Phobien & Ängste - Stehen Sie zu Ihren Gefühlen

Stehen Sie zu Ihren Ängsten: So könnten Sie angtseinflößende Situationen besser überstehen.

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"Spinnen sind eklig und ich muss schreien, wenn ich sie sehe!" - Wer zu seinen negativen Gefühlen steht und diese auch laut ausspricht, übersteht angsteinflößende Situationen deutlich besser. Das haben US-amerikanische Psychologen der  Universität Kalifornien - Los Angeles herausgefunden.

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Eklige Taranteln berühren

88 Probanden, die an einer Spinnenphobie litten, sollten sich dafür einer großen Tarantel immer mehr nähern und sie eventuell sogar berühren. Das Tier befand sich dabei in einem offenen Behälter. Danach mussten die Versuchspersonen sich vor eine andere Tarantel setzen, die in einem Käfig war. Die Forscher teilten die Studienteilnehmer dazu in vier Gruppen auf: Die erste Gruppe sollte ihre Gefühle beschreiben, zum Beispiel indem sie sagten: "Ich habe Angst vor dieser ekligen, furchteinflößenden Spinne!" Die zweite Gruppe sollte eher neutrale und beschwichtigende Begriffe verwenden, um die Situation weniger bedrohlich erscheinen zu lassen - das normale Vorgehen bei einer typischen Konfrontationstherapie. Sie sagten Dinge wie: "Diese kleine Spinne kann mich nicht verletzen. Ich habe keine Angst vor ihr!" Die dritte Gruppe sollte etwas sagen, was mit der Situation und ihren Gefühlen gegenüber dem haarigen Tier nichts zu tun hatte. Und die vierte Gruppe sollte gar nichts sagen, sondern nur still vor dem Käfig sitzen und die Spinne betrachten.

Negative Gefühle nicht unterdrücken

Eine Woche später wiederholten die Wissenschaftler den ersten Test, bei dem die Probanden auf das freie Tier zugehen und es vielleicht sogar berühren sollten. Wie sich zeigte, schnitten die Versuchspersonen der ersten Gruppe dabei am besten ab: Sie trauten sich am nächsten an die Spinne heran und hatten deutlich weniger Schweißhände - ein typisches Angstzeichen - als die Teilnehmer in den anderen Gruppen.
"Die Ergebnisse zeigen, dass es besser ist, zu seinen negativen Gefühlen zu stehen und sich nicht einzureden, dass alles gar nicht so schlimm ist", sagt Erstautorin Michelle Craske. "Das ist einzigartig und unterscheidet sich von den Vorgehensweisen, mit denen man Ängsten in einer Konfrontationstherapie typischerweise begegnet."

Neuer Ansatz für Traumapatienten?

Die Forscher wollen nun herausfinden, inwiefern diese Strategie auch traumatisierten Menschen helfen könnte. Möglicherweise ließen sich damit nicht nur Opfer von häuslicher Gewalt oder Vergewaltigung besser behandeln. Auch Soldaten, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden, könnten davon profitieren. (kr)

Stand: 11.10.2012

Quelle:

  • K. Kircanski et al. Feelings Into Words: Contributions of Language to Exposure Therapy. Psychological Science, 2012; DOI: 10.1177/0956797612443830