Fingerknacken – schlecht für die Gelenke?

Fingerknacken gilt als schädlich – aber droht den Knackern tatsächlich Gelenkverschleiß?

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Beim Fingerknacken scheiden sich die Geister: Die einen praktizieren es hingebungsvoll, den anderen lässt das Knackgeräusch die Haare zu Berge stehen. „Lass es sein, damit machst du dir die Gelenke kaputt!“, kriegen die Fingerknacker häufig zu hören. Rheuma, Arthrose oder ausgeleierte Gelenke sollen mögliche Langzeitschäden sein. Doch stimmt das wirklich?

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„Fingerknacken entspannt mich einfach“, sagt Hans, 38. Der Softwareingenieur biegt seine Finger mehrmals täglich nacheinander nach oben, bis es ploppt. Andere Knacker wenden die Pressmethode an, bei der sie gleich alle Finger einer Hand in Richtung Handballen pressen.

Lange hat Hans mit schlechtem Gewissen geknackt: “Davon kriegst du Arthrose“, hat seine Mutter ihm seit jahrzehntelang prophezeit. Und die Vorstellung, dass durch das Gelenkschnalzen der Knorpel Schaden nehmen könnte, klingt irgendwie auch einleuchtend.

Inzwischen hat die Forschung sich des Themas im Rahmen verschiedener Studien angenommen und Licht ins Dunkel gebracht.

Fingerknacken für die Forschung

Ein Pionier der Fingerknackforschung war der US-amerikanische Mediziner Donald Unger. Sechzig Jahre lang ließ er zweimal täglich die Finger seiner linken Hand knacken, nicht aber die der rechten. Dennoch konnte er auch nach Jahrzehnten keinerlei funktionelle Unterschiede zwischen beiden Händen feststellen. Allerdings hat so ein Einzelfall nur begrenzte Beweiskraft und lässt sich nicht ohne Weiteres auf die Allgemeinheit übertragen. Immerhin gewann der Mann für seinen Einsatz 2009 den IG-Nobelpreis – ein Preis, der für Studien verliehen wird, „die einen erst zum Lachen bringen, und dann zum Nachdenken“, so die Beschreibung der Initiatoren.

Keine Hinweise für mehr Arthrose

Immerhin 235 Teilnehmer zwischen 50 und 89 Jahren brachte Kevin deWeber von den Uniformed Services University in Bethesda für eine Studie zusammen. 135 von ihnen hatten einen Röntgenbefund, der ihnen eine Arthrose der Finger der rechten Hand attestierte. Die übrigen 80 Probanden hatten gesunde Gelenke. Jeder Fünfte von ihnen gab an, regelmäßig mit den Fingern zu knacken. Das Ergebnis: Unter den Fingerkackern war der Anteil der Arthroseleidende nahezu ebenso hoch wie unter denen, die nicht knackten. Selbst exzessives Fingerknacken scheint der Studie zufolge das Arthroserisiko nicht zu erhöhen. Bedeutet das Entwarnung für Fingerkacker-Hans?

Gestörte Handfunktion?

Eine frühere Studie ergab immerhin, dass langjähriges Fingerknacken die Funktionalität der Hand leicht beeinträchtigen könnte. So hatten Fingerknacker häufiger geschwollene Hände und verfügte über weniger Griffstärke. Doch könnten dabei auch andere Faktoren eine Rolle spielen – so verrichteten Teilnehmer, die ihre Gelenk knacken ließen, häufiger schwere Arbeiten – und sie rauchten und tranken auch mehr.

Warum es knackt

Auch warum Fingergelenke überhaupt Knackgeräusche von sich geben, ist noch nicht vollständig geklärt. In einer kanadischen Studie hatten Forscher einen fingerknackenden Probanden im Kernspintomografen untersucht. Das von ihm erzeugte Geräusch, so das Ergebnis, entstand aufgrund eines Vakuums – ähnlich wie bei einem Saugnapf den man von einer glatten Fläche zieht. Ob sich damit aber auch Knackgeräusche bei anderen Menschen erklären lassen, ist offen.

Bei Schmerzen zum Arzt

Fazit: Seine Gelenke knacken zu lassen, ist harmlos. Auch wenn es auch unabsichtlich häufiger einmal knackt, ist das kein Grund zur Sorge. Anders sieht es natürlich aus, wenn Schmerzen hinzukommen. Dann kann eine Funktionsstörung, die Ursache sein, die behoben werden sollte. Verursacht beispielsweise eine verkürzte Muskulatur eine leichte Fehlstellung des Gelenks, kann es tatsächlich irgendwann vorzeitig verschleißen.

Wie Arthrose entsteht

Eine Arthrose entsteht, wenn der Gelenkknorpel geschädigt wird. Das kann Folge eines ganz natürlichen Alterungsprozesses sein, aber auch das Resultat übermäßiger Belastungen im Beruf oder beim Sport. Auch eine Verletzung kann langfristig in eine Arthrose münden, beispielsweise, wenn sich die Stellung des Gelenks dadurch verändert und es nicht mehr reibungslos funktioniert.

Regelmäßige, aber nicht zu gelenkbelastende Bewegung ist das wichtigste Mittel um Arthrose vorzubeugen – aber auch um ihr Fortschreiten zu verlangsamen. Sie ist wichtig, um das nicht durchblutete Knorpelgewebe mit Nährstoffen zu versorgen und die Produktion von Gleitflüssigkeit im Gelenk anzuregen.

Stand: 03.04.2017
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Quellen:

  • Kevin deWeber et al.: Knuckle Cracking and Hand Osteoarthritis, Journal of the American Board of Family Medicine, 10.3122/jabfm.2011.02.100156
  • J. Castellanos et a.: Effect of habitual knuckle cracking on hand function, Ann Rheum Dis. 1990 May; 49(5): 308–309