Heilpflanzen – wann es gefährlich wird

Heilpflanzen

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Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, heißt es. Tatsächlich hält die Natur pflanzliche Heilmittel gegen ganz unterschiedliche Beschwerden bereit. Das bedeutet aber nicht, dass Naturprodukte nicht auch gefährlich werden können! Lesen Sie hier, warum die Anwendung von Heilpflanzen manchmal schaden kann. Außerdem in der Bildergalerie: natürliche Heilmittel gegen Erkältungen.

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Dass alles aus der Natur stets harmlos ist, ist ein Irrglaube. Denn alles, was eine Wirkung entfaltet kann auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Das gilt insbesondere auch für Heilpflanzen.

Gegenanzeigen beachten

Die Galgantwurzel beispielsweise  – ein altes Heilmittel bei Verdauungsbeschwerden und Appetitmangel – regt die Freisetzung der Magensäure an und sollte daher nicht bei einem Magen-Darm-Geschwür eingenommen werden. Dessen Symptome können sich sonst verschlimmern.

Wer verschreibungspflichtige Schlaf- oder Beruhigungsmittel einnimmt, sollte nicht zusätzlich auch noch auf die beruhigende Wirkung von Baldrian setzen. Anderenfalls kann sich die Wirkung der Medikamente übermäßig verstärken.

Und wer Johanniskraut gegen Depressionen einnimmt, sollte beim Sonnenbaden besonders aufpassen, denn das Kraut macht die Haut sehr lichtempfindlich.

Informieren Sie sich über solche Gegenanzeigen, bevor Sie Heilpflanzen anwenden. So kann Ihnen etwa ein Apotheker kompetente Auskunft geben.

Die Dosis macht das Gift

Oft hängt es auch von der Dosis ab, ob eine Heilpflanze heilsam oder schädlich wirkt. Manche Inhaltsstoffe von Pflanzen können in sehr geringer Menge bestimmte Beschwerden lindern, in höherer Dosierung aber gefährlich werden.

Ein bekanntes Beispiel ist der Fingerhut (Digitalis): Seine Inhaltsstoffe wirken in niedriger Dosierung herzstärkend und werden deshalb bei bestimmten Herzkrankheiten angewendet. Eine Überdosierung kann dagegen rasch Übelkeit, Erbrechen, Vorhofflimmern und sogar einen Herzstillstand auslösen.

Auch beim Salbei kann ein Zuviel schädlich sein. Das Kraut wird vor allem bei übermäßigem Schwitzen (zum Beispiel in den Wechseljahren) angewendet – oft in Form von Fertigpräparaten. Wenn man solche Salbei-Kapseln oder –Tabletten in höherer Dosierung und/oder länger als empfohlen einnimmt, können Krämpfe und Schwindel auftreten. Bei Salbei-Tee besteht dagegen kaum die Gefahr einer Überdosierung. Dennoch sollte man Salbei sicherheitshalber nicht länger als maximal vier Wochen ohne Unterbrechung anwenden.

Dosisabhängige Nebenwirkungen können bei vielen Heilpflanzen auftreten. Daher gilt stets: Halten Sie sich auch bei Naturprodukten immer an die empfohlene Dosierung und Anwendungsdauer!

Achtung, Allergie!

Heilpflanzen können wie alles in unserer Umwelt eine Überempfindlichkeitsreaktion im Körper hervorrufen. Selbst auf Wasser und Sperma kann man allergisch reagieren.

Ein Beispiel: Kamille. So kann Kamillentee zwar Bauchweh lindern. Manche Menschen aber zwingt die altbekannte Heilpflanze in die Knie: Auf Kamille und andere Korbblütler wie Arnika, Echinacea oder Ringelblume reagieren besonders viele allergisch. Sie bekommen zum Beispiel Hautrötungen, Ausschlag, tränende Augen, eine laufende Nase oder Atembeschwerden.

Vorsicht in der Schwangerschaft

Schwangere Frauen sollten besonders vorsichtig bei der Anwendung mancher Heilkräuter sein. Ganz verzichten sollten sie zum Beispiel auf Bärentraubenblätter, die als Tee oder in Fertigpräparaten oft gegen Harnwegsinfekte eingesetzt werden. Sie könnten schädlich für das Ungeborene sein.

Gefahr fürs Ungeborene

Das gilt auch für Süßholz. Diese Heilpflanze ist in vielen Teemischungen gegen Atemwegskatarrhe und Magen-Darm-Geschwüre enthalten. Sie steht im Verdacht, die Entwicklung des Ungeborenen negativ zu beeinflussen. Übrigens: Süßholz steckt auch in Lakritze. Davon sollten Schwangere ebenfalls keine größeren Mengen verzehren!

Wehen durch Pflanzenstoffe

Andere Pflanzen können, zumindest in größeren Mengen genossen, Wehen auslösen. Dazu zählt Petersilie, die als Tee genossen die Verdauung ankurbelt und Magen-Darm-Beschwerden oder Harnwegserkrankungen lindert.  

Das Gleiche gilt für Zimt, der als Tee bei Appetitmangel und Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und Darmträgheit hilft. Verwenden schwangere Frauen Petersilie und Zimt nur in geringen Mengen zum Würzen, ist das kein Problem.

Ebenfalls Wehen auslösen können der verdauungsfördernden Beifuß sowie die pflanzlichen Abführmitteln Aloe, Rizinus und Sennesblättern/-früchte.

Fragen Sie in der Schwangerschaft vorsichtshalber Ihre Hebamme, Ihren Arzt oder Apotheker, welche Heilpflanzen Sie in welcher Dosierung bedenkenlos verwenden dürfen und worauf Sie besser verzichten sollten.

Giftige Doppelgänger

Die Anwendung von Heilpflanzen birgt manchmal noch eine weitere Gefahr – nämlich, wenn man sich in Wald und Wiesen selbst auf die Suche nach einem heilkräftigen Kraut begibt und fatalerweise einen giftigen Doppelgänger erwischt.  

Dieser Fehler unterläuft jeden Frühling einigen Sammlern, die sich in schattigen Au- und Laubwäldern auf die Suche nach Bärlauch machen. Dessen Blätter schmecken lecker, enthalten viele Vitamine, Mineralien und Spurenelemente und kurbeln die Aktivität von Magen, Darm, Leber und Galle an. Leider werden sie aber leicht mit den Blättern verschiedener giftiger Pflanzen verwechselt wie Maiglöckchen und Herbstzeitlose – in letzterem Fall teilweise mit tödlichen Folgen!

Pflücken und verzehren Sie Heilpflanzen sowie essbare Pflanzen und Kräuter also nur, wenn Sie die jeweilige Pflanze ganz genau kennen. Beim Bärlauch kann man übrigens auf ein ganz bestimmtes Merkmal achten, das ihren giftigen Doppelgängern fehlt – der zarte Duft nach Knoblauch.

Stand: 09.11.2016
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Quellen:

  • Mayer, J.G. et al.: Handbuch der Klosterheilkunde, Zabert Sandmann Verlag, 10. Auflage, 2006
  • Bühring, U.: Praxis-Lehrbuch Heilpflanzenkunde, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2014
  • Stange, R. & Kraft, K.: Lehrbuch Naturheilverfahren, Georg Thieme Verlag, 2009
  • Stumpf, U.: Heilpflanzen und ihre giftigen Doppelgänger, Kosmos Verlag, 2014
  • Kämper, H.: Notfälle in der Heilpraktikerpraxis, Georg Thieme Verlag, 2010
  • Smollich, M. & Jansen, A.C.: Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2015
  • Wenzel, M.: Meine besten Heilpflanzenrezepte, Gräfe und Unzer Verlag, 2013