Diabetes macht Frauenherzen anfällig

Besonders auf ihr Herz sollten Diabetikerinnen gut achtgeben.

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Nervenschäden, kaputte Nieren oder schlechte Wundheilung – Diabetes hinterlässt an verschiedenen Stellen des Körpers seine hinterhältigen Spuren. Besonders das Herz kann in Mitleidenschaft gezogen werden – allerdings nicht bei allen gleich stark. Erfahren Sie hier, warum gerade Frauen mit Diabetes auf ihr Herz achtgeben sollten. Welche Lebensmittel gut gegen Diabetes sind, erfahren Sie in der Bildergalerie.

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Für ihre Studie durchforsteten Rachel Huxley und ihre Kollegen einen imposanten Datenwust: 64 Studien aus den letzten 50 Jahren. Von den circa 850.000 Teilnehmern litten über 28.000 an einer koronaren Herzerkrankung. Darunter versteht man eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, wodurch die Durchblutungsfähigkeit gemindert wird. Schreitet die Krankheit unbehandelt voran, kann es sogar zum Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod kommen. Beides Krankheiten, die eigentlich öfter bei Männern als bei Frauen auftreten. Außer, die Frauen haben Diabetes. Das zumindest zeigte der Vergleich der Daten.

44 Prozent erhöhtes Risiko

Denn dabei zeigte sich: Frauen bekamen drei Mal häufiger Probleme mit dem Herzen, wenn sie auch an Diabetes litten. Im Gegensatz dazu war die Wahrscheinlichkeit für Männer mit Diabetes nur um das Zweifache erhöht. Beides galt, wenn die Patienten mit dem eigenen Geschlecht verglichen wurden. Stellte man Männer und Frauen gegenüber, ergab sich rechnerisch bei Frauen ein 44 Prozent höheres Risiko für koronare Herzerkrankungen, wenn gleichzeitig die Zuckerkrankheit den Körper belastete. „In einer vorangegangenen Studie wurde nachgewiesen, dass ein Herzinfarkt für Frauen mit Diabetes um 25 Prozent wahrscheinlicher ist als bei Männern“, so die Wissenschaftler.

Unterschiedliche Startpunkte für Diabetes

Warum aber sind Frauenherzen so viel empfindlicher, wenn gleichzeitig zu hohe Blutzuckerwerte im Spiel sind? Dazu haben die Experten verschiedene Theorien entwickelt. Zum einen zeigte sich vor allem bei den frühen Studien, die für die Untersuchung herangezogen wurden, dass Frauen bis vor Kurzem nicht ausreichend auf andere Risikofaktoren für koronare Herzkrankheiten untersucht und behandelt wurden, etwa Arteriosklerose. Außerdem erreichen Frauen seltener die vorgegebenen Therapieziele bei Diabetes.

Nicht zuletzt, so spekulieren die Wissenschaftler, könne der gefundene Zusammenhang auch von den unterschiedlichen „Startpunkten“ für Diabetes bei den Geschlechtern herrühren. Der weibliche Körper verkrafte insgesamt mehr (zum Beispiel einen höheren Body-Mass-Index), bis er die Zuckerkrankheit bekomme. Dafür sei er an dem Punkt dann aber metabolisch mehr „heruntergewirtschaftet“ als bei Männern und dementsprechend anfälliger für Folgeerkrankungen. Wodurch der Unterschied bei Männern und Frauen aber letztlich herrührt, müssen nachfolgende Studien noch zeigen.

Engeres Screening für Frauen

Laut den Forschern sollte deswegen mehr für die Prävention von Diabetes getan werden. Vor allem bei Frauen lohne sich ein intensives Screening für Vorstufen der Zuckerkrankheit, insbesondere wenn andere Risikofaktoren, etwa ein Schwangerschaftsdiabetes, im Vorfeld bereits bekannt seien. Nicht zuletzt sind Hausärzte dazu aufgerufen, auch bei Frauen verstärkt nach Anzeichen von koronaren Herzkrankheiten zu fahnden.

Stand: 16.02.2016
Autor:

Quelle: Sanne A. E. Peters et al. Diabetes as risk factor for incident coronary heart disease in women compared with men: a systematic review and meta-analysis of 64 cohorts including 858,507 individuals and 28,203 coronary events. Diabetologia, May 2014 DOI: 10.1007/s00125-014-3260-6