sie hier, was Ihre Sehorgane Ihnen oder Ihrem Augenarzt verraten können.

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Bluthochdruck und Schlaganfall

Nirgendwo sonst im Körper ist der Blick auf die Blutgefäße so unverstellt wie im Auge – besonders, wenn man als Augenarzt spezielle Vergrößerungsgeräte zu Hilfe nimmt. Die Blutgefäße im Augenhintergrund, den man durch den transparenten Glaskörper sehen kann, verraten einiges über den Gesundheitszustand der Person. Sind die Venen auf der Netzhaut erweitert, die Arterien dagegen verengt, ist das ein deutlicher Hinweis auf Bluthochdruck. Diese Veränderung kann bereits auftreten, wenn der Betroffene sonst noch nichts von seinem zu hohen Blutdruck spürt. Mediziner sehen deswegen die Retina als wichtiges Instrument, um Informationen über den Zustand der Blutgefäße im Gehirn abzulesen.

Der Blick auf die Blutgefäße im Auge lässt auch Aussagen darüber zu, wie gefährdet jemand ist, einen Schlaganfall zu bekommen. Forscher aus Indien konnten dies sogar beziffern. Demnach hat jemand mit leichten Schäden an den Blutgefäßen im Auge ein 35 Prozent höheres Risiko für einen Schlaganfall. Bei Betroffenen mit mittlerer oder schwerer Ausprägung steigt die Wahrscheinlichkeit sogar auf 137 Prozent.

Hoher Blutzucker

Es kann einem auch passieren, dass man vom Augenarzt den Verdacht hört, man sei an Diabetes erkrankt. Denn auch chronisch hohe Zuckerwerte im Blut hinterlassen ihre Spuren im Auge. Der Zucker knabbert an den Gefäßen und schädigt sie. Sichtbar ist Diabetes an feinen Ausbuchtungen der Gefäße oder auch punktuellen Blutungen auf der Netzhaut. Der Experte spricht von einer diabetischen Retinopathie.

Wird die Zuckerkrankheit in diesem Stadium nicht oder nicht ausreichend behandelt, können die Veränderungen im Auge noch dramatischer sein. Durch die verformten Blutgefäße wird das Sehorgan nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt – der Körper versucht dieses Manko zu beheben und bildet neue Gefäße aus. Diese platzen aber leichter und lassen die Sicht verschwimmen – im Extremfall können Betroffene sogar blind werden.

Rheuma, Herpes oder Tuberkulose

Ein rotes und trockenes Auge hat meist harmlose Ursachen. Es kann aber auch durch Rheuma ausgelöst werden. Rheumatische Erkrankungen zeichnen sich durch entzündliche Prozesse im Körper aus, bekannt vor allem an den Gelenken. Und doch kann sich die Entzündung auch im Auge manifestieren. Betroffen sind zum Beispiel die Regenbogenhaut oder auch die Tränendrüse. Aber auch Herpes oder Tuberkulose können ein Grund für rote, entzündete Augen sein.

Kranke Leber, verstopfte Galle

Die Augen, insbesondere das Weiß, können Auskunft über den Gesundheitszustand von weit entfernten Organen geben, nämlich der Leber oder der Galle. Zumindest, wenn sich das Augenweiß gelblich verfärbt. Die gelbe Farbe ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes und heißt Bilirubin. Ist die Leberfunktion oder der Abfluss der Galle gestört, zerfallen übermäßig viele rote Blutkörperchen. Das Bilirubin lagert sich dann an Stellen ab, wo es eigentlich nichts zu suchen hat.  Gelbe Augen sind zum Beispiel ein klassisches Symptom für eine Leberentzündung oder eine Leberzirrhose. Bei manchen äußert sich so auch ein Tumor der Bauchspeicheldrüse.

Hautkrebsrisiko und Weißfleckenkrankheit

Die Augenfarbe kann Hinweise auf das Risiko geben, an Hautkrebs zu erkranken. Das fand ein amerikanisches Forschungsteam in einer Studie mit 3000 Studienteilnehmern. Demnach entwickeln Menschen mit braunen Augen seltener schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) als blauäugige Personen. Dafür verhält es sich mit der Wahrscheinlichkeit für die sogenannte Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) genau umgekehrt – daran erkranken weniger blauäugige als braunäugige. Der Grund dafür liegt in den Genen, die sowohl die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Augenfarbe als auch das Erkrankungsrisiko bergen.

Schlechte Sicht bei Depression

Einen spannenden Ansatz verfolgen seit einigen Jahren Freiburger Wissenschaftler. Sie konnten in einer Studie nachweisen, dass Depressive ihre Umgebung anderes sehen – sie haben Schwierigkeiten Kontraste aufzulösen, nehmen die Welt also eher in der Farbe Grau wahr. Dabei gilt sogar, je schlimmer die Seelenpein, desto schlechter werden Kontraste gesehen. Dies liegt aber nicht etwas an mangelnder Konzentrationsfähigkeit, sondern ist tatsächlich körperlich messbar. Die Forscher vermuten, dass die Erklärung für das verblüffende Phänomen im Dopaminspiegel begründet sein könnte. Denn der Botenstoff wirkt nicht nur im Gehirn, sondern auch im Auge. Der Verdacht liegt nahe, dass bei depressiven Menschen ein Dopaminmangel im Auge die Ursache für die gestörte Wahrnehmung sein könnte.

Vertrauensvoller Blick

Auch die Wirkung der Augenfarbe auf die Psyche haben Forscher schon unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Männer mit braunen Augen wecken mehr Vertrauen bei Frauen als Herren mit blauen Augen. Allerdings war es nicht die Augenfarbe alleine, wie die kanadischen Wissenschaftler feststellten, mitentscheidend war die Gesichtsform der Probanden. Männer, deren Gesichtsformen rund sind, die einen großen Mund haben und ein ausgeprägtes Kinn, erschienen glaubwürdiger als diejenigen, die schmalere Gesichter hatten. Eine Erklärung für die Wirkung der braunen Augen auf das Gegenüber konnten die Forscher allerdings noch nicht geben.

Stand: 14.04.2016
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Quellen:

  • Richard Spritz: Genome-wide association analyses identify 13 new susceptibility loci for generalized vitiligo, Nature Genetics (2012),doi:10.1038/ng.2272
  • M. Kamran Ikram: Hypertensive Retinopathy and Risk of Stroke; Hypertension;  August 12, 2013, doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.113.01414
  • Kleisner K.et al.:Trustworthy-Looking Face Meets Brown Eyes, PLOS ONE. doi:10.1371/journal.pone.0053285.09.01.2013
  • Berufsverband der Augenärzte, cms.augeninfo.de (Abruf 03.08.2015)