Knie - Botox vertreibt den Schmerz

Sportlerin mit Knieschmerzen

© Dirima/Fotolia

Schmerzen im Knie verhageln vielen Sportlern das Training. Oft verursacht das sogenannte „Läuferknie“ die Beschwerden. Das Einzige, das bislang wirklich half: Schonung. Die Ursache selbst lässt sich so aber nicht dauerhaft beheben. Nun könnte eine neue Therapie ausgebremsten Athleten helfen: Botoxinjektionen. Außerdem: Die besten Tipps für gesunde Gelenke in der Bildergalerie.

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Als Antifaltenmittel ist Botox wohl jedem geläufig. Doch wird das von Bakterien produzierte Nervengift auch zunehmend in der Medizin eingesetzt – gegen Migräne beispielsweise oder übermäßiges Schwitzen. Das neueste Einsatzgebiet des hochtoxischen Stoffes: das patellofemorale Schmerzsyndrom (PFSS ), auch „Läuferknie“ genannt.

Geplagte Radler und Läufer

Dabei treten stechende oder dumpfe Schmerzen im Bereich der Kniescheibe auf. Vor allem Läufer und Fahrradfahrer sind davon betroffen. Die Ursache sind nicht Knorpelschäden, wie beispielsweise bei Arthrosebeschwerden, tatsächlich ist die Struktur des Kniegelenks intakt. Der Schmerz entsteht vielmehr durch die Kombination aus hoher Trainingsbelastung und einer Fehlstellung der Kniescheibe, die durch Bänder und Muskeln einseitig nach außen gezogen wird.

Therapien mit Entzündungshemmern oder Kortison, aber auch Physiotherapie erbrachten bislang oft nur unbefriedigende Ergebnisse. Das Einzige, das wirklich zuverlässig half: Schonung – und zwar über mehrere Tage. Für Profisportler, aber auch ambitionierte Freizeitathleten, keine Lösung – zumal die Schmerzen nach dem nächsten anspruchsvollen Training wiederkommen.

Bakteriengift gegen Schmerzen

Nun haben Forscher um Studienleiterin Jo Stephen vom Imperial College London möglicherweise eine Lösung des Dilemmas gefunden: Sie verabreichten Betroffenen Spritzen mit dem Wirkstoff Abobotulinumtoxin A. Wie das aus der Schönheitschirurgie bekannte Botox lähmt auch dieses Gift von Botulinum-Bakterien Nerven.

Die Wissenschaftler injizierten es 45 Betroffenen im Rahmen einer Studie - aber nicht etwa ins schmerzende Knie, sondern in einen bestimmten Hüftmuskel, den Tensor fasciae latae. Zuvor hatten sie nämlich festgestellt, dass Personen mit PFSS diesen bei Bewegung übermäßig stark beanspruchen. Er übernimmt dann einen großen Teil der Arbeit, die beschwerdefreie Sportler über die Gesäßmuskulatur leisten. Der Tensor fasciae latae verläuft seitlich und spannt dabei unter anderem eine Sehne an, die die Kniescheibe nach außen zieht. Genau das scheint der eigentliche Kern des Problems zu sein.

Dauerhafter Effekt

Auch physiotherapeutische Übungen absolvierten die Patienten vornehmlich über den Hüftmuskel – weswegen Physiotherapie allein zunächst keinen Effekt zeigte. Erst nach der Botoxinjektion konnten die krankengymnastischen Übungen ihre Wirkung entfalten – der Hüftmuskel war nun lahmgelegt und der Gesäßmuskel wurde trainiert. Daraufhin besserten sich auch die Kniebeschwerden deutlich oder verschwanden sogar vollständig.

Der heilsame Effekt hielt bei 69 Prozent sogar noch nach fünf Jahren an – also lange, nachdem die Wirkung des Nervengifts verflogen war.

Das ist eine hohe Erfolgsquote, denn das patellofemorale Schmerzsyndrom ist in aller Regel ein äußerst hartnäckiger Begleiter: 80 Prozent der Betroffenen leiden dauerhaft darunter. Bei ihnen haben die bisher bekannten Therapieoptionen versagt.

Stand: 10.01.2017
Autor:

Quelle: Joanna M. Stephen et al.: The Use of Sonographically Guided Botulinum Toxin Type A (Dysport) Injections Into the Tensor Fasciae Latae for the Treatment of Lateral Patellofemoral Overload Syndrom, Am J Sports Med February 22 2001