Grippe oder Erkältung?

Trotz ähnlicher Symptome gibt es wichtige Unterschiede zwischen einer Grippe und einem grippalen Infekt.

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Grippe oder grippaler Infekt? Schon der Sprachgebrauch zeigt, dass sich Laien oft schwertun mit der Unterscheidung zwischen diesen beiden Krankheitsbildern. Während eine Erkältung (grippaler Infekt) in der Regel harmlos verläuft, kann eine Grippe schwerwiegende Folgen haben. Hier finden Sie die wichtigsten Unterschiede im Überblick. Außerdem in der Bildergalerie: die besten Hausmittel gegen Erkältung und Co.

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Heizungsluft fördert Infektionen

Kaum weht ein herbstlicher Wind durchs Land, scheint die Zahl der hustenden und rotznäsigen Mitmenschen in die Höhe zu schnellen. Denn die trockene Heizungsluft macht es den Viren besonders leicht, die Schleimhäute zu befallen, die jetzt weniger feucht sind als im Sommer. Dazu kommt, dass wieder vermehrt öffentliche Transportmittel genutzt werden – die Viren können sich leicht verbreiten, denn sie werden über Tröpfchen- und Schmierinfektionen von einem Mensch zum anderen weitergegeben.

Grippe legt schneller flach

Hat man sich erst mal angesteckt, dauert es oft zwei bis fünf Tage, bis sich die ersten Symptome zeigen. Während sie sich bei der Erkältung langsam anschleichen und sich immer mehr steigern, zeichnet sich die Grippe dadurch aus, dass sie die Betroffenen ganz plötzlich niederstreckt. Denn die Viren vermehren sich schlagartig und überfordern so das Immunsystem. Hohes Fieber, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Glieder- und Kopfschmerzen und Husten sind klassische Anzeichen für eine Grippe – meist tritt alles gleichzeitig auf. Gelegentlich tritt auch Fließschnupfen auf. Typisch ist auch, dass Patienten sich richtig krank fühlen. Es gibt aber auch leichte Verläufe, die der Betroffene mit einem grippalen Infekt verwechseln kann. Tritt Fieber über 38,5 Grad auf, begleitet von Schmerzen in der Brust, Luftnot oder erschwerter Atmung, sollte ein Arzt konsultiert werden. Das Gleiche gilt, wenn die Symptome nach einer Woche nicht wieder abgeklungen sind.

Lungenentzündung als Folge einer Grippe

Tückisch an der Grippe ist: Das massive Auftreten der Grippeviren hält das Immunsystem so in Schach, dass der Körper anfälliger für andere Keime wird. Unangenehme und möglicherweise tödliche Komplikation einer Grippe kann deswegen eine Lungenentzündung sein. Auch eine Herzmuskelentzündung oder Gehirnhautentzündung kann infolge einer Grippe auftreten – vor allem, wenn man sich nicht genügend schont und die Keime im Körper wandern.

Verstopfte Nase dank Erkältung

Eine Erkältung äußerst sich entweder im Hals mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder Heiserkeit, oder im Nasenbereich mit einer verstopften Nase oder Fließschnupfen. Dazu können leichtes Fieber, Husten und Halsschmerzen kommen, selten auch Kopf- oder Gliederschmerzen. Normalerweise treten die Symptome bei einer Erkältung nacheinander auf, anschließend heilt sie ohne Folgen wieder ab. Dafür tritt sie öfter auf. Experten gehen davon aus, dass im Schnitt jeder Erwachsene zwischen zwei und vier Mal im Jahr an einem solchen grippalen Infekt leidet. Allerdings können auch hier die Keime einwandern und in den unteren Atemwegen eine akute Bronchitis oder infolge eine Lungenentzündung auslösen.

Husten über Wochen

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Krankheiten ist sicherlich die Dauer, die Betroffene unter den Folgen zu leiden haben. Während bei der Erkältung die meisten der Symptome nach ein bis zwei Woche überwunden sind, kann sich eine Grippe hinziehen. Zwar dauert die heftige Erkrankungsphase nur kurz an, darauf können aber mehrere Wochen folgen, in denen die Patienten sich langsam erholt.

Impfen geht nur gegen Grippe

Bei einer Erkältung gibt es mehr als 200 verschiedene Viren, die als Verursacher infrage kommen. Die Grippe wird dagegen von sogenannten Influenzaviren ausgelöst. In beiden Fällen schädigen die Keime die Schleimhaut der Atemwege und ermöglichen so viralen Giftstoffen und Bakterien den Eintritt in den menschlichen Körper. Die große Zahl der Erkältungsviren und die Tatsache, dass sie schnell mutieren, macht eine Impfung gegen sie unmöglich. Auch die Influenzaviren können ihre Oberfläche verändern, allerdings gibt es hier nicht so viele Arten, sodass jedes Jahr neue Impfstoffe entwickelt werden. Vor allem sogenannten Risikogruppen, deren Immunsystem heruntergesetzt ist, wird die Impfung empfohlen. Dazu gehören zum Beispiel alte Menschen oder Patienten, die eine Immunschwäche haben.

Antibiotika verkürzen Krankheitsdauer nicht

Da Viren sowohl Grippe als auch Erkältung verursachen, sind Antibiotika, die gegen Bakterien wirken, in der Regel nicht von Nutzen. Insbesondere, wenn es sich um einen unkomplizierten Verlauf handelt. Ein Studienvergleich aus Neuseeland zeigte, dass sich die Einnahme dieser Medikamente nicht auf die Erkrankungsdauer bei einer Erkältung auswirkte. Sinnvoll ist ihr Einsatz erst dann, wenn eine Sekundärinfektion mit Bakterien vorliegt.

Starkes Immunsystem als Virenschutz

Der beste Schutz vor einer Grippe oder einer Erkältung ist ein starkes Immunsystem. Achten Sie deswegen auf genügend Schlaf sowie eine gesunde und vitaminreiche Ernährung. Auch Saunabesuche oder Kneipp-Kuren können die Abwehrkräfte des Körpers stärken. Zusätzlich können Sie dafür sorgen, dass die Raumluft immer ausreichend feucht ist, zum Beispiel durch Lüften. Waschen Sie Ihre Hände regelmäßig und berühren Sie sich nicht im Gesicht (Schleimhäute!), wenn Sie mit einem kranken Mensch Kontakt hatten. Erfahren Sie hier, wie Sie den Viren sonst noch ein Schnippchen schlagen können.

Stand: 19.12.2016
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Quellen:

  • Lungeninformationsdienst (www.lungeninformationsdienst.de; Abruf 06.02.2015)
  • Internisten im Netz (www.internisten-im-netz.de; Abruf 06.02.2015)
  • Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (www.gesundheitsinformation.de; Abruf 06.10.2015)
  • Arroll B, Kenealy T. Antibiotics for the common cold and acute purulent rhinitis. Cochrane Database of Systematic Reviews: Version 2010, Issue 2. CD000247