Wie gefährlich sind Grippeviren?

Winzige Verwandlungskünstler

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Wer sich jetzt gegen die Grippe impfen lässt, bekommt einen Cocktail aus unterschiedlichen Virenkomponenten gespritzt. Grundlage für die Entwicklung sind die Virentypen, die schon mal grassierten – unter anderem auch einer Variante, die 1918 bis 1920 circa 50 Millionen Menschenleben forderte. Es gibt aber noch viel mehr Virentypen. Erfahren Sie hier alles Wichtige über die unterschiedlichen Grippeviren und vor welchen eine gewisse Angst berechtigt ist.

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Um sich einen Überblick über die verschiedenen Influenzaviren zu verschaffen, muss man sich mit ihrer Benennung beschäftigen. Grundsätzlich existieren drei Grippeviren-Gattungen: A, B und C. Für die schweren Grippeepidemien waren bisher immer die A-Viren verantwortlich. B-Viren führen dagegen in der Regel zu milderen Krankheitsverläufen, C-Viren treten nur sporadisch auf und spielen nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) für den Menschen keine Rolle.

Oberflächenproteine als Namensgeber

Bei den Influenza A-Viren unterscheidet man dafür eine ganze Menge von Unterkategorien, die sogenannten Subtypen. Und hier kommen die H- und N-Bezeichnungen ins Spiel, zum Beispiel H1N1. H ist die Abkürzung für Hämagglutinin, N steht für Neuraminidase. Beides sind Proteine, die wie Spikes auf der Oberfläche der kugelförmigen Erreger sitzen und diesen helfen, ihre Wirtszellen zu befallen. Insgesamt unterscheidet man 16 unterschiedliche Hämagglutinine (H1 bis H16) und neun verschiedene Neuraminidasen (N1 bis N9).

Grippeviren aus Vögeln

Die Grippeviren vermehren sich am liebsten in Vögeln (daher auch oft der Begriff „Vogelgrippe“). Dort wurden auch alle bekannten H- und N-Subtypen nachgewiesen. Gelegentlich vermehren die Viren sich auch in Schweinen und werden dann gerne als „Schweinegrippe“ tituliert. Darauf sind sie aber natürlich nicht beschränkt. Durch Veränderungen im Erbgut sind sie auch in der Lage, Menschen zu infizieren. Beim Menschen gab es bisher Infektionen mit zehn verschiedenen solcher Subtypen. Die jeweils größten Ausbrüche:

  • A/H1N1: Dieser Virus-Typ war Auslöser für die verheerende Spanische Grippe von 1918 bis 1920. Eine weitere große H1N1-Welle gab es 1977 und 2009 in Mexiko – damals bekannt als die Schweinegrippe. Auch für diese Grippesaison wird der Erreger erwartet – allerdings in einer weit weniger gefährlichen Form als zu Beginn des letzten Jahrhunderts.
  • A/H2N2: 1957 starben zwei Millionen Menschen weltweit durch diesen Erreger.
  • A/H3N2: Die Hongkong-Grippe war die letzte große Grippeepidemie. Zwischen 800.000 und zwei Millionen Menschen fielen ihr in den Jahren 1968 bis 1970 zum Opfer.
  • A/H5N1: Durch die Vogelgrippe 2003 starben mehrere Hundert Menschen.

„Harmlose“ Varianten

Nicht immer müssen die Grippeviren gleich so fatale Folgen haben. Folgende A-Virus Subtypen haben auch bereits Menschen infiziert und zum Teil auch getötet – sie lösten aber bisher keine großen Epidemien aus: H7N2, H7N3, H7N7, H7N9 (Vogelgrippe 2013), H9N2, H10N8.

Evolution im Zeitraffer

Dass dies bisher noch nicht geschehen ist, ist aber kein Garant, dass es nie passiert. Die Influenza-Viren können sich im Rekordtempo verändern – und zwar eine Million mal schneller als Menschen das tun. In nur fünf Jahren haben sich die Winzlinge so stark gewandelt wie die Menschen seit unserem gemeinsamen Vorfahren mit den Schimpansen. Das macht es so schwierig für das menschliche Immunsystem die Viren effektiv zu bekämpfen und es ist auch der Grund, warum für jede Grippesaison ein neuer Impfstoff entwickelt werden muss. Dabei handelt es sich immer um ein Gemisch aus unterschiedlichen, zum entsprechenden Zeitpunkt häufigen Grippeviren. Für 2014/15 entspricht die Zusammensetzung der aus dem vorigen Jahr: A(H1N1)-Komponente, A(H3N2)-Komponente und eine Influenza-B-Komponente.

Das neue Vogelgrippevirus H5N8, der im Moment für Schlagzeilen sorgt, hat bisher keinen Menschen infiziert. Die Gefahr, dass das passiert, halten Experten derzeit auch für gering. Das könnte sich aber ändern – sofern sich das Virus entsprechend verändert.

Feuchte Luft schützt

Vollkommen schutzlos ist der Mensch der Mutationswut und Verbreitung der Grippeviren aber nicht ausgeliefert. Neben der Impfung gibt es noch ein paar andere Tricks, um sich vor einer Ansteckung mit Grippeviren zu schützen. Die Erreger lieben zum Beispiel kalte und trockene Luft. Außerdem werden sie durch den halben Raum verteilt, wenn Infizierte Niesen. Deshalb hilft es, auf ein feuchtes Raumklima zu achten und regelmäßig durchzulüften. Bei einer Luftfeuchtigkeit von über 40 Prozent sind die Grippeviren zum Beispiel schon nach 15 Minuten deutlich weniger ansteckend. Regelmäßiges und richtiges Händewaschen senkt ebenfalls das Infektionsrisiko. Wer selbst mit Erregern kämpft, sollte immer in die Armbeuge niesen – dann fliegen die Viren deutlich weniger weit.

Stand: 16.11.2015
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Quellen:

  • Weltgesundheitsorganisation (WHO), Abrufdatum 25.11.2014
  • Robert Koch-Institut (RKI), Abrufdatum 26.11.2014
  • Freeman, S., Herron, J.C. (2007): Evolutionary Analysis. Pearson Education International, 4th Edition.