Makuladegeneration – das steckt dahinter

Gerade Linien erscheinen plötzlich krumm


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Krumme Linien und schwimmende Buchstaben können Anzeichen einer altersbedingten Makuladegeneration (AMD) sein. Ausgerechnet am Ort der größten Sehschärfe - der Makula in der Mitte der Netzhaut - kommt es dabei zu Ausfallerscheinungen, die unter anderem das Lesen massiv beeinträchtigen können. Was dahinter steckt und bei welchen Warnzeichen Sie sofort zum Augenarzt sollten!

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Wenige Millimeter sind entscheidend

Nur wenige Quadratmillimeter ist die Makula groß. Es handelt sich um ein hochspezialisiertes Gewebe in der Mitte der Netzhaut, das dafür sorgt, dass man ein gestochen scharfes Bild von unserer Umwelt empfängt. Ob Buchstaben oder Gesichter, die Makula stellt sie scharf. Für die Unterscheidung von Farben ist der sogenannte gelbe Fleck ebenfalls verantwortlich. Der Rest der Netzhaut dagegen sieht deutlich schlechter und kann lediglich grobe Umrisse bzw. Hell-Dunkel-Kontraste erkennen.

Typische Warnsignale

Kommt es im Bereich der Makula zu Funktionseinbußen, fällt das in der Mitte des Gesichtsfelds auf: Dort verzerrt sich das Bild. Erste Warnzeichen: Gerade Linien erscheinen krumm, der Fensterrahmen hat plötzlich eine Beule, oder die Fugen der Badezimmerkacheln machen einen Bogen. Auch ein Blick auf die Uhr kann verräterisch sein: Da ist zwar die Uhr, aber die Zeitanzeige ist nicht zu erkennen, weil Zeiger und Zahlen verschwimmen. Statt scharfer Ziffern ist bei fortgeschrittener AMD oft nur ein grauer Fleck im Zentrum des Blickfelds zu sehen. Schließlich wird auch die Fähigkeit Farben zu unterscheiden zunehmend in Mitleidenschaft gezogen.

Die AMD ist nicht selten: Laut dem Berufsverband der Augenärzte litten 2012 über 1,6 Millionen Menschen in Deutschland an einer AMD. Sie gehört damit zu den häufigsten Sehbehinderungen in Deutschland. Im Zuge der gestiegenen Lebenserwartung sind in den nächsten Jahren noch mehr Erkrankungen zu erwarten, da sich die Makuladegeneration in der Regel jenseits des 50. Lebensjahrs bemerkbar macht.

Probleme bei der Müllentsorgung

Bei krummen Linien, schwimmenden Buchstaben und verblassenden Farben sollte dringend ein Arzt den Augenhintergrund ausleuchten: Bei der altersbedingten Makuladegeneration wird er dort Ablagerungen finden, sogenannte Drusen, die die Sehzellen der Makula bei ihrer Arbeit behindern. Wie kommen die Drusen dahin? Im winzigen Areal der Makula, wo ständig Hochleistungen vollbracht werden, läuft der Stoffwechsel auf Hochtouren. Und wo viel verstoffwechselt wird, da entsteht auch viele Abfallprodukte, der schnellstens entsorgt werden muss. Mit dem Alter allerdings funktioniert die körpereigene Müllabfuhr zunehmend schlechter, sodass schon mal was liegen bleibt. Das ist nicht nur im Auge, sondern überall im Körper so, aber die Makula wird davon besonders empfindlich getroffen. Das kann so weit gehen, dass die Sehzellen der Makula absterben.

Bei der trockenen AMD, an der rund 85 Prozent der Betroffenen leiden, schreitet dieser zerstörerische Prozess relativ langsam voran. Ungünstiger sind die Aussichten bei der feuchten AMD, die sich bei einem Teil der Patienten aus der trockenen Form entwickelt: In diesen Fällen führen die Ablagerungen an der Netzhaut dazu, dass sich neue Blutgefäße bilden. Das ist gut gemeint, denn die zusätzlichen Blutbahnen sollen den Müllabtransport verbessern. Aber es wird dadurch sogar eine Verschlechterung des Sehvermögens ausgelöst: Weil die Blutgefäße oft undicht sind, kommt es zu Einblutungen und Vernarbungen, die die Zerstörung der Makula weiter vorantreiben. Um das zu verhindern, ist die Früherkennung entscheidend. Heilbar ist die AMD zwar nicht, aber es ist möglich, den Verlust der Sehschärfe zu verlangsamen und möglichst eine Erblindung zu verhindern. Deswegen wird Menschen über 55 Jahren auch eine regelmäßige Untersuchung der Netzhaut empfohlen.

Stand: 14.11.2016
Autor: Ulrike Viegener

Quellen:

  • Leitlinie Altersabhängige Makuladegeneration AMD; Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. Stand 2011
  • AMD-Netz; www.amd-netz.de (Abruf 10.11.2016)
  • Bundesverband der Augenärzte; http://cms.augeninfo.de (Abruf 10.11.2016)