Mittelohrentzündung - Vorsicht, Hörschäden!

Mittelohrentzündungen könne die Ohren schädigen!

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Eine akute Mittelohrentzündung kann ziemlich schmerzhaft sein. Oft sind Viren und Bakterien die Auslöser. Sie rühren meist von einer Erkältung her und wandern über den Nasen-Rachen-Raum ins Ohr. Auch Polypen können die Ursache sein. Im Normalfall heilt die Entzündung vollständig aus – aber nicht immer. Sie kann unter anderem bleibende Hörschäden verursachen. Deshalb heißt es immer: ab zum Arzt!

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Vernarbtes Gewebe

Wer schon öfters eine Mittelohrentzündung hatte, sollte einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) aufsuchen und durch einen Hörtest überprüfen lassen, ob das Gehör noch intakt ist. Unter Umständen kann sich das Hörvermögen nämlich dauerhaft verschlechtern. Der Grund: Am entzündeten Gewebe im Ohr können Vernarbungen entstehen – und diese beeinträchtigen das Hörvermögen. Vorsicht geboten ist vor allem bei Kindern, bei denen eine Mittelohrentzündung besonders häufig auftritt: Hört ein Sprössling schlechter, kann sich die sprachliche und intellektuelle Entwicklung verzögern.

Rechtzeitig behandeln!

Damit das Hörvermögen keinen Schaden nimmt, muss man eine Mittelohrentzündung rechtzeitig behandeln lassen. Denn die Infektion kann sich auch dauerhaft einnisten und still vor sich hin schwelen. Eine chronische Entzündung des Mittelohrs macht sich oft nicht durch starke Schmerzen bemerkbar.

Das Augenmerk bei der Behandlung einer Mittelohrentzündung liegt vor allem darauf, die Ohrtrompete – die Verbindung zwischen Innenohr und Rachenraum - wieder freizumachen. Meist werden Antibiotika eingesetzt, die aber nicht Viren, sondern nur Bakterien bekämpfen. Wirksam sind außerdem Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol sowie fiebersenkende Medikamente. Tropfen werden nicht ins Ohr, sondern in die Nase geträufelt. Sie lassen die Schleimhäute abschwellen. Wirksame Hausmittel gegen die Schmerzen sind Wärme (Rotlicht, Wärmflasche) sowie gequetschte Zwiebeln – sie bekämpfen Viren, Bakterien und die Entzündung.

Loch ins Trommelfell

Verschwindet die Mittelohrentzündung auch durch eine Therapie nicht und drohen Komplikationen, wird das Trommelfell punktiert (Laser oder feines Messer). Es kann auch passieren, dass dies unter „unkontrollierten“ Bedingungen passiert – der Druck durch den Eiter wird im Innenohr so groß, dass das Trommelfell bricht. So werden die Flüssigkeit und eventuell der Eiter aus dem Mittelohr abgelassen. In beiden Fällen lindert das die Schmerzen oft schlagartig und verbessert das Hörvermögen. Normalerweise heilt das kleine Loch schnell wieder zu. Bei wiederholten Mittelohrentzündungen wird ein kleines Röhrchen (Paukenröhrchen) zur Belüftung des Mittelohres in das Trommelfell eingesetzt.

Sind Polypen die Ursache, hilft eine Entfernung der Wucherungen. Dies ist heute ein Routineeingriff.

Ist das Hörvermögen durch eine chronische Mittelohrentzündung dauerhaft stark beeinträchtigt, hilft oft nur eine Operation. Bei der sogenannten Tympanoplastik rekonstruieren die Ärzte das zerstörte Trommelfell und die kleinen Gehörknöchelchen, die den Schall zum Innenohr übertragen.

Schwere Komplikationen

Ein schlechteres Hörvermögen ist übrigens nicht die einzige Komplikation einer Mittelohrentzündung. Wird sie nicht entsprechend behandelt, kann sie sich in die Umgebung ausbreiten, zum Beispiel auf die angrenzenden Knochen (Warzenfortsatz=Mastoid). Dieser kann vereitern. Erste Anzeichen sind eine Rötung hinter dem Ohr und eine abstehende Ohrmuschel. Verläuft die Mittelohrentzündung schwer, können eine Hirnhautentzündung und eine Lähmung der Gesichtsnerven die Folgen sein.

Stand: 10.01.2014
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Quellen:

  • Boenninghaus H.G. et al.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer Verlag. 13. Auflage 2007 
  • Leitlinien der Dt. Ges. für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Ohrenschmerzen (Stand: Oktober 2009)