Grippeschutz - bei Älteren versagt er oft

Jährlich fordert die Grippe Tausende Todesopfer. Eine Impfung bietet Schutz.

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Jährlich fordert die Grippe Tausende Todesopfer. Besonders gefährdet sind ältere Menschen. Zwar bietet eine Grippe-Impfung Schutz vor den Folgen der, doch ausgerechnet bei Senioren wirkt sie oftmals nicht richtig, das zeigt auch eine neue Metastudie aus den Niederlanden. Forscher suchen deshalb nach einem Weg, dem Impfstoff einen Turbo zu verpassen. Wie Sie den Viren von Vornherein aus dem Weg gehen können, erfahren Sie in der Bildergalerie.

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Zuverlässig rollt jedes Jahr in den Wintermonaten eine neue Grippewelle über Deutschland hinweg. Der Grund: Bei Kälte fühlen sich die Influenza-Erreger besonders wohl und haben mit ihren menschlichen Opfern leichtes Spiel. Denn deren Immunsystem hat - nicht zuletzt wegen der schädlichen trockenen Heizungsluft – in der kalten Jahreszeit besonders viel zu tun.

Junge, gesunde Erwachsene gewinnen den Kampf gegen die Viren fast immer. Für ältere Menschen kann das Gefecht aber im schlimmsten Fall tödlich enden. Zum Beispiel, wenn sich im Gefolge der Grippe noch eine bakterielle Lungenentzündung in den geschwächten Körper einschleicht.

Körperliche Fitness beeinflusst Immunsystem

Jährlich sterben in Deutschland durchschnittlich fünf- bis zehntausend Menschen an den Folgen einer Grippe. Weltweit sind es bis zu einer halben Millionen – davon sind circa 90 Prozent über 65 Jahre alt, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). „Das gesundheitliche Risiko einer Grippeinfektion hängt von der körperlichen Fitness ab. Bei älteren oder kranken Personen ist die Leistungsfähigkeit des Immunsystems oft vermindert, sodass eine Grippe gravierende Auswirkungen haben kann“, sagt Prof. Klaus Cichutek, Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).

Betagte Menschen profitieren weniger

Nicht nur im Falle einer Infektion haben ältere Menschen oft schlechtere Karten. „Auch auf Impfungen sprechen sie meist schwächer an“, erklärt Cichutek. Das Immunsystem werde weniger stark stimuliert, dadurch sei der Impfschutz geringer. Im Vergleich: Bei Kindern wirkt eine Grippeimpfung in 85 Prozent der Fälle, bei gesunden Erwachsenen sind etwa 50 bis 60 Prozent durch den Piekser geschützt. Bei betagten Menschen sind es dagegen nur noch 30 bis 50 Prozent.

Kein 100-prozentiger Schutz möglich

Dass selbst bei einem sehr reaktionsfreudigen Immunsystem kein hundertprozentiger Grippeschutz möglich ist, hat einen einfachen Grund: Die Virenstämme verändern ständig Details ihrer Oberflächenstruktur – und sind für das menschliche Immunsystem dann oft nicht mehr sicher als Grippeviren zu erkennen. Leider lassen sich viele der Veränderungen von den Impfstoffentwicklern aber nicht vorhersehen, sodass nicht alle kursierenden Virenstämme im Impfstoff berücksichtigt werden.

Impfung milder Verlauf

Warum dann überhaupt impfen? „Eine Impfung schützt nicht nur vor einer Grippeerkrankung, sondern mildert auch den Verlauf“, erklärt Cichuteks Kollege Dr. Michael Pfleiderer, Leiter des Fachgebiets Virale Impfstoffe. Selbst wenn jemand trotz Impfung an einer Grippe erkranke, lindere der Immunschutz den Schweregrad und die Dauer der Erkrankung. „Drei Tage im eigenen Bett sind besser als ein längerer Krankenhausaufenthalt“, sagt auch Dr. Cornelius Remschmidt vom Robert Koch-Institut (RKI).

Turboboost fürs Immunsystem

Trotzdem arbeitet die Forschung daran, die Impfstoffe so zu verändern, dass auch Ältere mehr davon profitieren. Zwei Ansätze scheinen besonders Erfolg versprechend: So könnte man hoch dosierte Impfstoffe verwenden. In den USA werden beispielsweise derzeit Impfseren erforscht, die die vierfache Konzentration haben. Ob viel auch viel hilft, ist allerdings umstritten.

Der zweite Ansatz experimentiert mit sogenannten Wirkstoffverstärkern. Solche Stoffe kommen bereits heute zum Einsatz und stacheln das Immunsystem zu einer stärkeren Antwort auf die Virenbestandteile im Impfstoff an. Seit 2000 wird ein solcher Wirkverstärker oder "Booster" in saisonalen Influenzaimpfstoffen für Menschen über 65 Jahre verwendet. Wissenschaftler sind aber überzeugt, dass sich solche Substanzen noch weiter verfeinern ließen. Eine weitere Möglichkeit wäre auch, beide Optionen miteinander zu kombinieren.

Universalimpfung als Zukunftsmusik

Vision vieler Forscher ist ein Universalimpfstoff, der gegen alle Influenzastämme  - auch neue und noch unbekannte Formen - wirksam ist und nicht jährlich verabreicht werden muss. Dann hätte das ewige Wettrüsten zwischen Wirkstoffentwicklern und Viren ein Ende. Mit einer einzigen Impfung wäre man ein Leben lang geschützt. „Bis dahin ist es aber noch ein sehr langer Weg“, sagt Cichutek.

Stand: 16.11.2015
Autor: Varinka Vogt

Redaktion:

Quellen:

  • Robert Koch Instiut (www.rki.de; Abruf 03.12.2014)
  • Michael L. Jackson: Influenza vaccine effectiveness in elderly people; The Lancet Infectious Diseases, Volume 14, Issue 12, Pages 1169 - 1170, December 2014