Tinnitus - Weghören ist alles

Manchmal hilft nur noch abschalten

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Es brummt, saust oder pfeift im Ohr - Tinnitus ist eine Plage und kann einem die Freude am Leben gründlich vermiesen. Das Getöse im Ohr bringt viele Betroffene zur Verzweiflung, wenn es sich erst einmal richtig eingenistet hat. Die beste beste Strategie ist dann, die Ohrgeräusche möglichst auszublenden. Wie das funktioniert und was Ihnen dabei helfen kann, lesen Sie hier.

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Ob einem ein Geräusch lieblich in den Ohren klingt oder gehörig auf die Nerven geht, ist eine Frage der persönlichen Bewertung. Meeresrauschen kann beispielsweise ganz schön laut sein - und doch schlummert es sich am Strand ganz herrlich. Das Brummen des Kühlschranks hingegen ist deutlich leiser, raubt aber so manchem den Schlaf. Ein anderes Beispiel: Kinderkreischen. Sind es die eigenen Sprösslinge, die akustisch zu Höchstform auflaufen, stört das weit weniger als das Toben des fremden Nachwuchses.

Das Gleiche gilt auch für Tinnitus. Während manche ihr persönlicher Piepser im Ohr nicht weiter stört, raubt er anderen die Nachtruhe und Lebensqualität. Für mache ist das Sirren, Pfeifen, Dröhnen so unerträglich, dass sie in eine Depression verfallen oder sogar berufsunfähig werden.

Phantomtöne im Kopf

Das ist umso dramatischer, als ein Tinnitus, der mehr als drei Monate besteht, nur selten wieder verschwindet. Ähnlich wie ein Phantomschmerz hat er sich im Kopf verselbstständigt und lässt sich nicht mehr löschen.

Die gute Nachricht ist jedoch: Mit Geduld und der richtigen Strategie können Sie lernen, den Dauerton im Ohr zu überhören. Das funktioniert nach dem gleichen Strickmuster, wie man das Ticken des Weckers neben seinem Bett irgendwann nicht mehr wahrnimmt.

Den Tinnitus ausblenden

Das nervige Piepen oder Rauschen überhören zu können erscheint anfangs genauso unmöglich wie nicht an den berühmten rosa Elefanten zu denken. Darum ist es wichtig, sich professionelle Hilfe zu holen. Im Rahmen einer sogenannten "Tinnitus-Retraining-Therapie" können Betroffene lernen, den Dauerton weniger intensiv wahrzunehmen. Es geht vor allem darum, die nervige Geräuschkulisse im Kopf neu zu bewerten. Denn Töne, die der Mensch als störend oder sogar bedrohlich bewertet, versetzen ihn in Alarmbereitschaft - und verschärfen so das Problem.

Eine erste Hilfe bei der Umbewertung ist Aufklärung. Wer die Umstände, Zusammenhänge und Verkettungen versteht, die einem Tinnitus zugrunde liegen, kann die eigene Situation neu bewerten und Ängste abbauen. Damit sinkt auch der Leidensdruck.

Stress abbauen

Im Rahmen einer psychosozialen Beratung lernen die Betroffenen, mit dem Brummen im Ohr gelassener umzugehen - und ganz allgemein weniger gestresst zu sein. Denn Stress ist nicht nicht nur ein Auslöser für Tinnitus, er kann bestehende Ohrgeräusche auch verstärken. Insofern begünstigen auch Belastungen im Job, Konflikte in der Partnerschaft oder Depressionen einen Tinnitus. Werden diese Probleme gelöst, tritt auch das Ohrensausen in den Hintergrund.
Ein weiterer wichtiger Baustein der Tinnitustherapie sind daher Entspannungsübungen. Sie wirken gegen Stress und Ängste, die im Zusammenhang mit dem Tinnitus auftreten können.

Ebenfalls beim Weghören hilft eine Hörtherapie. Betroffene, die sich wieder mehr auf die Geräusche außen konzentrieren, statt zwanghaft auf den Ton im Inneren zu lauschen, sind weniger fixiert auf ihr Ohrensausen.

Rauschen gegen das Pfeifen

Zusätzlich kann kann ein sogenannter Noiser helfen. Er wird ähnlich wie ein Hörgerät ins Ohr gepflanzt, wo er mehrere Stunden am Tag ein leises Rauschen abgibt. Das Ohrgeräusch wird gleichsam akustisch umhüllt. Dabei kann das Gehirn lernen, es als unwichtig einzustufen. Die Voraussetzung für eine solche Habituation ist allerdings, dass das Rauschen den Tinnitus nicht übertönt.

Derzeit untersuchen Forscher unter anderem an der Berliner Charité, ob ein individuell zugeschnittenes Musikprogramm das Leben mit Tinnitus erleichtern kann. Doch ob das wirklich funktioniert, muss sich noch zeigen.

Stand: 05.07.2017
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Quelle:

  • www.deutsche-tinnitus-stiftung-charite.de